Kein Investor für die DFL: Warum der VfB Stuttgart mit Nein gestimmt hat
Die Erst- und Zweitligisten haben den Einstieg eines Investors bei der Deutschen Fußball Liga abgelehnt. Ein entsprechender Antrag hat am Mittwoch auf der außerordentlichen DFL-Mitgliederversammlung nicht die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit erhalten. Mit Nein gestimmt hat auch der VfB Stuttgart. Warum?
Das ist die Position des VfB Stuttgart
In einer Stellungnahme vom frühen Mittwochabend (24.05.) hat der Klub seine Haltung zum DFL-Investorenprozess erläutert. Man befürworte "grundsätzlich die Zusammenarbeit mit seriösen, verlässlichen Investoren", heißt es darin. Auch teile man die Ansicht, "dass die Bundesliga nachhaltiges Wachstum benötigt". Vor allem mit Blick auf Themen wie Digitalisierung und Internationalisierung. Hier habe die Bundesliga "erheblichen Nachholbedarf".
"Wir müssen uns damit beschäftigen, wie auch junge Menschen auf Dauer für den deutschen Fußball zu begeistern sind", heißt es aus dem roten Clubhaus an der Mercedesstraße. Daher begrüße man Initiativen und Ideen für zukunftsweisende Investitionen, "die langfristig allen 36 Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga zugutekommen". Demnach können aus Sicht der Stuttgarter auch Investorenmodelle mit den richtigen Partnern dafür eine Möglichkeit sein.
Das sagt VfB-Boss Alexander Wehrle
Dennoch hat VfB-Vorstand Alexander Wehrle bei der Versammlung in einem Frankfurter Flughafenhotel gegen den Milliarden-Deal gestimmt. Mit der Begründung: Im kurzfristig geänderten und vorgelegten Antrag des DFL-Präsidiums seien immer noch zu viele offene Fragen. Insbesondere bei den Punkten, die Verteilungsgerechtigkeit, Stärkung des nationalen Wettbewerbs und Mittelverwendung betreffen, falsche Anreize und Lösungsmodelle.
Präsidium und Vorstand des VfB hatten eine gemeinsame Haltung abgestimmt. Und diese dann in Frankfurt kundgetan. Nach Informationen unserer Redaktion hielt VfB-Präsident und Aufsichtsratschef Claus Vogt eine Rede auf der DFL-Sitzung
"Der Verkauf von Anteilen künftiger Erlöse ist eine Möglichkeit, um Investitionen in die Zukunft zu tätigen. Doch dies muss zielgerichtet und strategisch passieren", sagt Wehrle. Er dürfe nicht zu einem Risiko für kommende Jahre werden und er nicht zur Zementierung einer Verteilungslogik führen, "die den Interessen der großen Traditionsclubs und ihrer Fans widerspricht und die wirtschaftliche Schere zwischen den Clubs weiter öffnet, statt sie zu schließen".
Krachende Niederlage: Das war der Plan der DFL
Das Abstimmungsergebnis ist eine krachende Niederlage für die DFL-Führung um Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke und die Interims-Geschäftsführer Axel Hellmann und Oliver Leki, die im Vorfeld für eine breite Zustimmung geworben hatten. Die DFL hatte sich von dem Deal frisches Kapital in Höhe von rund zwei Milliarden Euro versprochen. In der organisierten Fanszene gab es seit Monaten großen Widerstand gegen die Pläne.
Mit dem Geld sollte insbesondere die Gesamtvermarktung der Bundesliga, vorrangig im Ausland, gestärkt werden. Ein fester Betrag war ferner zur Finanzierung lokaler Infrastrukturprojekte der 36 Profivereine vorgesehen. Zudem sollten die Clubs rund 300 Millionen Euro zur freien Verfügung erhalten.
Der DFL-Plan sah vor, dass die nationalen und internationalen Medienrechte in eine Tochtergesellschaft namens DFL MediaCo GmbH & Co. KGaA ausgelagert werden sollten. Ein möglicher Investor, zuletzt waren von ursprünglich sechs Interessenten noch drei übrig geblieben, sollte dann 12,5 Prozent für eine Laufzeit von 20 Jahren an dem neuen Unternehmen erwerben. Dieser Plan ist nun hinfällig.



