VfB Stuttgart

VfB-Podcast: Pierre-Enric Steiger über Claus Vogt, Wilfried Porth und eine Telefon-Falle

Pierre-Enric Steiger
Steiger ist Präsidenten der Björn-Steiger-Stiftung aus Winnenden. © Hans-Martin Fischer

Hat jemand versucht, Pierre-Enric Steiger in eine Telefon-Falle zu locken? Am 18. Juli tritt der Winnender bei der VfB-Präsidentenwahl an – und in der neuen Ausgabe des ZVW-Podcasts „Wir reden über den VfB“ mit Danny Galm und Simeon Kramer erzählt er eine delikate Geschichte, die nahelegt: Der VfB Stuttgart und sein dauererhitztes Umfeld bleiben ein Intrigen-Pfuhl.

Derzeit, sagt Steiger, würden „viele Dinge gestreut, die tatsächlich jeglicher Grundlage entbehren“. Gerücht: Steiger betreibe aufdringlichen Telefonwahlkampf, rufe reihenweise VfB-Mitglieder an und wolle sie auf seine Seite quatschen. Völlig falsch, sagt Pierre-Enric Steiger. Tatsächlich habe es da allerdings ein Telefonat gegeben – eine VfB-Mitarbeiterin habe mit ihm zu sprechen gewünscht, er sei schließlich darauf eingegangen. Und das sickerte durch. Nun, sagt Steiger, „drängt sich mir der Verdacht auf: Es wurde arrangiert“. Haben seine Gegner ihn zu einem Anruf gedrängt, um sagen zu können: Ha, er macht Anrufe?! Steiger will „nicht mal ausschließen“, dass das Gespräch „aufgezeichnet“ worden sei „ohne mein Wissen“.

Eine plausible Vermutung? Oder doch eher eine Verschwörungstheorie? Schwer zu sagen. Dass ein sonst sehr wägend, besonnen und sachlich klingender Mensch wie Pierre-Enric Steiger derlei zumindest für möglich hält, lässt allerdings tief blicken.

Der VfB Stuttgart und der Kulturkampf

Die Präsidentenfrage wird beim VfB schon lange nicht mehr differenziert diskutiert – es klingt eher nach einem Kampf des Guten gegen das Böse, zwischen den Mächten der Finsternis und den Hütern des Lichts. Nur: Wer ist wer?

Lesart eins: Claus Vogt verteidigt den Fußball der einfachen Leute gegen Dunkelmänner wie Aufsichtsratsboss Wilfried Porth (den Twitter-Meinungsbildner Christian Prechtl gar als „Palpatine“ Porth bezeichnet, nach dem bösen Imperator aus „Krieg der Sterne“). Lesart zwei: Mit seinem populistischen Getue kralle Vogt sich die Kurve, arbeite heimlich aber an einer vollständigen Machtübernahme beim VfB.

Es riecht nach Kulturkampf: hier der e. V., da der Aufsichtsrat; hier die Cannstatter Kurve, da das Wirtschaftsnetzwerk „Freundeskreis des VfB“; hier die Hüter der wahren Fußballwerte, da die skrupellosen Wirtschaftsbosse – beziehungsweise hier die weltfremden Fan-Fundamentalisten, da die Vernünftigen, die rechnen können.

Pierre-Enric Steiger über Claus Vogt

Und wo steht Steiger? Er ist Mitglied des Freundeskreises, weshalb ihn manche als Marionette der Mächtigen hinstellen. Im Podcast aber erklärt der 49-Jährige klipp und klar: Für Satzungsänderungen sei auch er, genau wie viele Leute aus der kritischen Fanszene. Er wolle das „mit vielen diskutieren“, nicht „im Hinterzimmer“. Und Claus Vogt habe durchaus „vieles richtig gemacht, bezogen auf die Fankurve und den Dialog, den er da eingegangen ist“.

Nur: War es wirklich unvermeidlich, dass der interne Streit um die Jahreswende so eskalierte? War es wirklich nötig, die Wogen „so hochschlagen“ zu lassen? Manches „hätte ich definitiv anders gemacht als Claus Vogt“. Steiger will, falls er gewählt wird, „nicht alles komplett umdrehen“; aber doch eine „gewisse Alternative“ anbieten: „Es gibt schon auch Mitglieder, die 'ne andere Auffassung haben über die Leistungen“ des derzeitigen Präsidenten.

Pierre-Enric Steiger über Wilfried Porth

Zwischen den Zeilen klingt da mit: Repräsentieren Stehkurve, Commando Cannstatt und die Twitter-Bubble wirklich Volkes Stimme? Oder sind sie bloß die Lautesten? Gibt es eine schweigende Mehrheit, die sich am 18. Juli per Abstimmung artikulieren könnte?

Vielleicht der gefährlichste Vorwurf gegen Steiger: Er sei ganz dicke mit Wilfried Porth. Steiger dementiert im ZVW-Podcast entschlossen. Die Björn-Steiger-Stiftung, deren Präsident er ist, pflege zwar seit vielen Jahren „engen Kontakt zum Hause Daimler“ – aber zwischen ihm und Porth persönlich gebe es „keinerlei Verbindung“: Sie hätten vor einigen Wochen das erste Mal überhaupt miteinander telefoniert; das Gespräch sei „oberflächlich“ gewesen und „nicht wirklich lang“.