VfB Stuttgart

Transferpolitik des VfB: Warum der Sommer 2028 schon seine Schatten vorauswirft

Jeff Chabot gehört zu den VfB-Leistungsträgern – sein Vertrag läuft wie bei mehreren Stammspielern 2028 aus.
Jeff Chabot gehört zu den VfB-Leistungsträgern – sein Vertrag läuft wie bei mehreren Stammspielern 2028 aus. © Sofiia Shahaievska

Stuttgart. Drei Wochen ohne Bundesliga können ziemlich lang sein. Für den VfB Stuttgart sind sie gerade eine seltene Gelegenheit zum Durchschnaufen – und auch zum Planen. Während ein Teil der Mannschaft mit seinen Nationalteams unterwegs ist, bleibt den Verantwortlichen ein wenig Zeit, den Blick vom nächsten Spiel und der nächsten Aufstellung zu lösen und weiter nach vorn zu schauen. Zum Beispiel bis ins Jahr 2028. Das klingt weit weg. Ist es beim VfB aber nicht. Ein Einblick in die mittel- und langfristige Transferpolitik am Wasen.

Warum der Sommer 2028 bereits seine Schatten vorauswirft? Ganz einfach: Am 30. Juni 2028 laufen die Verträge von gleich acht Profis aus, die zum Stamm oder zumindest zum erweiterten Stamm der Mannschaft gehören: Jeff Chabot, Maximilian Mittelstädt, Josha Vagnoman, Angelo Stiller, Atakan Karazor, Chris Führich, Ermedin Demirovic und Ramon Hendriks. Acht Verträge, acht Personalfragen – und kaum eine Chance, alle acht einfach zu verlängern. Dafür ist der VfB inzwischen ein anderer Klub als noch vor ein paar Jahren. Der sportliche Aufschwung hat nicht nur die Mannschaft, sondern auch die Gehaltsstruktur nach oben gezogen. Der Personalaufwand stieg laut den offiziellen Finanzkennzahlen der Bundesliga von 105,8 Millionen Euro im Jahr 2023 über 134,1 Millionen im Jahr 2024 auf zuletzt laut Kicker-Recherchen 163,8 Millionen Euro.

Die VfB-Mannschaft ist deutlich teurer geworden

Der Erfolg hat seinen Preis. Die Verlängerungen mit Stiller, Führich, Mittelstädt oder Jamie Leweling waren sportlich nachvollziehbar – sie waren aber auch ein Bekenntnis zu einer Mannschaft, die inzwischen deutlich teurer geworden ist. Und wer einem Spieler mehr zahlt, weckt damit bekanntlich nicht nur dessen Freude, sondern gelegentlich auch die Ansprüche seiner Kollegen.

Nun muss der VfB irgendwann auswählen. Welche Spieler sind langfristig unverzichtbar? Wer bleibt? Wer wird verkauft, solange sich noch eine Ablöse erzielen lässt? Und wer bekommt seinen Vertrag schlicht nicht mehr verlängert? Wie die Kollegen vom Kicker berichten, sind bis Januar zunächst keine Gespräche über neue Verträge mit Chabot, Stiller, Führich, Karazor, Mittelstädt, Vagnoman und Demirovic geplant. Die Verantwortlichen wollen die sportliche Entwicklung beobachten – und zugleich abwarten, wie sich die wirtschaftliche Lage entwickelt. Denn zwischen Champions League und Mittelfeld liegt beim VfB inzwischen nicht nur sportlich eine Welt, sondern auch eine finanzielle.

Internationales Geschäft kann die gestiegenen Gehälter auffangen, höhere Medien- und Sponsoringeinnahmen schaffen Spielraum. Bleibt Europa dagegen aus, könnte der Aufschwung der vergangenen Jahre zum Bumerang werden. Dann müsste der VfB möglicherweise dort sparen, wo Sparen im Fußball besonders wehtut: bei den Leistungsträgern.

VfB-Verteidiger Hendriks könnte schon früher ein Thema werden

Hinzu kommt das Alter. Chabot ist 28, Mittelstädt 29, Karazor 29, Führich 28 und Demirovic 28. Im Sommer 2027, also ein Jahr vor Vertragsende, wäre für diese Spieler letztmals ein größerer Verkaufszeitpunkt. Ein halbes Jahr später, im Januar 2028, wird es schwierig, noch nennenswerte Ablösen zu erzielen. Der VfB muss also irgendwann entscheiden, ob er auf die nächste Vertragsrunde wartet oder vorher handelt. Eine Ausnahme könnte Hendriks sein. Der Niederländer, der auch schon bei Borussia Dortmund auf dem Zettel stand, könnte früher zum Thema werden. Mit ihm sind offenbar Gespräche über eine Verlängerung über 2028 hinaus denkbar.

Der größere Umbruch lässt sich dadurch allerdings nicht verhindern. Denn auch die Verträge von Marius Funk, Ameen Al-Dakhil, Leonidas Stergiou, Nikolas Nartey, Yanik Spalt und Jarzinho Malanga laufen 2028 aus. Bei ihnen ist die Fallhöhe geringer, weil sie entweder aus der zweiten Reihe kommen oder noch am Anfang ihrer Entwicklung stehen. Die eigentliche Geschichte spielt deshalb ohnehin eine Etage höher: in der Mannschaftsachse. Stiller, Mittelstädt, Führich, Karazor, Chabot, Demirovic – das sind Namen, die für den VfB der vergangenen Jahre stehen. 2028 könnten einige von ihnen bereits Geschichte sein. Der VfB hat bis dahin Zeit. Aber eben nicht unendlich viel. Schließlich geht man in der Branche nur höchst ungern mit einem auslaufenden Arbeitspapier ins letzte Vertragsjahr.

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