VfB Stuttgart

Kein Gegenwind für Wolfgang Dietrich

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Angespannt sieht er aus, Wolfgang Dietrich (links), möglicherweise künftiger VfB-Präsident, vor seinem Auftritt beim VfB-Fan-Club Weiß-Rote Schwoba Leutenbach in Winnenden Bürg. Doch die Fans quälten ihn nicht. Auch Erich Hägele und sein Fan-Club Vision Zukunft 1893 VfB Stuttgart gingen pfleglich mit ihm um. © Steinemann

VfB Stuttgart. Am kommenden Sonntag möchte Wolfgang Dietrich VfB-Präsident werden. Arg viele Fans allerdings hat der Leonberger Unternehmer nicht und so muss er – obwohl einziger Kandidat – bei den Mitgliedern für sich werben. Den Fan-Club Weiß-Rote Schwoba Leutenbach, den er am Dienstag besuchte, scheint er hinter sich zu haben.

Er habe in letzter Zeit viele Veranstaltungen absolviert, meint Dietrich, „Aber keine so gemütliche wie hier.“ Auch wenn der Unternehmer aus Leonberg, geboren in Kernen-Stetten, aufgewachsen in Backnang-Steinbach, vor seinem Auftritt noch angespannt wirkt, er muss sich in der Besenwirtschaft in Winnenden-Bürg keine Sorgen machen. Der Leutenbacher Fan-Club ist nicht auf Krawall gebürstet. Zu Gast allerdings sind auch Mitglieder des Fan-Clubs Vision Zukunft 1893 VfB Stuttgart. Gegründet erst im Januar 2016 von Erich Hägele aus Frust über all das, was bei dem Fußball-Bundesligisten seit vielen Jahren schiefläuft. Und vor allem darüber, dass die Mitglieder nichts zu sagen haben.

150 Mitglieder hat der Fan-Club mittlerweile, verteilt übers ganze Bundesland. Zur Mitgliederversammlung des VfB am Sonntag hat er einen Antrag gestellt, in dem er mehr Rechte für die Mitglieder (und mehr Beachtung durch Vorstand und Aufsichtsrat) fordert, einen Mitgliederausschuss und Vereinsbeirat und vor allem, dass ein Mitglied der Fans einen Sitz im Aufsichtsrat erhält. Diesen Antrag allerdings, sagt Hägele, habe er wieder zurückgezogen, weil der Präsidentschaftskandidat Dietrich im Vorfeld zugesagt habe, all diese Forderungen zu unterstützen.

In Bürg spricht Hägele seine Anliegen nun noch einmal an, und erneut bekundet Dietrich. „Erich, du hast recht.“

Dietrich hofft auf das „Ende einer zehn-, zwölfjährigen Abwärtsspirale“

Auch ihm gefalle vieles nicht, was beim VfB in den vergangenen Jahren – und auch Wochen – gelaufen sei. „Ich hoffe, dass der Verein jetzt am Ende einer zehn-, zwölfjährigen Abwärtsspirale ist“. Beim Blick auf die Tabelle von zweiter Mannschaft, A- und B-Jugend, „da wird einem richtig schlecht“. Bei so mancher Funktion im Verein (Beispiel Thomas Hitzlsperger) „weiß ich auch nicht, was die genau machen“, und angesichts des Durcheinanders nach dem Abstieg „grenzt es an ein Wunder, dass wir überhaupt eine Mannschaft haben“. Und was das Scouting angeht: „Haben wir überhaupt noch eines?“

Er wolle dem Verein eine neue Struktur geben, zum Beispiel die Jugendabteilung wirtschaftlich vom Profibetrieb abkoppeln. Um die Finanzierung wolle er sich als Präsident kümmern, damit der VfB wieder mehr Spieler für die eigene erste Mannschaft ausbilde oder sie – wenn die den Sprung nicht schafften – zumindest gewinnbringend verkaufen könne.

Noch nicht völlig überzeugt indes ist Dietrich von der Idee eines Fanausschusses. „Wir brauchen die Fans. Aber brauchen wir alle?“ Dabei hat er vor allem die Ultras im Sinn.

Die könnten die Wahl des 68-Jährigen am Sonntag verhindern, zumindest gefährden. Deshalb muss Dietrich andere Mitglieder von sich überzeugen. Und das am besten – wie in Bürg – vor der Versammlung, denn ein mitreißender Redner, der die Mitglieder am Wahltag noch überzeugen könnte, ist Dietrich nicht.

Für Benjamin Layer, Vorsitzender des Leutenbacher Fan-Clubs, steht am 9. Oktober „eine richtungsweisende Wahl“ an. Es geht dabei unter anderem um mehr Demokratie. Dieser Antrag zur Satzungsänderung ist auch Dietrich wichtig. Künftig sollen nicht mehr nur die bei der Vollversammlung anwesenden Mitglieder abstimmen können, es soll auch Briefwahl möglich sein. Das, so Dietrich, sei ihm sogar wichtiger, als dass er selbst Präsident werde.

Erich Hägele und Kollegen ist mindestens so wichtig: „Der Ehrenrat muss weg.“ Sie werden für Dietrich stimmen, wenngleich sie auch keine glühenden Unterstützer sind. Immerhin unterstützt er ihr Anliegen. Mit Versprechungen geizt er obendrein. „Ich sage nicht, in fünf Jahren spielen wir Champions League.“

Solche Aussagen fallen einem – siehe Vorgänger Bernd Wahler – allzu schnell auf die Füße.

Skepsis

Wolfgang Dietrich (68) gilt vielen lediglich als Kandidaten-Notlösung. Skepsis schlägt ihm unter anderem entgegen, weil er Sprecher des heftig umstrittenen Projekts Stuttgart 21 war.

Außerdem führte er jahrelang ein Unternehmen, das andere Profifußballvereine – also VfB-Konkurrenten – finanziell unterstützte. Mittlerweile leitet Dietrichs Sohn die Firma.

In Bürg spielte das Thema keine Rolle. Dietrich selbst ging es offensiv an. „Ohne diese Erfahrung hätte ich es mir nicht zugetraut, für dieses Amt (des VfB-Präsidenten) zu kandidieren.“

Dietrich wird, sollte er gewählt werden, kein bezahlter Präsident werden. Er werde das nur ehrenamtlich machen.