VfB Stuttgart

Nach Daten-Affäre und Führungskrise: Wie Thomas Hitzlsperger den Blick wieder nach vorne richten will

VfB Vorstandsvorsitzender Thomas Hitzlsperger Verein
Nach vereinspolitisch schwersten Turbulenzen will der Vorstandschef Thomas Hitzlsperger den Blick nun nach vorne richten. © Benjamin Büttner

Thomas Hitzlsperger hat genug. Genug von all den Gefechten, offenen Briefen und Auseinandersetzungen der letzten Wochen und Monate. Der Vorstandschef des VfB Stuttgart will die Führungskrise und den Machtkampf mit Präsident Claus Vogt zu einem Abschluss bringen - und den Blick endlich wieder nach vorne richten. „Es waren extrem stürmische Zeiten“, sagte der Ex-Profi direkt zu Beginn eines Pressegesprächs am Freitagnachmittag (26.02.). Doch die Chaos-Tage von Bad Cannstatt sollen jetzt vorbei sein: „Das Erfreuliche ist, dass wir jetzt einen Schlusspunkt setzen können“, so der Ex-Nationalspieler.

Neuanfang ohne Altlasten

Damit der Neuanfang ohne Altlasten beginnen kann, müssen allerdings zunächst die Fehler der Vergangenheit aufgearbeitet werden. Insbesondere die sogenannte Daten-Affäre. An der Rechtswidrigkeit der Weitergabe tausender Mitgliederdaten in den Jahren 2016, 2017 und 2018 gibt es nun keinerlei Zweifel mehr. Das bestätigte auch der auf Datenschutz- und IT-Recht spezialisierte Anwalt Flemming Moos: „Es gab keine Rechtsgrundlage für diese Übermittlungen.“ Laut Moos wurden insgesamt vier Emails vom VfB nach außen verschickt, jeder dieser Mails hingen unterschiedliche Mengen an Mitgliederdaten an. Es habe keinen „legitimen Zweck“ dafür gegeben, so der Anwalt.

Im Auftrag der VfB-AG hatte die Kanzlei Osborne Clarke die rechtliche Bewertung des Esecon-Berichts vorgenommen. Auf Grundlage dieses Gutachtens wurden nun mit Kommunikationschef Oliver Schraft und Marketingleiter Uwe Fischer zwei weitere Mitarbeiter entlassen. Zuvor waren bereits die beiden Vorstandsmitglieder Stefan Heim (Finanzen) und Jochen Röttgermann (Marketing) vom Aufsichtsrat abberufen worden. Zu den Gründen für diese Entscheidung wird sich laut Hitzlsperger in der kommenden Woche das Kontrollgremium äußern.

Wird der Esecon-Abschlussbericht veröffentlicht?

„Weitere arbeitsrechtliche Verantwortlichkeiten von Mitarbeitern gibt's auf Basis der aktuellen Sachverhaltsermittlungen nicht“, so Hitzlsperger. Heißt: Rainer Mutschler, der damals Projektleiter für die Ausgliederungskampagne war, wird seinen Posten vorerst nicht räumen müssen.

Den Abschlussbericht der Esecon-Ermittler will man den Mitgliedern zugänglich machen, allerdings seien hier mit Blick auf die Persönlichkeitsrechte der involvierten Personen „gewisse Grenzen gesetzt“, so Hitzlsperger: „Ich sehe es als plausibelste Lösung, den Bericht hier beim VfB für einen gewissen Zeitraum auszulegen und an den entscheidenden datenschutz- und persönlichkeitsrechtlichen Stellen zu schwärzen und dann Menschen Einsicht zu geben.“ Die internen Absprachen diesbezüglich laufen noch.

Wie geht es im Verhältnis zwischen Claus Vogt und Thomas Hitzlsperger weiter?

Zahlreiche Gespräche gab es in den vergangen Tagen auch mit dem Präsidenten und Aufsichtsratschef Claus Vogt. Die beiden VfB-Alphatiere müssen nach den Kämpfen der letzten Wochen eine neue Basis für eine konstruktive Zusammenarbeit schaffen. „Die persönliche Beziehung von uns Zweien darf jetzt nicht mehr im Mittelpunkt stehen“, sagte Hitzlsperger. „Solange wir diese Diskussion führen, kommen wir nicht vom Fleck.“

Die inhaltliche Kritik am amtierenden Clubchef bleibt aber weiter bestehen. Auf eine entsprechende Nachfrage wollte Hitzlsperger nicht weiter eingehen. Das verloren gegangene Vertrauen vieler Anhänger gewinne man nur zurück, „wenn wir wieder erfolgreich sind. Auf allen Ebenen.“

Mit Blick auf seinen im Sommer 2022 auslaufenden Vertrag als CEO gab sich der ehemalige Nationalspieler betont kämpferisch. „Die Bewertung meiner Arbeit machen andere. Und wenn die in einem Jahr nicht mehr gut genug ist, dann wird mir der Aufsichtsrat das mitteilen. Aber ich werde dafür kämpfen, zu bleiben. Auch wenn es manche gibt, die mich hier nicht sehen wollen.“

Das Chaos der Führungskrise will in jedem Fall kein Fan mehr sehen. Auch Thomas Hitzlsperger möchte den Erfolg der jungen Mannschaft in der Bundesliga künftig wieder in den Mittelpunkt rücken. Und im Kielwasser des sportlichen Aufschwungs auch den krisengeschüttelten Traditionsverein wieder in ruhigeres Fahrwasser steuern: „Die Welle, auf der wir sportlich reiten, da wollen wir uns dran hängen.“

Nachbesetzungen im Vorstand

  • Während mit Tobias Keller für den abberufenen Finanzvorstand Stefan Heim bereits eine Interimslösung gefunden wurde, soll der freigewordene Posten von Marketingvorstand Jochen Röttgermann zunächst nicht interimsweise besetzt werden. Hier strebt der VfB direkt eine langfristige Lösung an.
  • Für die Besetzung der Vorstandsposten ist der Aufsichtsrat verantwortlich. Mit Hilfe einer renommierten Personalberatungsagentur wird aktuell nach geeigneten Kandidaten gesucht.