VfB Stuttgart

Thomas Hitzlsperger unter Druck: Hat der VfB-Vorstand die Esecon-Ermittlungen in der Daten-Affäre behindert?

Thomas Hitzlsperger
Thomas Hitzlsperger, Vorstandsvorsitzender des VfB Stuttgart. Foto: Tom Weller/dpa/Archiv © Tom Weller

Die Führungskrise beim VfB Stuttgart bekommt zu Beginn der dritten Januar-Woche eine ganz neue Dynamik: Zunächst gab am Montag (18.01.) der Vereinsbeirat bekannt, dass er mit einem Headhunter weitere Kandidaten für das Präsidentenamt suchen wird. Am frühen Dienstagabend (19.01.) veröffentlichte die Stuttgarter Zeitung nun einen brisanten Artikel. Demnach sollen der VfB-Vorstand und Teile des Präsidiums die Aufklärung der Daten-Affäre erheblich erschwert haben.

Die StZ beruft sich dabei auf einen Zwischenbericht der Berliner Kanzlei Esecon. Der Verein hat die Vorwürfe auf Nachfrage zurückgewiesen. Zu den Inhalten und Vorgehensweisen im Rahmen der Untersuchung werde man sich nicht äußern. Wie der kicker vor einigen Monaten berichtete, soll der VfB im Frühjahr 2016 eine Kooperation mit einer PR-Agentur geschlossen und wiederholt Mitgliederdaten weitergegeben haben - unter anderem, um die 2017 beschlossene Ausgliederung der Profiabteilung voranzutreiben.

Die Kosten für die Ermittlungen waren ein Grund, warum der schon länger schwelende Machtkampf im Club Ende 2020 komplett eskalierte. „Mehrfach wurde in den zurückliegenden Wochen versucht, die Arbeit der Kanzlei Esecon zu torpedieren“, hatte der amtierende Präsident Claus Vogt in einem an Silvester veröffentlichten Schreiben beklagt. „Man kann zu dem Eindruck kommen, dass es im und um den VfB Menschen/Personen gibt, die diese Aufklärung nicht wollen.“

Thomas Hitzlsperger dagegen hatte behauptet, dass Vogt den Auftrag „ohne Ausschreibung, ohne Kostenschätzung und ohne Projektplan durchgedrückt“ habe. Die dadurch entstandenen „ausufernden Kosten“ hätten dazu geführt, dass die ausgegliederte Profifußball-AG den Verein nun unterstützen müsse, „um ihn vor der Zahlungsunfähigkeit zu bewahren.“ Stimmt nicht, erwiderte Vogt: „Die Kosten für die Aufklärung der Anwaltskanzlei wurden von mir regelmäßig kontrolliert und den Kollegen des Präsidiums mitgeteilt. Zudem sind diese Kosten von einer Versicherung größtenteils gedeckt!“

Besonders brisant: Auch der aktuelle Vorstandsvorsitzende Hitzlsperger soll nach den vorläufigen Erkenntnissen der Berliner Ermittler Einfluss auf den Fortgang der Untersuchungen genommen haben. Unter anderem habe er es abgelehnt, „sämtliche IT-Zugänge der vom ‚Kicker‘ beschuldigten Mitarbeiter Schraft und Fischer (Kommunikationschef und Marketingleiter, Anm. d. Red.) temporär zu deaktivieren, um Manipulationen nachweisbar auszuschließen“, zitiert die Stuttgarter Zeitung aus dem Zwischenbericht.

Der Meisterspieler von 2007 gerät mehr und mehr unter Druck. Schließlich hatte er sich zuletzt noch vehement gegen den Vorwurf, die Ermittlungen in der Daten-Affäre würden von Teilen der AG blockiert, verwehrt. Jetzt wird der Ex-Profi selbst mit einer heftigen Anschuldigung konfrontiert. Endgültig Klarheit werden die rund 70.000 Mitglieder des Vereins wohl erst mit der Veröffentlichung des Esecon-Abschlussberichts bekommen. Dieser wird für Anfang Februar erwartet.