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VfB Stuttgart: Undav vergibt Elfer – warum schoss nicht Maximilian Mittelstädt?

Deniz Undav rutscht – wie hier gut zu sehen ist – mit dem Standbein weg und setzt deswegen seinen Elfmeter gegen den HSV über da
Deniz Undav rutscht – wie hier gut zu sehen ist – mit dem Standbein weg und setzt deswegen seinen Elfmeter gegen den HSV über das Tor. © Julia Rahn

Stuttgart. Der VfB Stuttgart hat beim 4:0 gegen den HSV einen hochverdienten Sieg eingefahren und dabei offensiv ordentlich die Muskeln spielen lassen. Die Hamburger Gäste waren noch gut bedient, die Partie hätte angesichts der vielen Stuttgarter Chancen auch deutlich höher ausgehen können. Dass es beim 4:0 blieb, lag nicht ausschließlich, aber auch an Deniz Undav. Der DFB-Stürmer des VfB stand bei vielen Szenen im Mittelpunkt, verschoss am Ende einen Elfmeter – obwohl der etatmäßige Strafstoßschütze Maximilian Mittelstädt noch auf dem Platz war. Wir erklären, was es damit auf sich hatte und fassen Undavs Abend zusammen.

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VfB Stuttgart: Spielfreude, Chancenwucher und Gelb bei Undav

Es war ein ereignisreiches Spiel für Deniz Undav. An den ersten beiden Toren des VfB gegen den HSV war er mit einem Pre-Assist beteiligt – gab also die Vorlage zur Vorlage, was in vielen Statistikportalen ignoriert wird, beispielsweise im Eishockey aber ein längst etablierter Wert ist. Für das Spiel der Stuttgarter war er also wichtig, bewegte sich besonders in der ersten Halbzeit viel zwischen den Ketten. Seine vier herausgespielten Großchancen und neun Ballkontakte im gegnerischen Strafraum waren jeweils Topwerte im Spiel.

Stand Undav aber am Ende eines Angriffs, lief es weitaus weniger gut für den 18-fachen Torschützen in dieser Bundesliga-Saison. Denn alleine er hatte vier bis fünf gute Torchancen, wurde hier geblockt, schloss da zu unpräzise ab, rutschte dort mit dem Standbein beim Elfmeter weg.

VfB: Maxi Mittelstädt überlässt Undav den Elfmeter

Beim Strafstoß war nicht nur überraschend, dass Undav verschoss. Sondern auch, dass er überhaupt antrat. Schließlich war der inzwischen etablierte Schütze Maximilian Mittelstädt noch auf dem Rasen, der hatte in dieser Spielzeit schon dreimal vom Punkt getroffen. Doch Deniz Undav schnappte sich den Ball, fand wie erwähnt nicht den richtigen Stand, setzte die Kugel folglich drüber.

„Ich hätte eigentlich geschossen“, verriet Mittelstädt nach dem Spiel den Journalisten. Undav habe für das Team viel gearbeitet und ihn dann gefragt, ob er den Elfmeter nehmen könne. „Wenn er mich so fragt, dann soll er schießen – schade, dass er weggerutscht ist.“ Sicherlich konnte Mittelstädt den Elfmeter auch entbehren, weil er sich selbst schon mit einem abgefälschten Weitschusstor in die Torschützenliste eingetragen hatte. „Es hätte mich gefreut, wenn er getroffen hätte. Ich denke, den nächsten Elfmeter werde ich dann wieder schießen.“

Rangelei zwischen Undav und Capaldo: Hätten beide Rot sehen müssen?

Auf der Pressekonferenz sah Trainer Sebastian Hoeneß in der Situation auch etwas Gutes: „Das zeigt, dass die Mannschaft intakt ist. Ich finde, dass das eher ein guter Vorgang ist.“ Als „ärgerlich und ein Stück weit unnötig“ bezeichnete der Coach die Situation um Undav, bei der der Stürmer seine fünfte Gelbe Karte bekam und folglich im kommenden Auswärtsspiel beim FC Bayern München fehlen wird.

Undav wurde von Nicolás Capaldo rüde von hinten umgegrätscht, ging danach auf den Hamburger Kapitän los und löste dadurch eine Rudelbildung aus. Beide Streithähne bekamen Gelb – wie die Fernsehbilder zeigten, war Undav damit gut bedient, hätte sein Griff an Capaldos Gurgel doch auch als Tätlichkeit durchgehen können. Und auch der Hamburger hätte sowohl für das Foul als auch für die Rangelei im Anschluss jeweils Gelb sehen und dadurch fliegen müssen.

Sebastian Hoeneß verteidigt Undav nach dessen Gelber Karte

Hoeneß verteidigte die Reaktion seines Vizekapitäns ein Stück weit: „Auf der anderen Seite ein kleines Bisschen verständlich, für mich auch ein sehr dynamisches Foul. Ich glaube, dass er erschrocken ist. Wenn es ganz blöd läuft, fehlt er nicht nur ein Spiel gesperrt, sondern möglicherweise die ganze Saison verletzt.“

Kurz vor der Rudelbildung hatte Undav auch noch eine riesige Chance auf das 4:0 liegenlassen, in der Aktion nach dem Handgemenge gab es den Elfmeter. Vielleicht war es genau diese emotionale Vorgeschichte, die den Stürmer dazu verleitete, sich den Strafstoß außerplanmäßig zu nehmen – um es sich selbst und dem Gegner zu zeigen, um dem unglücklichen Abend ein Ende zu machen. So nahm Deniz Undavs Geschichte in diesem Spiel aber eine letzte unerwünschte Wendung.

Wenn Undav nicht trifft, machen’s beim VfB eben andere

Doch bekanntlich ist Fußball ein Teamsport: Und wohl der Mannschaft, die trotzdem 4:0 gewinnt – auch wenn ihr bester Torschütze nicht seinen besten Tag erwischt. Das kann im Rennen um die Champions League ein ausschlaggebender Punkt werden. Eines ist klar: Deniz Undav wird bald zurück auf der Torschützenliste sein – und Maximilian Mittelstädt sicherlich das nächste Mal am Elfmeterpunkt stehen.

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