VfB Stuttgart

So steht es um das Projekt Frauenfußball beim VfB Stuttgart

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Auch der VfB möchte eine Frauenfußball-Abteilung ins Leben rufen. © Symbolbild | Pixabay (CC0 Public Domain)

Der VfB Stuttgart plant schon seit über zehn Jahren, eine Abteilung für Mädchen- und Frauenfußball zu gründen. Zuletzt haben sich die Schwaben aktiv auf die Suche nach einem regionalen Kooperationspartner begeben. Wie ist der aktuelle Stand der Planungen und kommt der künftige Partnerverein der Stuttgarter womöglich aus dem Remstal?

„So weit, wie wir jetzt sind, waren wir als VfB noch nie“

Präsident Claus Vogt hatte kurz vor Weihnachten 2020 erklärt: „Es scheint uns am sinnvollsten, dass wir mit denjenigen, die rund um Stuttgart bereits Erfahrungen im Mädchen- und Frauenfußball haben, Kontakt aufnehmen.“ Eine Projektgruppe mit internen und externen Fachleuten war zuvor ins Leben gerufen worden, auch die Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg stattete dem Club einen Besuch ab. Den Verantwortlichen am Wasen war während des Prozesses schnell klar geworden, dass man das Vorhaben nicht alleine angehen wollte. Also ging der VfB in die Offensive.

Auch wenn Mitte April 2021 noch keine spruchreife Zusammenarbeit steht, scheint das Projekt auf einem guten Weg. „Unsere Projektgruppe hat sich ausführlich mit diesem Thema beschäftigt und Ihre Arbeit mit einer Machbarkeitsstudie abgeschlossen. Hier werden aktuell verschiedene interne und externe Gespräche geführt“, erklärt Vogt auf Nachfrage unserer Redaktion.

Gesellschaftliche Verantwortung und Vorbildfunktion

Trotz der Belastungen durch die Corona-Pandemie werden die Planungen vorangetrieben: „Seit weit über zehn Jahren gibt es schon Pläne zur Gründung einer Mädchen- und Frauenfußballmannschaft. Es gab immer Gründe, warum gerade nicht. Auch jetzt ist die Situation bedingt nicht besser geworden, aber so weit, wie wir jetzt sind, waren wir als VfB noch nie.“

Fest steht: Sowohl im Mädchen- als auch im Frauenfußball will man als VfB spielen. Wichtige Kriterien für einen möglichen Partnerverein sind laut Vogt die Ligazugehörigkeit, die Infrastruktur, die Nachwuchsförderung und die Nähe zum VfB. Vogt: „Wenn alle Rahmenbedingungen geklärt sind, hoffen wir als VfB Stuttgart, zur Saison 2022/2023 Mädchen- und Frauenfußballmannschaften spielen zu sehen.“

Vogt sieht seinen Verein hier in der Pflicht: „Wir haben als größter Verein Baden-Württembergs nicht nur gesellschaftliche Verantwortung, sondern auch eine große Vorbildfunktion in der Region als VfB Stuttgart.“

Kommt der künftige Partnerverein des VfB aus dem Remstal?

Von den Plänen des Stuttgarter Bundesligisten könnten in jedem Fall auch die Vereine mit einer Frauenfußball-Mannschaft im Stuttgarter Umland profitieren. Wie etwa der SV Hegnach aus dem Remstal. Deren erstes Frauen-Team läuft aktuell in der württembergischen Oberliga auf. „Es wäre toll, wenn es auch hier in der Region eine Möglichkeit für junge Talente gäbe, ihrer Leidenschaft nachzugehen“, sagt SV-Trainer Niko Koutroubis.

Leider könnten aktuell viele junge Mädchen nur nach Hoffenheim oder Freiburg wechseln, um den nächsten Schritt in ihrer Karriere zu gehen. Außerdem würde es seiner Ansicht nach bei den aktiven Fußballerinnen für eine zusätzliche Motivation sorgen, wenn der VfB eine Frauen-Mannschaft gründen würde.

Koutroubis, der schon den TSV Crailsheim und den VfL Sindelfingen in die erste Frauen-Bundesliga führte, sieht noch eine weitere Chance für den Frauenfußball: „Ich denke, es würde auch einen Zugewinn an Mitgliedern für die Frauen- und Mädchenmannschaften erzeugen.“ Zudem habe sich in den letzten Jahren gezeigt, dass nur Vereine mit einem Lizenzverein im Rücken in der Frauen-Bundesliga mithalten könnten, so Koutroubis.

Immerhin gab es schon Kontakt zwischen dem VfB und dem SV Hegnach. Der 2. Vorsitzende des Vereins, Simeon Neumann, bestätigte die Gespräche mit dem Club auf Nachfrage unserer Redaktion. Ein erstes Kennenlernen soll Ende des vergangenen Jahres stattgefunden haben. Über die Details will man allerdings keine Auskunft geben. Die Hegnacher sollen sich laut Neumann aber in der engeren Auswahl befinden.

Welcher Verein aus der Region letztlich das Rennen machen wird, ist noch offen. Präsident Claus Vogt fiebert jedenfalls schon dem ersten Auftritt einer VfB-Damen-Elf entgegen: „Ich freue mich schon jetzt auf das erste Spiel einer Mädchen- und Frauenfußballmannschaft in unseren VfB-Trikots.“

Wie der DFB den Frauenfußball fördern will

  • Was die Entwicklung des Frauenfußballs in Deutschland angeht, will DFB-Präsident Fritz Keller den deutschen Profifußball langfristig zu einer Förderung des Frauenfußballs verpflichten.
  • „Es muss irgendwann eine Verpflichtung sein, dass jeder Verein der ersten drei Ligen im Verhältnis zum Umsatz in den Frauenfußball investieren muss“, sagte der Verbandschef am Rande des Damen-Länderspiels gegen Norwegen (3:1) in einem Interview mit dem ZDF.
  • Diese Vorgabe könne beispielsweise Teil der Lizenzierung werden. Das große Ziel seien professionelle Strukturen. „Es muss langfristig irgendwann Teil der Lizenzierung sein, dass ein bestimmter Betrag in die Frauen gehen muss. Es geht nicht, dass man das halbtags macht.“