VfB Stuttgart

Kein Ansturm auf VfB-Tickets: Die Corona-Pandemie hat Spuren hinterlassen

Mercedes-Benz-Arena Symbolbild
Symbolbild. © Danny Galm

Am Sonntag (24.10./17.30 Uhr) im Heimspiel gegen den FC Union Berlin darf der VfB Stuttgart sein Stadion unter Anwendung der 2-G-Regel erstmals seit eineinhalb Jahren wieder komplett auslasten. Doch der Ansturm auf die Karten für das Bundesliga-Duell ist vorerst ausgeblieben: Bis Freitagmittag (22.10.) hat der Klub laut eigenen Angaben „nur“ 29.000 Tickets verkauft. Erwartet werden rund 32.000 Zuschauer. Der Mercedes-Benz-Arena fasst knapp über 60.000 Fans.

Fanforscher sieht Prioritäten-Verschiebung

Für den Fanforscher Harald Lange von der Universität Würzburg kommt das mäßige Interesse vieler Anhänger wenig überraschend. Der Sportwissenschaftler sprach unlängst von einer Prioritäten-Verschiebung. „Viele Fans haben gemerkt, dass es ganz andere Möglichkeiten gibt, Freizeit zu verbringen“, sagte Lange Anfang Oktober der Deutschen Presse Agentur. Das gesellschaftliche Interesse am Spitzenfußball sei während Corona daher massiv eingebrochen.

Das Ergebnis einer von Borussia Dortmund in Auftrag gegebenen wissenschaftlichen Studie in Zusammenarbeit mit der Dortmunder Universität untermauert diese These. Demnach hat die Pandemie dem Stellenwert des Fußballs geschadet. Einer Umfrage unter 28.000 BVB-Fans zufolge hatten knapp über 80 Prozent der Befragten dem Fußball in ihrem Leben vor der Pandemie einen hohen Stellenwert zugeschrieben - unter dem Eindruck der Krise lag dieser Wert im Frühjahr allerdings nur noch bei 50 Prozent. Corona hat also auch in diesem Bereich seine Spuren hinterlassen.

Aber werden sich die Fans deshalb dauerhaft vom Fußball ab? Nein, sagt die BVB-Studie, in der rund 90 Prozent ihre Rückkehr in den stimmungsvollen Signal-Iduna-Park ankündigten. Und auch Harald Lange glaubt an die Fan-Rückkehr. Aber: „je länger die temporäre Abwendung dauert, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie zu einer dauerhaften wird.“ 

In dieser Saison bislang nur einmal „ausverkauft“

In Stuttgart hatten zuletzt unter Beachtung der 3-G-Regel maximal 25.000 Fans ins Stadion gedurft. In den bisherigen Spielen in Bad Cannstatt wurde dieses Kontingent jedoch lediglich für die Partie gegen den SC Freiburg komplett ausgeschöpft. Gegen die TSG 1899 Hoffenheim (24.211), Bayer 04 Leverkusen (23.450), und die SpVgg Greuther Fürth (18.109) kamen weniger Zuschauer in die Arena. 

„Wir freuen uns über den Support und die Lautstärke aus der Kurve“

Trainer Pellegrino Matarazzo freut sich derweil über jeden Fan, der wieder den Weg in die Arena findet: „Man hat gegen Hoffenheim gesehen, was die Zuschauer für eine unfassbare Energie entfachen können. Schön, dass es am Sonntag nochmal mehr sind. Ich freue mich über jeden Zuschauer.“ Zudem kann der Coach nach langer Zeit wieder auf die Unterstützung der organisierten Fanszene bauen. Die hat für das Union-Spiel ihre Rückkehr in die Cannstatter Kurve angekündigt. „Wir freuen uns über den Support und die Lautstärke aus der Kurve“, sagt Matarazzo

Die Mercedes-Benz-Arena wird am Sonntagabend also zwar wie in den letzten Monaten auch einige leere Sitzschalen aufweisen, die Emotionalität von den Rängen dürfte aber deutlich zunehmen. Und der Stuttgarter Trainer kennt den besten Weg, um bald wieder mehr Publikum ins Stadion zu locken: Spielt seine Mannschaft attraktiv und erfolgreich, „dann kommt vielleicht der ein oder andere Zuschauer mehr“.