VfB Stuttgart

VfB-Zukunft von Sven Mislintat: Eine skurrile Pressekonferenz und ihre Folgen

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Eine PK, die zum PR-Eigentor wurde. Die Protagonisten: Präsident Claus Vogt, Sami Khedira, Vorstandsboss Alexander Wehrle, Philipp Lahm und Christian Gentner (v.l.) © Simeon Kramer

Am Montag (12.09.) hat der VfB Stuttgart auf einer Pressekonferenz die drei Rückkehrer Sami Khedira, Philipp Lahm und Christian Gentner vorgestellt. Was eine Gute-Laune-Veranstaltung mit drei Helden der jüngeren VfB-Historie hätte werden können, wurde zu einer phasenweise skurrilen Fragerunde. Sportdirektor Sven Mislintat ist merklich verstimmt. Die nun anstehenden Vertragsgespräche dürften kompliziert werden.

Verwirrung und Verwunderung nach der PK vom Montag

„Wir brauchen die besten Leute und wollen ein funktionierendes System nicht stören, sondern besser machen“, so die Ansage von Vorstandschef Alexander Wehrle. Der hatte am Sonntagnachmittag (11.09.) mit der Verkündung der Rückhol-Aktion auf der Mitgliederversammlung zunächst für donnernden Applaus in der Porsche-Arena gesorgt. Auf einer Pressekonferenz sollte anschließend der Überraschungscoup vom Vortag erklärt und die offenen Fragen beantwortet werden - was jedoch gehörig in die Hose gegangen ist. 

Vielmehr sorgte der Auftritt im Nachgang bei vielen Fans für Verwirrung und Verwunderung. „Die PK wirkt bisschen wie eine Gruppenarbeit in der Schule, bei der aber keiner so richtig weiß, was seine Aufgabe ist – im Anschluss aber präsentiert werden muss“, fasste ein User in den sozialen Netzwerken die Gefühlslage vieler Anhänger treffend zusammen

Dabei ist es durchaus sinnvoll, nach dem Weggang von Thomas Hitzlsperger wieder mehr Sportkompetenz in den Klub zu holen. Dafür eignen sich die beiden ehemaligen Weltklasse-Spieler Khedira und Lahm unbestritten, da deren aktive Zeit noch keine Jahrzehnte zurückliegt. Die Ex-VfB-Profis bringen ein funktionierendes Netzwerk mit nach Stuttgart und übenehmen als Berater des Vorstands keine Posten im operativen Geschäft. Da in Aufsichtsrat und Präsidium aktuell nur Rainer Adrion über eine Vergangenheit im Profifußball verfügt, können die "Neuzugänge" den VfB bereichern.

Wie die Pressekonferenz zum PR-Eigentor wurde

Auch die geplante Einbindung von Christian Gentner im Tagesgeschäft kann sinnvoll sein - die Kommunikation der drei Personalien wurde allerdings zum PR-Eigentor. Gerade mit Blick auf die Tätigkeit von Gentner als künftiger Leiter der Lizenzspieler-Abteilung. Ein Job, der ab Januar 2023 direkt im Bereich von Sven Mislintat angesiedelt sein wird. Ein Gespräch zwischen den beiden hat es jedoch noch nicht gegeben, auch eine exakte Jobbeschreibung muss erst noch erarbeitet werden.

Und so musste einem der langjährige Kapitän der Schwaben, der aktuell noch in der Schweiz beim FC Luzern unter Vertrag steht, fast schon leidtun, konnte er doch bis auf die üblichen Phrasen nur wenig Erhellendes zu seiner neuen Stelle beitragen.

Aber auch CEO Wehrle konnte nur wenig Licht ins Dunkel bringen. Ebenso gab es trotz mehrfacher Nachfrage keine eindeutige Antwort auf die Frage, ob Mislintat vorab in die Planungen mit dem Trio involviert war. Das erscheint bei Khedira und Lahm als neuen Beratern des Vorstandes noch verständlich, verwundert jedoch bei der noch zu schaffenden Rolle von Gentner im direkten Umfeld von Mislintat. 

Die live gestreamte Pressekonferenz verfolgte der Stuttgarter Sportdirektor nicht etwa auf dem Podium, sondern aus dem Zuschauerraum im Bauch der Arena. Dadurch entstand ein skurriler Eindruck, da sich eine Vielzahl der Fragen um Mislintat drehte. Letztlich aber nicht mit ihm, sondern nur über ihn gesprochen wurde.

Dabei hätte der Klub mit einem gemeinsamen Statement ein klares Signal aussenden können, das über einen Post des Sportdirektors auf Instagram („Sehr cool, Euch ab jetzt im Team VfB zu haben“) hinausgeht. Ein demonstrativer Schulterschluss auf der Bühne hätte komplett die Luft aus den nachfolgenden Diskussionen gelassen. Eine vertane Chance. 

So rauschte der Kaderplaner direkt nach dem Ende der Veranstaltung aus dem Raum, raunte einem Bild-Reporter dabei allerdings noch den vielsagenden Satz zu: „Das ist deren Show, nicht meine.“ Die aufgeregte Stimmung rund um den VfB beruhigte das selbstverständlich nicht. Gerade im emotionalen Schnellkochtopf Twitter flog krachend der Deckel weg. 

Trotz aller Nebengeräusche sollen jetzt die Vertragsgespräche starten

Im Nachgang wird nun versucht, den Schaden zu begrenzen. Die Entscheider im roten Clubhaus haben ganz offensichtlich unterschätzt, welches Echo die PK hervorgerufen hat. Fest steht: Sven Mislintat möchte gerne weiter in Stuttgart leben und arbeiten. Und auch beim VfB will man größtenteils, dass der Sportdirektor über den Sommer 2023 hinaus verlängert.

Die nun anstehenden Vertragsgespräche sollen ernsthaft angegangen werden, dürften aber in jedem Fall kompliziert werden. Der Ausgang der Verhandlungen erscheint aktuell offener denn je. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass eine Einigung die weitaus größere Überraschung wäre als ein Ende der Ära Mislintat.