VfB Stuttgart

Martin Bizer will VfB-Präsident werden

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Der Mann hat offenbar keine Angst davor, sich bei der Arbeit schmutzig zu machen: Martin Bizer beim Korber Bier-Massaker 2019. © Laura Edenberger

Korb/Stuttgart. Martin Bizer? „Ist das nicht der Chef vom Tennisclub?“ – „Der organisiert doch das Straßenfest!“ – „Ein pensionierter Schulmeister, oder?“ Wer ist dieser Mann aus Korb, der VfB-Präsident werden will und womöglich gar Chancen hat? Eine Spurensuche.

In die Korber Ortsgeschichte hat Martin Bizer sich mit einer spektakulären Panne eingeschrieben, die allerdings nicht seine Kompetenz für den VfB-Chefposten infrage stellt, sondern allenfalls seine Eignung zum Gastwirt: Im Sommer 2019 beim Seeplatzfest geriet ihm der Versuch, ein Fass anzustechen, zum brutalen Bier-Massaker (siehe Foto).

Als am Freitagabend der VfB-Beirat die vier Halbfinalisten im Rennen um den Präsidentenstuhl benannte, staunten viele im Rems-Murr-Kreis: Während der Schorndorfer OB Matthias Klopfer seinen Bewerberhut erst öffentlichkeitswirksam in den Ring geworfen hatte und dann ebenso medienlautstark wieder aufklaubte, sprang dieser Korber wie Kai aus der Kiste – mausleise und fuchspfiffig hatte Bizer sich hinter den Kulissen in Stellung gebracht und stand plötzlich auf der Liste der Top Vier.

Gar nicht selbst beworben?

Oder war es ganz anders? Hartnäckig gärt das Gerücht, dass sich Bizer gar nicht selber beworben habe. Sondern vom Vereinsbeirat gefragt worden sei, ob er sich ein präsidiales Engagement vorstellen könne.

Auf unsere Zeitungsanfrage per Mail antwortet er dankenswert prompt: Er bitte um Verständnis, dass er sich an das „Ehrenwort“ gegenüber dem Beirat „gebunden fühle“, vorerst „keine Interviews zu geben oder Statements zu verbreiten“. Am 7. November wird der Beirat aus vier Kandidaten zwei machen, die sich dann bei der Mitgliederversammlung zur Wahl stellen dürfen – bis dahin, mailt Bizer, solle niemand „einen Wettbewerbsvorteil durch einen Schritt an die Öffentlichkeit“ erringen.

Als Bizers Name publik wurde, spöttelten einige: Seine Qualifikation bestehe darin, den örtlichen Tennisclub zu leiten, Straßenfeste zu organisieren und als Schulmeister den Ruhestand zu genießen. Stimmt zwar alles. Ist aber bei weitem nicht die ganze Wahrheit, wie wir sehen werden ...

In Korb "bekannt wie ein bunter Hund"

Anruf beim Korber Bürgermeister Jochen Müller: Wer ist dieser Bizer? Aber hallo, antwortet Müller, „wer kennt den Bizer nicht?!“ Die Tennis-Anlage habe der „auf einen modernen Stand gebracht“ und als Sprecher der örtlichen Vereinsvorstände das Korber Straßenfest runderneuert. „Mit dem kannsch g’schirra“.

In Korb, sagen andere, sei Bizer „bekannt wie ein bunter Hund“. Der Mann ist ja auch kaum zu übersehen: Mit dem Schal, den er bisweilen künstler-fesch gewunden um den Hals trägt, und dem freigeistig zauselnden Grauhaar ginge er auch als Intendant des Staatstheaters durch. Flott unterwegs sei er für sein Alter, fahre Ski, kenne jeden und jede – „dr Bizer“, heißt es in Korb, „isch halt dr Bizer“. Und sein Sohn Daniel, der im Korber Gemeinderat sitzt, ist gar noch berühmter: Er war ein Kinderstar im Fernsehen, spielte einst in der ARD-Krimiserie „Ein Fall für B.A.R.Z.“ den jungen Meisterdetektiv Bartholomäus Birkenstock.

Er förderte Olympia-Turner und Bundesliga-Fußballer

Mit Blick auf das Amt beim VfB zählt anderes indes mehr: Bis 2012 war Martin Bizer Vizepräsident beim Schwäbischen Turnerbund (STB) und dort zuständig für den Bereich Spitzensport. In Bizers Zeit investierte der STB in hochkarätige Trainer wie Valeri Belenki und Top-Trainingsstätten wie das Kunst-Turn-Forum Stuttgart, das auch Athleten aus anderen Bundesländern anlockte. Folge: Bei der Olympiade in London 2012 kamen elf von 19 nominierten deutschen Turnsportlern entweder aus schwäbischen Vereinen oder trainierten zumindest in STB-Zentren; unter anderem Marcel Nguyen, der am Barren und im Mehrkampf Silber holte. Bizers Chef damals war der Schorndorfer Rainer Brechtken. Der Ex-Präsident des STB lobt: „Ich kann nur Gutes über ihn sagen – ohne rot zu werden!“

Optimale Rahmenbedingungen für Spitzensportler zu schaffen, darum ging es auch dem Schulleiter Bizer: Der Mann, der früher mal am Waiblinger Salier-Gymnasium unterrichtet hatte, führte danach 15 Jahre lang, bis zu seinem Ruhestand 2019, das Wirtemberg-Gymnasium Untertürkheim. Die Liste der Nachwuchstalente, die hier ihr Abi gemacht haben, liest sich wie ein Who is Who des deutschen Profifußballs: Timo Werner, heute Nationalspieler, Timo Baumgartl, mittlerweile beim PSV Eindhoven, Joshua Kimmich, seither zum Leistungsträger bei Bayern München gereift, Daniel Didavi, Mittelfeldstratege des VfB, Bernd Leno, Keeper von Arsenal London.

Dietrich-Gegner könnte zu Dietrich-Nachfolger werden

Das „Wiggy“, so der Kosename des Wirtemberg-Gymnasiums, ist eine offizielle „Eliteschule des Sports“: Junge Top-Athleten lernen in einem ganz normalen Schüler-Umfeld – und finden maßgeschneiderte Umstände, um Bildung und Training unter einen Hut zu bringen. Lange Zeit schickte der VfB seine Jung-Cracks bevorzugt zu Bizer; bis – und jetzt wird’s pikant – 2017 VfB-Chef Wolfgang Dietrich die Kolping-Akademie Fellbach als Kooperationspartner vorzog. Sehr zum Ärger des Wirtemberg-Rektors, wie man munkeln hört.

Es wäre eine aparte Ironie der Sportgeschichte, wenn just der damals ausgebootete Schulleiter nun seinen Widersacher von einst beerben würde. Einen Dietrich-Gegner zum Dietrich-Nachfolger wählen? Für viele VfB-Mitglieder dürfte das eine verführerische Aussicht sein.


Korb/Stuttgart. Martin Bizer? „Ist das nicht der Chef vom Tennisclub?“ – „Der organisiert doch das Straßenfest!“ – „Ein pensionierter Schulmeister, oder?“ Wer ist dieser Mann aus Korb, der VfB-Präsident werden will und womöglich gar Chancen hat? Eine Spurensuche.

In die Korber Ortsgeschichte hat Martin Bizer sich mit einer spektakulären Panne eingeschrieben, die allerdings nicht seine Kompetenz für den VfB-Chefposten infrage stellt, sondern

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