VfB Stuttgart

Torwarttraining im Allgäu: Woran Steffen Krebs mit den VfB-Keepern arbeitet

Florian Müller und Steffen Krebs
VfB-Keeper Florian Müller und Torwarttrainer Steffen Krebs. © Danny Galm

Hinter Florian Müller liegt eine komplizierte Premieren-Saison beim VfB Stuttgart. Auch wenn der Torhüter nicht jeden Fan von seinen Stärken überzeugen konnte, geht er als klare Nummer eins in die neue Spielzeit. Und in der kommenden Runde will Müller endlich durchstarten, konstant gute Leistungen bringen und als Führungsspieler vorangehen. Dafür schuftet er im Trainingslager im Allgäu in intensiven Einheiten mit Torwarttrainer Steffen Krebs.

Rückblick: Die 59. Minute aus dem Köln-Spiel

Um ein Haar wäre Müllers erste Spielzeit beim Traditionsverein aus Bad Cannstatt äußerst unschön zu Ende gegangen. Manchem Fan spukt noch immer die 59. Minute des letzten Spieltages gegen Köln durch den Kopf, als der Saarländer im VfB-Tor kapital danebengriff und die Hoffnung auf den direkten Klassenverbleib für kurze Zeit in ganz weiter Ferne schien. „Mich hat das Ganze natürlich mitgenommen. Aber jetzt ist das Thema abgehakt“, sagte Müller vor kurzem in einem Interview mit dem kicker.

Ausführlich aufgearbeitet wurde diese Szene jedenfalls noch am Abend des Spiels. „Das war mir extrem wichtig“, sagt Torwarttrainer Steffen Krebs: „Flo ist immer noch ein junger Torwart. Das unterschätzt man ein bisschen. Letzte Saison war er mit seinen 24 Jahren hinter Gregor (Kobel, BVB-Torhüter; Anm. d. Red.) der zweitjüngste Torwart in der 1. und 2. Liga.“ 

Zwar war auch Krebs „nicht zu einhundert Prozent zufrieden“ mit den Leistungen seines Keepers in der vergangenen Saison. „Und nichtsdestotrotz fand ich es ein Stück weit zu kritisch. Am Ende hat jeder Punkt gezählt. Und mit Wolfsburg und Bayern hatte Flo zwei sehr gute Spiele.“

Aus Fehlern und Extremsituationen lernen

Der Blick soll nun nach vorne gerichtet sowie aus den Fehlern und Extremsituationen der letzten Runde gelernt werden. „Unter ganz verschiedenen Gesichtspunkten war das eine schwierige Spielzeit. Ihn als Spieler - und uns als Team - kann das weiterbringen“, findet Steffen Krebs.

Torwarttrainer Steffen Krebs
VfB-Torwarttrainer Steffen Krebs. © Danny Galm

In Weiler-Simmerberg fordert der Keeper-Spezialist seine Schützlinge in intensiven Einheiten. Dabei legt der gebürtige Cannstatter den Schwerpunkt auf die Athletik sowie den Abdruck. Hinzu kommt die klassische Tor- und Raumverteidigung mit vielen torwartspezifischen Inhalten. Und einem ganz besonderen Hilfsmittel. 

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Am Donnerstag (14.07.) arbeitete Krebs mit Florian Müller (24), Fabian Bredlow (27) und Dennis Seimen (16) an der Raumverteidigung, sprich der Abwehr von Flanken. Dazu nutzte der 39-Jährige ein schwarzes Plastikschild. „Das Schild ist ein cooles Accessoire, weil man dadurch die Frequenz erhöhen kann“, erklärt Krebs. „Wenn ich oder ein Spieler jede Hereingabe mit dem Kopf verarbeiten müsste, wäre die Frequenz an qualitativen Aktionen einfach nicht so hoch, wie ich mir das wünsche. Mit dem Schild kann man das sehr gut steuern.“ 

Florian Müller und Steffen Krebs
VfB-Keeper Florian Müller und Torwarttrainer Steffen Krebs. © Danny Galm

Hat sich ein Keeper entschieden, die Flanke „zu attackieren“, geht es um das richtige Timing und die Stabilität in der Luft. Bleibt der Torwart auf der Linie bzw. lässt sich fallen, muss eine gute Positionierung gewählt und blitzschnell in die Aktion gekommen werden. 

Ist die klare Rangfolge im Tor ein Problem für die Motivation?

Die Hierarchie im VfB-Tor ist derweil klar geregelt: Müller ist gesetzt, Bredlow ist der Back-up. Ein Motivationsproblem geschweige denn fehlende Spannung im Training ergibt sich aus dieser Konstellation laut Krebs nicht: „Natürlich hat Flo einen gewissen Status. Aber für uns ist auch klar: Wenn ein Torhüter in der Vorbereitung über Wochen hinweg einfach besser hält, dann ist nichts in Stein gemeißelt.“ 

Ihm sei es wichtig, „dass die Nummer eins das Vertrauen spürt. Aber auf der anderen Seite muss die Nummer zwei auch wissen, dass wir uns als Trainerteam - wenn er permanent besser trainiert und in den Tests gut hält - zusammensetzen und überlegen.“

Zwischenmenschlich passt es zwischen dem Saarländer Müller und dem Berliner Bredlow auf jeden Fall: „Die beiden verstehen sich menschlich super, wollen auf dem Platz aber immer die maximale Leistung bringen und in jedem Training besser sein als der andere.“

Wie Steffen Krebs Nachwuchsmann Dennis Seimen einschätzt

Mit Dennis Seimen hat Krebs derzeit zudem noch ein großes Torwarttalent unter seinen Fittichen. „Dennis ist für sein Alter schon eine tolle Persönlichkeit“, sagt Krebs. In den ersten drei Wochen bei den Profis habe er sich „toll präsentiert“. Peu à peu soll der U-17-Nationaltorhüter nun beim VfB die nächsten Entwicklungsschritte gehen. 

Dennis Seimen
VfB-Keeper Dennis Seimen. © Danny Galm

Die nächste Saison spielt Seimen als Stammkeeper bei der U 19, immer wieder darf er allerdings unter der Woche bei den Profis trainieren. „Ich freue mich, wenn er bei uns im Training dabei ist. Er hat schon eine Riesenakzeptanz“, sagt Steffen Krebs, „wenn er weiter so hart an sich arbeitet wie bisher, wird er definitiv in Zukunft ein Thema werden.“