VfB Stuttgart

VfB-Testspiel gegen den FC Barcelona: Ein kleiner Hauch von Königsklasse in Stuttgart

Förster vs. Memphis
Die zusammengewürfelte VfB-Elf, hier Philipp Förster im Zweikampf mit Memphis Depay, wehrte sich tapfer gegen den großen FC Barcelona. © Danny Galm

Als der VfB Stuttgart zum letzten Mal auf den FC Barcelona traf, stand Jens Lehman zwischen den Pfosten, Sami Khedira zog die Fäden im Mittelfeld und im Sturm spielten Pavel Pogrebnyak und Cacau. Elf Jahre liegt dieser letzte Auftritt der Schwaben in der Champions League inzwischen zurück. Mit einem 0:4 im Camp Nou verabschiedeten sich die Stuttgarter damals aus dem Wettbewerb - und das auf nicht absehbare Zeit.

25.000 Zuschauer in der Arena

Die große europäische Fußballbühne ist für die aktuelle Mannschaft der Schwaben unter Trainer Pellegrino Matarrazo zwar in schier unerreichbarer Ferne, doch als das Spitzenteam aus Spanien am Samstag (31.07.) für ein Freundschaftsspiel nach Bad Cannstatt kam, wehte zumindest ein kleiner Hauch von Königsklasse durch die Mercedes-Benz-Arena. Sehr zur Freude der 25.000 Zuschauer im Stadion, die die Stuttgarter Notelf im Duell mit dem großen FCB frenetisch feierten. Die 0:3-Niederlage und die gewaltigen Personalsorgen vor dem Pflichtspielauftakt gerieten da fast schon zur Nebensache. 

Weitere Corona-Fälle: Spiel stand auf der Kippe

Noch am Mittag war unklar, ob sich die Anhänger überhaupt auf den Weg in die Landeshauptstadt machen müssen. Die Generalprobe vor dem Pflichtspieltstart im DFB-Pokal am kommenden Samstag (07.08.) stand aufgrund zweier weiterer Corona-Fälle im VfB-Team auf der Kippe. Zu Beginn der Woche war bereits Torjäger Sasa Kalajdzic positiv auf Corona getestet worden. Auch der österreichische Nationalspieler befindet sich seitdem in häuslicher Quarantäne.

Erst um kurz vor 14 Uhr kam die Entwarnung: Das Spiel findet statt. Die beiden am Freitag positiv getesteten Profis befinden sich nach Vereinsangaben in häuslicher Isolation, alle weiteren Akteure sowie die Mitglieder des Trainer- und Betreuerteams wurden negativ getestet. Nach Rücksprache mit den zuständigen Gesundheitsbehörden sowie den Verantwortlichen des FC Barcelona könne die Partie somit stattfinden, hieß es weiter. Doch damit noch nicht genug der Unannehmlichkeiten. Ein Stau auf der A81 bremste die Anreise der Katalanen. Der Spielbeginn wurde daraufhin um eine Stunde nach hinten verlegt.

VfB mit Notelf, Barca ohne Messi

Um überhaupt elf Spieler auf den Rasen schicken zu können, hatte zudem ein Freundschaftsspiel der Stuttgarter Reserve abgesagt werden müssen. Neben den verletzten Spielern (Mangala, Ahamada, Führich, Cisse, Egloff, Silas) und den Olympia-Fahrern (Endo und Müller) fehlten weitere 15 (!) Profis. „Alle nicht aufgeführten Spieler sind verletzt/angeschlagen, positiv getestet oder nicht vollständig geimpft“, teilte der Club mit Blick auf den spärlich gefüllten Spielberichtsbogen mit.

Und so fanden sich gegen den FCB mit Manuel Polster, Richard Weil und Dominik Nothnagel gleich drei U-21-Spieler unverhofft in der Stuttgarter Startelf wieder. „Wir werden versuchen, das bestmögliche aus der Situation zu machen“, sagte Sportdirektor Sven Mislintat vor dem Anpfiff. Auf der Ersatzbank hatte überhaupt kein Spieler aus dem Profikader Platz genommen.

Zusammengewürfelte VfB-Elf wehrte sich tapfer

Die Spanier, die ohne ihren Superstar Lionel Messi nach Deutschland gereist sind, schickten dagegen mit Antoine Griezmann, Memphis Depay, Gerard Pique und Frenkie de Jong direkt ein paar ihrer Weltklasse-Spieler auf den Rasen. Dort diktierte Barca vom Anpfiff weg das Spielgeschehen. Angetrieben von den Fans auf den Rängen wehrte sich die zusammengewürfelte VfB-Elf jedoch tapfer.

Jeder gewonne Zweikampf, jede Grätsche und jeder noch so harmlose Vorstoß wurden frenetisch beklatscht. Während sich die Defensive ordentlich aus der Affäre zog, offenbarten sich im Offensivspiel deutlich die fehlenden Automatismen. Barca spielte routiniert und ohne zu glänzen. Die Tore von Depay (21.) und Demir (36.) blieben die einzigen in den ersten 45 Minuten.

Gewaltige Personalsorgen vor dem Pflichtspielauftakt

Auch in Durchgang zwei ging es bis auf den Treffer durch Ricard Puig (73.) eher gemächlich zu. Ergebnis und Spielgeschehen gerieten zur Nebensache. Stattdessen feierte der weiß-rote Anhang die weiter aufopferungsvoll kämpfende Rumpftruppe und das lange herbeigesehnte Stadionerlebnis. Flutlicht, der FC Barcelona und eine stimmungsvolle Arena. Es wurde gehüpft, geklatscht und gesungen wie in Vor-Corona-Zeiten.

Beschwingt wird sich der eine oder andere Fan auf den Heimweg gemacht haben. Die gewaltigen Personalsorgen vor dem Pflichtspielauftakt am kommenden Wochenende in Berlin scheinen da in ganz weiter Ferne. Doch nach dem gefühlten Champions-League-Spiel wartet in sieben Tagen in der ersten Pokalrunde gegen einen Berliner Viertligisten die knallharte Realität auf die junge Mannschaft.

So haben sie gespielt:

  • Stuttgart: Bredlow - Kempf, Nothnagel (46. Bazzoli), Karazor, Stenzel - Polster, Klement (78. Maglica), Weil (78. Michel), Massimo - Förster, Klimowicz (70. Wolf)
  • Barcelona: Neto - Dest, Lenglet (49. Araujo), Pique, Sergio Roberto (78. Pjanic) - de Jong (61. Alba), Gonzalez (61. Sergio), Gavi (61. Puig) - Depay (78. Nils), Demir, Griezmann (78. Manaj)
  • Tore: 0:1 Depay (21.), 0:2 Demir (36.), 0:3 Puig (73.)