VfB Stuttgart

VfB-Keeper Florian Müller im Interview: Was zeichnet eine gute Nummer eins aus?

Fußball VfB Stuttgart vs. SC Freiburg
Angekommen im Schwabenland: Der Saarländer Florian Müller hütet seit dieser Saison das Tor des VfB Stuttgart. © Pressefoto Baumann

Florian Müller ist beim VfB Stuttgart in die großen Fußstapfen von Aufstiegskeeper Gregor Kobel getreten. Der 23 Jahre alte Saarländer ist im Sommer vom FSV Mainz 05 zum VfB gewechselt und hat sich auf und neben dem Platz schnell zurechtgefunden. Im Interview mit unserer Redaktion spricht die Stuttgarter Nummer eins über Druck im Profisport, Ärger über späte Gegentreffer und verrät, was einen guten Stammtorwart auszeichnet.

Herr Müller, sieben Spiele, acht Punkte, 13 Gegentore: Wie fällt Ihr Fazit zum Saisonstart aus?

„Mit dem Sieg in der ersten Pokalrunde und dem 5:1 gegen Fürth sind wir gut in die Spielzeit gestartet. Dann liefen ein paar Spiele nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten. Da waren wir anschließend sehr kritisch und haben die Inhalte aufgearbeitet. Es war wichtig, jetzt vor der Länderspielpause den Heimsieg gegen Hoffenheim einzufahren.“

Was läuft in der Defensive jetzt konkret besser?

„Wir hatten in den ersten Spielen auch mit dem Ball ein paar Probleme. Und wenn du weniger Entlastung nach vorne hast, ist der Druck in der Defensive immer relativ hoch. Hinzu kamen zu viele individuelle Fehler. Wir haben Tore hergeschenkt und einfach nicht gut verteidigt. Dabei ging es um die Box-Besetzung und auch um die Mentalität, das Tor bis aufs Letzte zu verteidigen. Das hat uns ein bisschen gefehlt, aber inzwischen haben wir das aufgearbeitet und in den letzten Partien auch deutlich besser verteidigt.“

Hat sich auch für Sie als Torwart etwas verändert?

„Ich habe das Gefühl, dass ich immer besser reinkomme. Es gibt mehr Aktionen, in denen ich mich auszeichnen kann. Das tut mir und der Mannschaft gut und geht hoffentlich auch so weiter.“

Wie haben Sie sich als Saarländer inzwischen im Schwabenland eingelebt?

 „Ich habe bislang immer in Regionen mit geselligen Leuten und mit einer schönen Natur drum herum gelebt. Besonders in den Weinbergen ist es hier in Stuttgart sehr schön. Inzwischen habe ich auch eine Wohnung gefunden. Jetzt kommt Schritt für Schritt der normale Alltag. Wenn wir freie Tage haben, fahre ich auch gerne zu meinen Eltern. Das ist mir sehr wichtig.“

Und auf dem Platz? Was bedeutet der Matarazzo-Fußball für Sie als Torhüter?

„Wir sind keine Mannschaft, die die Bälle nach vorne bolzt und dann hinterherläuft. Wir versuchen, kurz hinten rauszuspielen, und dementsprechend muss auch ich mich orientieren. Das gefällt mir sehr gut.“

Florian Müller
Torhüter Florian Mülller in Aktion. © Danny Galm

Folglich stehen Sie im Aufbauspiel häufig unter großem Druck. Wie gehen Sie damit um?

„Wenn man auf dem Platz über diesen Druck nachdenkt, ist es meist schon zu spät. Auch als Feldspieler. Wenn du Angst hast und immer nur versuchst, Fehler zu vermeiden, dann wird das nicht funktionieren. Jeder hat seine Qualitäten und dessen muss man sich bewusst sein – und dementsprechend selbstbewusst auftreten. Klar ist die Torhüterposition eine schwierige Aufgabe. Machst du einen Fehler, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es hinter dir klingelt. Es kann aber auch anders laufen und du sicherst in der letzten Minute mit einer Parade den Sieg. Ob das jetzt der dankbarste Job auf dem Platz ist, darüber lässt sich natürlich streiten (schmunzelt)“

Arbeiten Sie mit einem Mentaltrainer zusammen?

„Ich regle das für mich. Man muss einfach realistisch sein und darf nichts in sich hineinfressen. Über alles, was auf und neben dem Platz passiert, muss man offen sprechen. Torwarttrainer, Freunde, Familie: Das sind die Leute, die einem dabei helfen. Verrückt machen darf man sich nicht. Wenn ich auf den Platz gehe, kann ich das Drumherum eigentlich ganz gut ausblenden.“

Wie wichtig ist es für einen Keeper, direkt gut ins Spiel reinzukommen? Beispielweise mit einer guten Parade oder einer abgefangenen Flanke.

„Klar ist es besser, wenn man direkt die erste Aktion klärt. Dann ist man richtig drin im Spiel. Aber man muss auch damit umgehen können, wenn man nach fünf Minuten einen Fehler macht und der Ball drin ist. Das Spiel geht schließlich noch 85 Minuten. Da habe ich mittlerweile genügend Erfahrungen gesammelt. Egal, was passiert, ich kann damit umgehen.

Was zeichnet eine gute Nummer eins aus?

„Für mich ist ganz wichtig, dass der Torhüter Ruhe ausstrahlt. Dass er der Verteidigung bzw. generell der Mannschaft Sicherheit gibt. Dass alle ein gutes Gefühl haben, falls doch mal ein Ball durchkommt. Ich will auf dem Platz ein Unterstützer sein. Als Keeper hast du das komplette Spiel vor dir und siehst genau, was passiert. Ich versuche, auch während des Spiels zu coachen und Hilfestellung zu geben. Das macht es für meine Vorderleute einfacher – und hält die Arbeit meist auch von meinem Tor weg (lacht).“

Von außen betrachtet herrscht aktuell ein guter Teamgeist beim VfB. Sehen Sie das auch so?

„Da stimme ich voll zu. Da sind einfach gute Jungs. Alle sind sehr korrekt. Es harmoniert einfach sehr gut. Alle wollen sich verbessern und weiterentwickeln. Eine gute Mischung“

Wie wichtig ist dieser Faktor für den Erfolg einer Mannschaft?

„Das ist extrem wichtig. Generell ist im Fußball die Mentalität entscheidend. Du kannst qualitativ noch so eine super Mannschaft haben, aber wenn die Einstellung auf dem Platz nicht passt, wirst du keine Spiele gewinnen. Egal, wie gut die Einzelspieler sind.“

Als Sie am ersten Spieltag beim 5:1-Sieg gegen Greuther Fürth in der 93. Minute noch einen Gegentreffer hinnehmen mussten, schimpften Sie lautstark. Wie sehr wurmt Sie so ein spätes - und vor allem unnötiges - Gegentor?

„Da war ich sehr sauer. Das war eigentlich ein Zu-Null-Spiel – und wir haben es noch hergeschenkt. Die ersten fünf Minuten nach dem Spiel war jeder in der Kabine kurz angefressen. Aber genau das ist die richtige Einstellung und zeigt, dass wir die richtige Mentalität haben.“

Ausgebildet in der Mainzer Torwartschule

  • Florian Müller, geboren am 13. November 1997 in Saarlouis, wurde in der Mainzer Torwartschule von Stephan Kuhnert ausgebildet. 
  • Mit dem Fußballspielen begonnen hat er im Saarland beim FV Lebach. 2013 wechselte er in das Nachwuchsleistungszentrum des 1. FSV Mainz 05. Zur Saison 2016/17 rückte Müller fest in den Mainzer Bundesliga-Kader auf, spielte aber zunächst weiterhin in der 2. Mannschaft.
  • Sein Bundesliga-Debüt gab er am 3. März 2018. Für die Mainzer stand er insgesamt in 44 Pflichtspielen zwischen den Pfosten.
  • In der Spielzeit 2020/21 ließ sich der 1,92 Meter große Torwart für eine Saison zum SC Freiburg verleihen. Im Sommer dieses Jahres folgte der Wechsel nach Stuttgart, wo Müller einen Vertrag bis 2025 unterschrieben hat.