VfB Stuttgart

Unsere WM-Noten: So schlugen sich die VfB-Profis in der Gruppenphase

Angelo Stiller (hier im WM-Test gegen Ghana) spielte gegen Ecuador in der zweiten Halbzeit.
Angelo Stiller (hier im WM-Test gegen Ghana) spielte gegen Ecuador in der zweiten Halbzeit. © Volker Mueller

Stuttgart. Die Gruppenphase der WM 2026 ist noch nicht vorbei – alle Spieler des VfB Stuttgart haben mit ihren Nationalmannschaften aber jetzt schon ihre drei Vorrundenpartien absolviert. Darunter auch die vier Deutschen Nationalspieler, die beim enttäuschenden 1:2 gegen Ecuador aber einen herben Rückschlag hinnehmen mussten. Positiv ist: Wenn es nicht mit dem Teufel zugeht, sind alle acht WM-Fahrer aus Stuttgart mit ihrem Land in der K.o.-Runde. Zeit für ein Zwischenfazit: Wir bewerten die VfB-Spieler und ihre Leistungen in der Gruppenphase.

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VfB Stuttgart: Deniz Undav überragt bei der WM

Deniz Undav: Note 1. Die Identifikationsfigur des VfB Stuttgart brachte sportlich wie menschlich seinen Charme mit in die Nationalmannschaft – und wurde so zu einer der Entdeckungen der gesamten Gruppenphase. Die Wahrnehmung von Deniz Undavs Leistungen ging weit über die Fußball-Republik hinaus. Drei Tore und zwei Vorlagen in 56 Spielminuten – die Zahlen Undavs nach den ersten beiden Gruppenspielen waren brutal. Auch, oder gerade weil er als Joker dem DFB-Team mit seinem Doppelpack gegen die Elfenbeinküste den vorzeitigen Gruppensieg sicherte.

Die Jokerrolle wurde er trotz dieser Leistungen auch gegen Ecuador nicht los – in einer Mannschaft, die sich von Ecuador den Schneid abkaufen ließ, setzte er nach seiner erneuten Einwechslung zwar Akzente. Ein drittes Mal klappte Julian Nagelsmanns Joker-Plan mit Deniz Undav aber nicht.

Jamie Leweling nach Einwechslung nicht überzeugend

Jamie Leweling: Note 3. Spielte bei seiner einzigen Einwechslung gegen die Elfenbeinküste nicht gut, aber auch nicht schlecht. Dass er nicht zu mehr Spielzeit kam, lag von außen betrachtet an Julian Nagelsmanns versessenem Festhalten an Leroy Sané. Aber auch Leweling selbst hätte im Training und vor allem im zweiten Gruppenspiel noch mehr Argumente für sich selbst aufzeigen können – nach der Verletzung von Lennart Karl war die Tür für viel Spielzeit eigentlich weit offen. Trotzdem bleibt: Für Jamie Leweling ist es Erfolg und Erlebnis genug, bei einer Weltmeisterschaft dabei zu sein und auf Einsätze zu kommen.

Angelo Stiller: Note 4. Kam nur in der zweiten Hälfte gegen Ecuador zum Einsatz. Für einen ganz schwachen Aleksandar Pavlovic eingewechselt, konnte Stiller dem Spiel auch nicht seinen Stempel aufdrücken – was fairerweise in der zweiten Halbzeit des letzten Gruppenspiels keinem einzigen Deutschen auch nur im Ansatz gelang.

Angelo Stiller: VfB-Regisseur im DFB-Dress mit wenig Spielzeit

Ansonsten kam Angelo Stiller nicht zum Einsatz. Angesichts der guten Leistungen in der Vorbereitung – besonders im vorletzten Testspiel gegen Finnland – eine dürftige Ausbeute für den VfB-Spielmacher. Hinter Pavlovic und Felix Nmecha hat Nadiem Amiri im deutschen zentralen Mittelfeld gegen die Elfenbeinküste überzeugt – und dann ist da auch noch Leon Goretzka. Ob Stiller ohne Ausfälle anderer noch zu Einsätzen bei dieser WM kommt? Fraglich.

Alexander Nübel: Note 3,5. Noch weniger Bewertungsgrundlage als bei Angelo Stiller. Nübel ist die klare Nummer drei im Tor – weniger Chancen, sich auszuzeichnen, hat keine andere Rolle im Fußball.

Luca Jaquez feiert WM-Debüt

Luca Jaquez: Note 2. Steigerte sich und seinen Status innerhalb der schweizerischen Mannschaft von Spiel zu Spiel. Beim enttäuschenden 1:1 gegen Katar saß er 90 Minuten auf der Bank, beim 4:1-Sieg gegen Bosnien und Herzegowina feierte er in der Schlussphase sein WM-Debüt. Im letzten Gruppenspiel – dem Duell um den Gruppensieg – gegen Co-Gastgeber Kanada (2:1) spielte Luca Jaquez dann von Anfang an. Zwar auf der ungewohnten Position des Rechtsverteidigers, dafür aber bis zu seiner Auswechslung nach 75 Minuten komplett solide. Beim 2:0 für die Schweiz hatte Jaquez als Pre-Assist-Geber mit einem schönen Steckpass sogar seine Finger im Spiel – und übertraf spätestens damit die Erwartungen an ihn und seine erste WM-Zeit.

Bilal El Khannouss: Note 1,5. Sorgte mit seinen Leistungen dafür, dass MagentaTV-Experte Thomas Müller schon über einen Sommer-Wechsel spekulierte. El Khannouss startete in jedem Spiel für sein Heimatland – als linker Flügel und damit in einer anderen Rolle als unter Sebastian Hoeneß. Mit Ball war der 22-Jährige aber ein freies Radikal in der spielfreudigen marokkanischen Offensive, überzeigte dort auf voller Linie – und zeigte sich auch gegen den Ball einsatzfreudig sowie diszipliniert.

Bilal El Khannouss: Einer der Breakout-Stars der WM 2026

Pro 90 Minuten gab El Khannouss einen Torschuss ab, spielte 41 Pässe und kam heruntergerechnet auf starke 68 Ballkontakte pro Spiel. Über alle Partien hinweg fanden 71,4 Prozent seiner langen Bälle einen Abnehmer – ein überragender Wert, mit dem nur wenige Spieler wie Joshua Kimmich mitgehen können (Daten: Fotmob). Der einzige Schönheitsfehler an der starken Gruppenphase von Bilal El Khannouss: Eine Torbeteiligung sammelte er bislang nicht.

Ermedin Demirovic: Note 3,5. Verpasste für Bosnien und Herzegowina nur in der Schlussphase des zweiten Gruppenspiels gegen die Schweiz (1:4) ein paar Minuten, spielte gegen Kanada (1:1) und Katar (3:1) als Stürmer durch. Mit vier Punkten sollte die kleine Nation als Gruppendritter im Sechzehntelfinale sein, wenn nichts Außergewöhnliches mehr passiert – ein großer Erfolg.

Ermedin Demirovic: Bosnien kann mit K.o.-Runde planen

Rein sportlich lieferte Demirovic aber kaum ab: Gegen den Ball wie gewohnt bissig und engagiert, mit Ball zeigte er aber deutliche Schwächen. Kein Tor, unter zehn erfolgreiche Pässe pro 90 Minuten, wenige gute Aktionen – dazu vergab er kurz vor Kanadas Ausgleich im ersten Gruppenspiel die riesengroße Gelegenheit, sein Land mit 2:0 in Führung zu bringen. Individuell lief bei Ermedin Demirovic wenig zusammen – dennoch ist er einer der Anführer bei einem großen Erfolg für eine kleine Fußballnation.

Jeremy Arévalo: Note 4. Steht mit Ecuador als Gruppendritter mit vier Punkten (Tordifferenz 0) sicher im Sechzehntelfinale – ohne Einsatzminuten. Nationaltrainer Sebastian Beccacece griff bislang nicht auf den Stuttgarter Winterneuzugang zurück. Eigentlich hätte die Offensive Ecuadors in und besonders nach den ersten beiden Gruppenspielen frische Köpfe gebrauchen können: Gegen die Elfenbeinküste (0:1) und gegen Curacao (0:0) erzielte Ecuador trotz unzähliger Chancen keinen Treffer – aus rund vier expected Goals machte das Team kein Tor. Diese Chancenverwertung zu verbessern, war Arévalo nicht vergönnt. So bleibt zwar das große Erlebnis, mit 21 Jahren bei einer WM dabei zu sein – aber auch wertvolle Zeit, die ihm nun für seine Weiterentwicklung beim VfB Stuttgart fehlt.

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