VfB Stuttgart

Neuer VfB-Vorstandsboss: Warum Alexander Wehrle kommt und wie es jetzt weitergeht

Alexander Wehrle
Alexander Wehrle bei einer Veranstaltung. Foto: David Inderlied/dpa/Archivbild © David Inderlied

Der Aufsichtsrat des VfB Stuttgart hat einen Nachfolger für Thomas Hitzlsperger gefunden. Die Wahl fällt wie in den letzten Wochen berichtet auf Alexander Wehrle, den Geschäftsführer des 1. FC Köln. Warum sich das Kontrollgremium für den gebürtigen Bietigheimer entschieden hat, welche Aufgaben er jetzt anpacken muss und wie es beim Thema Sportvorstand weitergeht.

Rückkehr in die Heimat

Nach neun Jahren als Geschäftsführer des Liga-Rivalen 1. FC Köln kehrt der 46-Jährige im Laufe des Aprils 2022 zum schwäbischen Fußball-Bundesligisten zurück. Dort erhält Wehrle einen Vierjahresvertrag und tritt als Vorstandsvorsitzender der ausgegliederten Profiabteilung die Nachfolge von Thomas Hitzlsperger an. Dieser hatte bereits im September angekündigt, dass er seinen im kommenden Herbst auslaufenden Kontrakt nicht verlängern und den VfB verlassen werde.

„Ich bin glücklich wieder nach Hause zu kommen, nach neun intensiven Jahren in Köln, für die ich immer dankbar sein werde“, sagte Wehrle in einer Mitteilung der Stuttgarter vom Mittwoch (22.12.). „Wie viele andere Traditionsclubs hat der VfB enorme Herausforderungen zu bewältigen, nicht zuletzt als Folge der Corona-Pandemie. Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, dass dies gelingt. In den vergangenen Jahren hat der VfB einen erfolgversprechenden Weg eingeschlagen, den ich gerne in Zusammenarbeit mit meinen Vorstandskollegen, der sportlichen Leitung, den Direktoren und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ausbauen möchte. Ich freue mich sehr darauf, wenn es losgeht.“

Der Diplom-Verwaltungswissenschaftler arbeitete nach seinem Studium bereits zwischen 2003 und Anfang 2013 als Referent des Vorstands für den VfB. Wehrle habe „in den vergangenen Jahren eine herausragende Bilanz beim 1. FC Köln vorzuweisen und ist darüber hinaus einer der profiliertesten Geschäftsführer im deutschen Profifußball. Er bringt daher nicht nur die nötigen Kompetenzen mit, um den VfB in dieser herausfordernden Zeit zu führen, sondern wird uns mit seinem Netzwerk und seinem Standing in der Branche sehr guttun“, sagte Präsident und Aufsichtsratschef Claus Vogt. „Als echtes Eigengewächs unseres VfB kennt er zudem den Club und seine Werte und Strukturen.“

Sportliche und finanzielle Herausforderungen

Der neue Vorstandschef macht von einem Sonderkündigungsrecht in seinem ursprünglich noch bis 2023 gültigen Vertrag bei den Kölnern Gebrauch - und kommt in einer schwierigen Phase zurück in die Heimat. Sportlich ist die Ausgangslage der auf dem Relegationsrang liegenden Mannschaft vor dem Rückrunden-Start am 8. Januar bei der SpVgg Greuther Fürth alles andere als einfach. 

Und finanziell hat die Corona-Pandemie beim VfB tiefe Löcher gerissen, mehr als 80 Millionen Euro beträgt der Umsatzrückgang laut früheren Clubangaben. Mit der Rückkehr der Geisterspiele wird die Lage nun wohl noch schwieriger. Daher wird auch die Suche nach einem zweiten Investor für die in die VfB Stuttgart 1893 AG ausgegliederte Profifußballabteilung immer wichtiger. Sie zieht sich schon länger als zunächst erwartet hin. Hier muss Wehrle gemeinsam mit Vereinsboss Vogt schon bald liefern.

Wie es beim Thema Sportvorstand weitergeht

Auch Sportdirektor Sven Mislintat dürfte mit der Personalentscheidung zufrieden sein. Hatte er doch darauf gedrängt, keinen zusätzlichen Sportvorstand von außen zu holen. Wehrle soll zumindest vorerst zwar wohl auch dieses Amt von Hitzlsperger übernehmen, die genaue Rollenverteilung dann aber noch geklärt werden. Zudem genießt Wehrle, der dem Präsidium der Deutschen Fußball Liga sowie dem Vorstand des Deutschen Fußball-Bundes angehört, in der Profiszene einen guten Ruf.

Wie sehr, zeigte zuletzt die Reaktion von Kölns Trainer Steffen Baumgart, als der Wechsel des FC-Geschäftsführers noch den Status eines ernstzunehmenden Gerüchts hatte. Wehrle sei eine der Personen gewesen, die großen Anteil daran gehabt hätten, dass er sich für die schwierige Aufgabe bei den Rheinländern entschieden habe, erklärte Baumgart. Er wollte den Manager noch überreden, in der Domstadt zu bleiben - vergebens. Zu groß war wohl der Reiz, den VfB zu führen.

„Ganz offen können wir als Vorstand sagen, dass man seinen Kapitän – und das ist Alexander Wehrle für das Geißbockheim – nur ungerne ziehen lässt“, sagte FC-Präsident Werner Wolf. „Unter seiner Regie ist der Verein in vielen Dimensionen gewachsen. Er war einer der Architekten der Neuaufstellung nach 2012 und hat wesentlich dazu beigetragen, dass der Verein gerettet werden konnte.“ Künftig soll Wehrle dabei helfen, den wieder mal wankenden VfB zu stabilisieren.

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