Gewinner und Verlierer der VfB-Saison: Woltemade überragt, Pechvogel Zagadou
Stuttgart. DFB-Pokalsieger und Europa-League-Starter: Der VfB Stuttgart verpasste einer wechselhaften Saison auf den letzten Drücker noch ein schickes Etikett. Trainer Sebastian Hoeneß und Stürmer Nick Woltemade sind zwei der Gesichter des ersten großen Titels seit 18 Jahren - aber nicht die Einzigen. Die Gewinner und Verlierer der Saison des Fußball-Bundesligisten.
Die Gewinner: Hoeneß als Vater des Erfolgs, Woltemade der Senkrechtstarter
Sebastian Hoeneß: Das Zeugnis des 43-Jährigen wäre ohne den Triumph im Pokalfinale von Berlin sicherlich schlechter ausgefallen. Zu unbeständig zeigte sich sein Team vor allem in der Bundesliga, auch in der Champions League wäre der Sprung in die K.o.-Phase drin gewesen. Doch im Endspurt der Saison zog der VfB noch mal an, feierte vier Siege in Serie. Als erster Trainer seit Armin Veh, dem Meistercoach von 2007, holt Hoeneß einen Titel nach Stuttgart.
Nick Woltemade: Vom Einwechselspieler bei Werder Bremen zum Liebling der VfB-Fans und Hoffnungsträger der Nationalmannschaft - Woltemades Aufstieg in nicht einmal einem Jahr ist bemerkenswert. Als es nach seinem Wechsel im Sommer in Stuttgart zunächst nicht lief, blieb der Angreifer ruhig. «Er ist ein Junge, mit dem es richtig Spaß macht, zusammenzuarbeiten», lobte ihn Trainer Hoeneß. Die Folge: Mit 17 Pflichtspieltoren ist der 23-Jährige, den der Club für die Champions League nicht gemeldet hatte, zusammen mit Ermedin Demirovic Stuttgarts bester Torjäger. Im Sommer soll er für den DFB weiter knipsen - für die A-Mannschaft beim Finalturnier der Nations League und für die U21 bei der EM.
Finn Jeltsch: Der rund acht Millionen Euro teure Transfer kam Ende Januar überraschend, doch er scheint sich für den VfB voll auszuzahlen. Auch wenn das Spiel des Abwehrtalents nicht immer fehlerfrei ist, erspielte sich der vom Zweitligisten 1. FC Nürnberg verpflichtete Welt- und Europameister mit der U17-Nationalelf innerhalb weniger Wochen einen Stammplatz. Für Hoeneß ist der 18-Jährige «ein schlauer Verteidiger, der Situationen gut antizipiert» und neben seiner Schnelligkeit einen «außergewöhnlichen Spielaufbau» besitzt.
CEO Alexander Wehrle: Nicht auf dem Platz, aber trotzdem ein Star beim VfB
Angelo Stiller: Als die Mannschaft in der Rückrunde alle Chancen, sich über die Bundesliga für Europa zu qualifizieren, liegen ließ, war der Nationalspieler einer der wenigen, der dennoch konstant auf hohem Niveau spielte. Phasenweise hing der Spielaufbau fast komplett am zentralen Mittelfeldmann. Auch das Blitz-Comeback des 24-Jährigen für das Pokalfinale wurde herbeigesehnt. Gerüchte, wonach große internationale Clubs an ihm interessiert sind, überraschen daher nicht. Stillers Vertrag bis 2028 enthält aber keine Ausstiegsklausel.
Alexander Wehrle: Er steht nicht auf dem Platz und ist doch einer der Stars bei den Schwaben. Unter dem 50 Jahre alten Vorstandsvorsitzenden hat sich der VfB finanziell konsolidiert, zudem ist beim Traditionsverein nach turbulenten Jahren Ruhe eingekehrt. Zuletzt stach die vorzeitige Vertragsverlängerung im März mit Trainer Hoeneß hervor - ohne Ausstiegsklausel.
Die Verlierer: Pechvogel Zagadou, Vagnoman gibt Rätsel auf und Keitel entäuscht
Dan-Axel Zagadou: Als Trainer Hoeneß im September die nächste schwere Knieverletzung des Innenverteidigers bekannt gab, war ihm das Mitgefühl, aber auch die Verzweiflung deutlich anzusehen. Schließlich gehört der auch mental starke 25-jährige Franzose grundsätzlich zu den besten Abwehrspielern der Stuttgarter. Doch schwere Verletzungen - davor hatte er ein halbes Jahr wegen eines Kreuzbandrisses gefehlt - begleiteten Zagadou schon einst bei Borussia Dortmund. Und verhinderten bisher eine größere Karriere.
Josha Vagnoman: Zur Verletzungs- gesellte sich beim Außenverteidiger diese Saison auch noch eine ungewohnte Fehleranfälligkeit. Vagnoman verlor nicht nur öfter den Überblick, sondern phasenweise auch jegliches Selbstvertrauen. Dass ihm im Pokalfinale gegen Arminia Bielefeld noch ein Eigentor unterlief, passt zur unglücklichen Spielzeit des 24-Jährigen. Sein Vertrag läuft noch bis 2026. Dass er verlängert wird, wirkt aktuell aber eher unwahrscheinlich.
Yannik Keitel: Schon beim Landesrivalen SC Freiburg konnte sich der zentrale Mittelfeldspieler nicht durchsetzen, das Gleiche scheint nach seinem ablösefreien Wechsel im vergangenen Jahr nun auch in Stuttgart zu gelten. Mehr als Kurzeinsätze, wenn die Kollegen vor der Abwehr mal eine Pause einlegen, ist bisher kaum drin gewesen. Auch die zwischenzeitliche Formdelle von Kapitän Atakan Karazor konnte der 25-Jährige nicht für sich nutzen.



