VfB Stuttgart

Warum Martin Bizer aus Korb nicht nominiert wurde

Martin Bizer Korb VfB
Martin Bizer, am Donnerstag zu Gast auf ein Gespräch im Waiblinger Zeitungshaus. © Joachim Mogck

Korb. Martin Bizer wird’s nicht – woran lag’s? War er den Wirtschaftsbossen beim VfB Stuttgart nicht wirtschaftsbossig genug?

Zwei also sind übrig: der Chef eines Buchhandelsunternehmens, der Chef eines Gebäude-Management-Unternehmens. Für Christian Riethmüller spricht: Er „kann hervorragende Kenntnisse in betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen und als Unternehmer nachweisen“. Für Claus Vogt spricht: Er „verfügt über die notwendigen betriebswirtschaftlichen und unternehmerischen Kenntnisse“. So hat’s der VfB-Beirat am Donnerstag in seiner Auswahl-Begründung geschrieben – es klingt, als habe ein digitaler Sprachgenerator zweimal dasselbe leicht verschieden zusammengebaut.

Der VfB braucht demnach also einen Unternehmer als Präsidenten, einen Betriebswirtschaftler – der Korber Martin Bizer, 64, ist keins von beidem. Für ihn hätte anderes gesprochen: Er verfügt über hervorragende theoretische wie praktische Kenntnisse im Hochleistungs- wie im Breitensport. Aber diesen Satz hat der VfB-Satzbau-Automat nun mal nicht ausgespuckt.

"Das Amt ist größer als die Person"

Das Herz der Macht beim VfB, das sind die Konzernlenker und Manager, vom Beiratschef Wolf-Dietrich Erhard (EnBW) bis zu den Aufsichtsrats-Schlüsselfiguren Hartmut Jenner (Kärcher) und Wilfried Porth (Daimler). Einer wie Bizer musste es da schwer haben. Er ist keiner der ihren.

Nachtreten? Bitte nicht, sagt Martin Bizer: „Das Amt ist größer als die Person“, auf keinen Fall wolle er „dem VfB schaden“. Dass er enttäuscht ist, kann er dennoch nicht verhehlen. Wenn die „einen BWLer suchen“, seufzt er, „bin ich der Falsche“ – seine Idee vom Präsi-Amt ist eine andere.

Der VfB, sagt Bizer, ist nicht nur ein Unternehmen im Profi-Fußball, sondern ein Verein „mit 72 000 Mitgliedern“; nicht nur der größte Sportverein in Baden-Württemberg, sondern fast achtmal so groß wie der zweitgrößte, der SSV Ulm. Solch ein Verein, findet Bizer, trägt „eine gesellschaftliche Verantwortung“, darf sich nicht darin genügen, eine gut geölte Business-Maschine am Laufen zu halten, solch ein Verein ist „Teil des öffentlichen Lebens“, steht für „Tradition, Gemeinschaft, Nachwuchsarbeit, Verankerung in der Region“, solch ein Verein ist mehr als seine Fußballmannschaft und mehr als seine Führungsgremien. Das wäre einem Präsidenten Bizer das Wichtigste gewesen: „dass die Mitglieder sich mitgenommen fühlen“.

Bizer hätte sich gern als "Integrationsfigur" versucht

Der VfB ist seit Jahren von Intrigen zerklüftet, von Machtkämpfen durchpflügt. Die Jahre unter Wolfgang Dietrich haben dem Wir-Gefühl böse Wunden geschlagen: Zahllose Geschichten kursieren von Leuten, die der herrische Präsident mit hochrotem Kopf angeschrien haben soll.

Bizer hätte sich gern als „Integrationsfigur“ versucht, nicht als einer, der durchregiert. Als Schulleiter am Wirtemberg-Gymnasium Untertürkheim musste er „mit 80 Vollakademikern“ geschirren, „mit Argumenten überzeugen“ und „Führung durch Loben, Preisen und Danken“ praktizieren.

Bizer könne mit allen, das hört man immer wieder. Mit seinem unorthodox zauselnden Grauhaar, dem lässigen Künstlerschal und dem Ringelpulli unter der Jeansjacke kommt er schon rein optisch nicht daher wie Mister Oberwichtig. Man sagt ihm freundliche Kontakte nicht nur zu VfB-Funktionären nach, sondern auch zu den Ultras. Und mit Sport kennt er sich aus: Er ist studierter Sportwissenschaftler, ausgebildeter Fußball-Übungsleiter, Tennis-Trainer, Snowboard-Lehrer, war Konditionstrainer bei den Waiblinger Handballern, als die noch in der zweiten Liga spielten, war als Vizepräsident beim Schwäbischen Turnerbund zuständig für den Bereich Spitzensport. Und am Wirtemberg-Gymnasium hat er Fußballer von Timo Werner bis Daniel Didavi durch ihre Schulzeit geleitet.

Nun gut, er also nicht. Die Zukunft wird weisen, ob einer der anderen das schafft: ein Präsident zu sein, der nicht nur das Hinterzimmer beherrscht, sondern alle erreicht. Der VfB braucht das dringend nach der Ära Dietrich. Egal, wer’s wird: Das Unternehmen VfB betriebswirtschaftlich effizient durchzustrukturieren, wird nicht genügen.


Korb. Martin Bizer wird’s nicht – woran lag’s? War er den Wirtschaftsbossen beim VfB Stuttgart nicht wirtschaftsbossig genug?

Zwei also sind übrig: der Chef eines Buchhandelsunternehmens, der Chef eines Gebäude-Management-Unternehmens. Für Christian Riethmüller spricht: Er „kann hervorragende Kenntnisse in betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen und als Unternehmer nachweisen“. Für Claus Vogt spricht: Er „verfügt über die notwendigen

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