VfB Stuttgart

Kommentar zur Hinrunde des VfB Stuttgart: Kein Grund zur Panik, aber zur Sorge

Fußball  1.FC Köln vs. VfB Stuttgart
Der VfB Stuttgart verbringt die Winterpause auf dem Relegationsrang. © Pressefoto Baumann

17 Spiele, 17 Punkte, Tabellenplatz 16: Die Zahlen zur durchwachsenen Hinrunde des VfB Stuttgart in der Bundesliga sprechen eine eindeutige Sprache. Grund zur Panik besteht deshalb noch lange nicht, Grund zur Sorge allerdings schon, findet unser Reporter Danny Galm.

Keine Überraschung

Überrascht es, dass der VfB nach der ersten Saisonhälfte im Abstiegskampf steckt? Nein. Schließlich war allen Verantwortlichen - und auch dem Großteil der Fans - von Beginn an klar: Dieses Jahr geht es um nicht und um nicht weniger als den Klassenverbleib. Dementsprechend leuchten die Alarmsirenen am Cannstatter Wasen noch nicht in tiefrot. In Gelb blinkt die Warnleuchte vor dem Jahreswechsel hingegen schon. Und das hat seine Gründe.

Warum die Defensive wackelt

Verletzungs- und Corona-geplagt haben sich die Schwaben in die kurze Winterpause geschleppt. Bereits am 08. Januar startet die Rückserie mit einem Auswärtsspiel beim Schlusslicht in Fürth. Trainer Pellegrino Matarazzo bleibt folglich nur wenig Zeit, um an den Defiziten im Spiel seiner Mannschaft zu arbeiten. Da wäre zum einen die wackelige Defensive. Bereits 31 Gegentore fingen sich die neue Nummer eins Florian Müller und seine Vorderleute. Dabei waren es vor allem individuelle Aussetzer, welche die weiß-rote Anhängerschaft ein ums andere Mal zum Verzweifeln brachten. 

Zwar ist die VfB-Hintermannschaft auf dem Papier hervorragend besetzt, doch auf dem Platz verleihen Anton und Co. dem Team zu selten Stabilität. Was jedoch weniger mit der taktischen Ausrichtung zu tun hat, und mehr mit dem Verhalten in und um den eigenen Sechzehner. Exemplarisch für so viele Gegentore in der Hinrunde steht der Treffer von Anthony Modeste vom vergangenen Sonntag: Leichtefertiger Ballverlust im Aufbauspiel, um den Strafraum kein Druck auf den Flankengeber und in der Box köpft der Kölner Knipser unbedrängt zum 1:0-Sieg ein. Gleich drei VfB-Verteidiger standen wie erstarrt um den Franzosen und beobachteten dessen Kopfballkünste aus nächster Nähe. 

Die Abwehrleistung einer Mannschaft allerdings nur auf die Hintermannschaft plus Torhüter zu beschränken, greift viel zu kurz. Im Spiel gegen den Ball sind schließlich alle Kicker gefordert. Und beim VfB mangelte es diesbezüglich häufig an der richtigen Balance im Spiel. Zu oft klafften zu große Lücken zwischen den Mannschaftsteilen, zu oft wurde im Spielaufbau der Ball leichtfertig vertändelt. Hier rückten vorrangig die Leistungsträger aus der Vorsaison, Wataru Endo und Orel Mangala, in den Fokus. Beide konnten bislang noch nicht an ihr starkes Vorjahresniveau anknüpfen.

Warum der Vorwärtsgang klemmt

Die mangelhafte Abstimmung und das fehlerbehaftete Spiel mit dem Ball erschwerten unweigerlich auch die Angriffsbemühungen der Matarazzo-Elf. Über allem schwebte dabei der verletzungsbedingte Ausfall von Sasa Kalajdzic (seit dem 2. Spieltag) und Silas (Comeback erst Ende November). Rechnet man noch den Verkauf von Nicolas Gonzalez mit ein, fehlen dem VfB 33 der 56 Tore aus der Vorsaison. In der laufenden Spielzeit führten bislang lediglich 22 Angriffsbemühungen zum Ziel. 

Neben dem Fehlen der Topscorer aus dem Vorjahr blieben zusätzlich die erhofften nächsten Entwicklungsschritte bei Spielern wie Mateo Klimowicz oder Tanguy Coulibaly aus. Beide Youngsters kamen in der Hinrunde zwölf Mal zum Einsatz. Ein Treffer gelang keinem von beiden. Vielmehr wird immer deutlicher, dass manches Talent in der Saison 2020/21 überperformt hat. 

Hinzu kommt, dass die Neuverpflichtungen für den Offensivbereich (Beyaz, Faghir, Führich) aus unterschiedlichen Gründen nur selten auf dem Platz standen - und dementsprechend noch kein Faktor im Stuttgarter Spiel sein konnten. Lediglich die Wolfsburger-Leihgabe Omar Marmoush traf schon zweimal ins Schwarze und legte drei Treffer auf. In vielen Duellen ist dem Ägypter allerdings anzumerken, dass der Weg zu einem gestandenen Bundesliga-Stürmer noch ein weiter ist.

Der VfB darf sich keine Ausrutscher mehr erlauben

Alles in allem ergibt sich so eine für den VfB in seinem zweiten Bundesliga-Jahr nach dem Aufstieg bedrohliche Situation. Zwar ist die Liga weiter eng beieinander und die Stuttgarter haben nach wie vor alles in der eigenen Hand. Doch bleiben die Ergebnisse aus, wird der Druck auf die junge Mannschaft von Spieltag zu Spieltag wachsen. Gerade mit Blick auf die Schlüsselduelle gegen die direkte Konkurrenz. Und aufgrund der mauen Hinserie ist jetzt schon klar: Gegen Fürth, Bielefeld, Bochum, Augsburg und Berlin darf sich der VfB im neuen Jahr keine Ausrutscher mehr erlauben.   

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