VfB Stuttgart

Neues Team, ambitionierte Ziele: Die VfB-Frauen starten ins Bundesliga-Abenteuer

Maximiliane Rall (hier im Testspiel gegen die TSG Hoffenheim) führt die Frauen des VfB Stuttgart als Kapitänin aufs Feld.
Maximiliane Rall (hier im Testspiel gegen die TSG Hoffenheim) führt die Frauen des VfB Stuttgart als Kapitänin aufs Feld. © Hansjürgen Britsch

Stuttgart. Vier Jahre nach dem Startschuss und nach drei Aufstiegen in Folge haben die Frauen des VfB Stuttgart ihr großes Ziel erreicht: die Frauen-Bundesliga. Am Sonntag (23.08.) beginnt die neue Saison mit einem Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim. Die Heimpremiere folgt gegen den Hamburger SV eine Woche später. Wir blicken auf das neue Abenteuer der VfB-Frauen und erklären, was für die Bundesliga auf dem Transfermarkt getan wurde.

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VfB Stuttgart: Erstes Frauen-Spiel in der Bundesliga

Am Sonntag um 14 Uhr geschieht in der Sinsheimer SNP-Arena Historisches. Mit dem Saisonauftakt bei der TSG Hoffenheim wird zum ersten Mal überhaupt ein Frauen-Bundesliga-Spiel mit Beteiligung des VfB Stuttgart angepfiffen. Zwei Wochen zuvor, bei der VfB-Saisoneröffnung, hatte es dieses Duell mit dem Vierten der vergangenen Erstliga-Saison bereits als Testspiel gegeben. Die Stuttgarterinnen gestalteten die Begegnung über lange Zeit offen, verloren nach einer 1:0-Führung aber mit 1:2.

Jetzt geht es für die Frauen erstmals um Punkte in der Google Pixel Frauen-Bundesliga, wie die höchste Spielklasse offiziell heißt. Der Test gegen die TSG und auch die 0:1-Niederlage in der Generalprobe beim SC Freiburg, ebenfalls etablierter Erstligist, am vergangenen Freitag (14.08.) geben den Schwaben Hoffnung für den Start in das Abenteuer 1. Liga. „Wir haben gezeigt, dass wir das Level haben. Jetzt geht es darum, uns für unseren Aufwand und die Chancen, die wir uns erspielen, auch mit Toren zu belohnen. Das ist der letzte Schritt, der uns noch fehlt. Wir freuen uns sehr, dass es jetzt endlich in der Bundesliga losgeht. Dort wollen wir mitmischen und Paroli bieten“, sagt Nico Schneck.

Über 100 Länderspiele für Italien: Neue Torhüterin beim VfB

Rund sieben Wochen hat der Cheftrainer der VfB Frauen sein teilweise neu zusammengestelltes Team auf die große Herausforderung vorbereitet. Elf Abgängen stehen neun externe Zugänge gegenüber. Erstmals ist keine Spielerin mehr dabei, die zu Beginn der Reise der VfB-Frauen in der Oberliga 2022 im Kader stand. „Wir müssen uns in der 1. Liga nochmal ein bisschen anders und breiter aufstellen“, begründet Sascha Glass, General Manager Frauenfußball des VfB.

Mit Innenverteidigerin Greta Stegemann (25 Jahre, SC Freiburg), den Mittelfeldspielerinnen Chantal Hagel (27 Jahre, FC Sevilla) und Adriana Achcinska (24 Jahre, 1. FC Köln) sowie Angreiferin Verena Wieder (26 Jahre, Werder Bremen) wurden Spielerinnen mit reichlich Bundesliga-Erfahrung nach Bad Cannstatt gelotst. Toptransfer ist Torhüterin Laura Giuliani vom AC Mailand. Die 31-Jährige hat für den 1. FC Köln sowie Freiburg bereits Bundesliga gespielt und über 100 Länderspiele für Italien absolviert.

VfB-Frauen: Das Kapitänsamt übernimmt Maximiliane Rall

Nach neun Jahren in der italienischen Heimat überzeugte Glass, gemeinsam mit Teammanagerin Lisa Lang, Giuliani bei einem dreieinhalbstündigen Abendessen in Mailand von der Rückkehr nach Deutschland und einem Wechsel zum VfB. „Mit ihr bekommen wir eine Leaderin fürs gesamte Team“, sagt Glass über die neue Nummer eins, die gemeinsam mit Hagel direkt zur stellvertretenden Kapitänin bestimmt wurde.

Das Kapitänsamt übernimmt Maximiliane Rall, die im Juni ihren Vertrag in Stuttgart bis 2028 verlängert hat und mit 160 Erstliga-Spielen zu den erfahrensten Spielerinnen im 30-köpfigen Kader zählt. „Mir macht es Spaß, mit den unterschiedlichen Charakteren in unserem Team zusammenzuarbeiten und auch unsere jüngeren Spielerinnen zu unterstützen, ihre Ziele zu erreichen. Ich möchte ein Vorbild sein und zeigen, was alles dazu gehört, eine Profifußballerin zu sein“, sagt die neue VfB-Kapitänin.

Junge Talente aus der Region sollen Chancen bekommen

Vor allem auf den Mix aus Jung und Erfahren hat Glass in der Transferphase großen Wert gelegt. „Der Kampf in der 1. Liga ist nochmal eine andere Hausnummer, da brauchen wir erfahrenen Spielerinnen. Trotzdem soll es weiterhin fester Bestandteil sein, dass wir junge Talente aus unserem eigenen Nachwuchs, aber auch aus der Region fördern und weiterentwickeln wollen“, sagt Glass. Mit Laura Carollo und Svenja Hecke wurden zwei 16-jährige Eigengewächse aus dem erfolgreichen U17-Team der Vorsaison in den Kader aufgenommen.

Dazu kommen spannende Talente von Extern, wie Mira Arouna (20 Jahre, Eintracht Frankfurt II), Julia Mickenhagen (21 Jahre, Bayer Leverkusen), die nach einer Bänderverletzung früh in der Vorbereitung inzwischen wieder Teile des Mannschaftstrainings absolviert, und Luzie Zähringer, die vom FC Bayern München ausgeliehen wurde. Die 18-jährige Innenverteidigerin erfüllt als gebürtige Stuttgarterin, die beim MTV mit dem Fußball begann und anschließend vier Jahre beim FSV Waiblingen spielte, noch ein zweites Kriterium.

„Wir haben einen breiten Kader mit vielen verschiedenen Stärken“

Denn trotz Bundesliga-Aufstieg und immer ambitionierter werdenden Transfers achtet Glass weiterhin auf eine schwäbische Note im Kader. „Über ein Drittel der Spielerinnen haben eine Verbundenheit zur Region, das gibt es bei nicht so vielen Bundesligisten“, berichtet der Manager stolz. Dazu tragen auch die gebürtige Böblingerin Stegemann oder die aus dem Landkreis Calw stammende Hagel bei. „Ich habe früher schon auch meine VfB-Trikots zum Geburtstag bekommen“, gesteht Hagel.

„Der VfB ist der Ausschlag für meine Rückkehr nach Deutschland gewesen. Man hat da die Verbundenheit und da hatte ich richtig Bock drauf“, sagt die 27-Jährige, die nach einem Jahr beim FC Sevilla in Spanien und zuvor zwei Spielzeiten beim VfL Wolfsburg mit reichlich Erfahrung auf höchstem Niveau zurück im Ländle und überzeugt von ihrem neuen Team ist. „Wir haben einen breiten Kader mit vielen verschiedenen Stärken. Wenn wir die auf den Platz bringen, sind wir voll mit dabei und können unser Ziel auf jeden Fall erreichen.“

VfB-Trainer zur Spielweise: „Wir wollen mutig sein“

Bezüglich des Saisonziels sind sich Glass und Schneck einig. „Wir wollen uns etablieren“, sagen beide unisono. „Wieder runterzugehen wäre nach der harten Arbeit der letzten Jahre fatal, das sollte nicht passieren. Die Liga ist echt eng geworden. Es ist nicht mehr so, dass die Aufsteiger direkt wieder runtergehen. Das hat sich verändert, weil die Klubs jetzt viel mehr in den Frauenfußball investieren. Da müssen wir schauen, dass wir mithalten“, erläutert Glass. Und Schneck ergänzt: „Sich zu etablieren braucht Zeit. Das ist ein Prozess, der vielleicht auch zwei, drei Saisons dauert. Unser erstes Ziel ist es, in der Liga zu bleiben.“

Der VfB-Trainer möchte mit seinem Team trotz Aufsteigerrolle nicht abwartend agieren. „Aktivität, Überzeugung, Leidenschaft sind die DNA des Vereins. Das hat erstmals nicht mit Formation oder Gegner zu tun. Wir wollen mutig sein und uns auch gegen Teams wie Bayern nicht nur hinten reinstellen und kontern. Es kann sein, dass es das Spiel hergibt, aber unser Ansatz ist schon, zu schauen, dass wir das Spiel ein Stück weit mitgestalten können.“

VfB-Frauen: „Schnupper-Dauerkärtle“ für alle interessierten Fans

Mit dieser Art des Fußballs sollen die Fans möglichst zahlreich zu den Heimspielen ins Gazi-Stadion auf der Waldau gelockt werden. Geplant ist außerdem ein Highlightspiel pro Saison in der MHP-Arena. „Die Leute sollten nicht wegen des Events, sondern wegen des guten Fußballspiels kommen und dem Spaß, den sie an der Mannschaft haben. Hier sind wir in der Pflicht zu liefern“, sagt Glass.

Einen ersten Eindruck davon kann man sich am 29. August (14 Uhr) beim Heimauftakt in Degerloch gegen den Hamburger SV machen. Der VfB lockt mit einem „Schnupper-Dauerkärtle“. Für einen Preis zwischen 25 und 50 Euro kann man sich damit seinen Sitzplatz für die ersten drei Heimspiele sichern.

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