VfB Stuttgart

Nicht bilanzieren, sondern marschieren: So geht der VfB den Jahresabschluss an

Fussball  SV Werder Bremen  vs. VfB Stuttgart
Jamie Leweling verkörpert genau das, was der VfB vor dem Jahresabschluss braucht: Tempo, Tiefe und die Bereitschaft, bis an die körperliche Grenze zu gehen. © Hansjürgen Britsch

Stuttgart. Der VfB Stuttgart steht am Samstag zu Hause gegen die TSG Hoffenheim ein letztes Mal vor Weihnachten auf dem Platz. Der Tabellenfünfte aus dem Kraichgau gegen den Tabellensechsten aus dem Schwabenland, ein Punkt dazwischen. Mehr Bundesliga-Jahresabschluss geht kaum. Eine letzte Anstrengung vor dem Fest. Und Sebastian Hoeneß klingt vorab so, als wüsste er genau, was jetzt gefragt ist: nicht rechnen, nicht bilanzieren, sondern marschieren.

„Genau das Spiel, das wir jetzt brauchen“, sagt der Trainer. Ein Heimspiel, starke Mannschaft, volle Ränge. Einer dieser Nachmittage, an denen man alles noch einmal bündeln muss, was über Monate aufgebaut wurde. „Wir wollen eine absolute Top-Leistung zeigen, alles raushauen und vor den heimischen Fans einen tollen Abschluss machen.“ Dieses Spiel soll der letzte Kraftakt sein – bevor die Pause kommt, die kleine Weihnachtsfeier mit den Familien, bevor zumindest für ein paar wenige Tage Ruhe einkehrt am Wasen.

VfB-Coach Hoeneß über die TSG: „Sie stehen zu Recht da oben“

Der Gegner eignet sich bestens für diesen Anspruch. Hoffenheim kommt mit Selbstvertrauen, mit Punkten, mit Zahlen, die Respekt verlangen. Fünf Siege aus den vergangenen sieben Spielen, 26 Punkte nach 14 Partien – so stark war Hoffenheim seit neun Jahren nicht mehr. Hoeneß kennt den Klub gut, war selbst von 2020 bis 2022 Cheftrainer bei der TSG. „Jeder weiß“, so Sebastian Hoeneß, „die TSG Hoffenheim hat bewiesen, dass sie gegen gute Teams gut aussehen kann. Sie stehen zu Recht da oben. Das macht das Spiel so reizvoll.“

Reizvoll heißt in diesem Fall: unangenehm. Hoffenheim spielt unter Trainer Christian Ilzer intensiv, läuft viel, fordert den Gegner körperlich wie mental. Zusatzaufgaben, nennt Hoeneß das. Für den VfB bedeutet das: ans Limit gehen – und den Gegner gleich mitnehmen. „Wir müssen bereit sein, athletisch ans Limit zu gehen, mental und körperlich total präsent sein und unsere Stärken einbringen“, sagt Hoeneß.

Dass seine Mannschaft laufen kann, ist für Hoeneß ein Argument. „Der letzte Eindruck ist positiv. Wir sind in den meisten Spielen mehr gelaufen als der Gegner. Das ist ein Faktor im Fußball.“ Einer, der gerade in engen Spielen zählt. Und dieses Spiel ist eng – tabellarisch, sportlich, emotional. Gewinnt der VfB, zieht er vorbei. Verliert er, geht Hoffenheim mit vier Punkten Vorsprung auf die Schwaben in die Pause.

VfB-Verteidiger Lorenz Assignon fällt gegen Hoffenheim verletzt aus

Personell bleibt die Lage in der Defensive angespannt. Lorenz Assignon fällt wegen Schulterproblemen aus, in der Defensive ist die Decke ohnehin dünn. Zagadou, Jaquez, Keitel und Darvich arbeiten weiter im Rehatraining, Fortschritte ja, Optionen nein. Bilal El Khannouss ist bereits beim Afrika-Cup, Ermedin Demirovic trainiert zwar wieder teilweise mit, ein Einsatz kommt aber noch zu früh. Es sind die bekannten Namen, die fehlen – und sie fehlen schon lange genug, um keine Ausrede mehr zu sein.

Hoeneß will deshalb auch keine Zwischenbilanz ziehen. Noch nicht. Erst Hoffenheim, dann Weihnachten, dann wird bilanziert. Diese Haltung passt zu einer Mannschaft, die in dieser Saison vor allem eines gezeigt hat: Sie kommt zurück. Zehn Punkte nach Rückständen – Ligaspitze, gemeinsam mit Hoffenheim. Spiele drehen, Widerstand leisten, dranbleiben. Zwei Teams, die selten auseinanderfallen, wenn sie führen. Drei Punkte verspielt der VfB nach Führung, Hoffenheim sogar nur zwei. Wer am Samstag in Rückstand gerät, weiß: Es wird ein langer Nachmittag.

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Auch die Geschichte zwischen beiden Klubs liefert Stoff. In der Vorsaison zweimal 1:1, jeweils späte Ausgleiche. Demirovic per Elfmeter in der Nachspielzeit, Gift Orban mit dem letzten Wort in Sinsheim. Dazu die Wiedersehen: Hoeneß, Stiller, Drljaca auf Stuttgarter Seite, Ozan Kabak bei der TSG. Kleine Geschichten am Rand eines Spiels, das vor allem eines ist: ein weiterer Prüfstein für den VfB.

VfB-Coach Hoeneß: „Wir wollen noch mal alles abrufen“

Ein letztes Heimspiel, ein direkter Konkurrent, ein voller Kessel. Der VfB kann an diesem Samstag mehr gewinnen als drei Punkte: das Gefühl, vor der Pause alles gegeben zu haben. Und danach? Weihnachtsfeier, Familien, Abschalten. „Wir wollen noch mal alles abrufen“, sagt Hoeneß. Es klingt wie eine Bitte – an seine Mannschaft, an den Körper, an dieses Jahr. Noch einmal laufen, noch einmal kämpfen, noch einmal marschieren. Dann ist Weihnachten.

So könnten die Teams starten

VfB Stuttgart: Nübel - Vagnoman, Jeltsch, Chabot, Hendriks, Mittelstädt - Chema Andres, Stiller - Leweling, Nartey - Undav

TSG Hoffenheim: Baumann - Coufal, Kabak, Bernardo, Hajdari - Avdullahu - Prömel, Burger - Kramaric - Lemperle, Asllani

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