VfB Stuttgart

Wer spielt, wenn alle Innenverteidiger wieder fit sind?

Trainer Pellegrino Matarazzo die Qual der Wahl._0
Trainer Pellegrino Matarazzo hat was die Besetzung seiner Abwehrreihe angeht bald wieder die Qual der Wahl. © ZVW/Büttner/Galm/Montage: Mogck

Stuttgart.
Die Innenverteidigung des VfB Stuttgart schien nach den Verletzungen von Kapitän Marc Oliver Kempf (doppelter Kieferbruch), Marcin Kaminski (Kreuzbandriss) und Holger Badstuber (Adduktorenverletzung) arg gebeutelt. Doch die „Aushilfs-Abwehrreihe“ um den gelernten Mittelfeldspieler Atakan Karazor, die Liverpool-Leihgabe Nathaniel Phillips und den Ex-Freiburger Pascal Stenzel strahlte in den letzten Partien viel Sicherheit aus – und musste in der Liga erst ein Gegentor schlucken.

Karazor fühlt sich in der Abwehrzentrale pudelwohl

Neu-Innenverteidiger Karazor fühlt sich nach eigener Aussage auf der zentralen Position in der Dreierkette „pudelwohl“. Dort führt der 1,90 Meter große Schlaks am Boden und in der Luft zahlreiche Zweikämpfe und hat viele Ballkontakte. „Das tut mir gut, so komme ich gut ins Spiel rein.“ Der 23-Jährige war im Sommer 2019 als Wunschspieler von Ex-Trainer Tim Walter nach Stuttgart gekommen. Nach einem holprigen Saisonstart spielte er in den letzten Spielen vor der Winterpause allerdings überhaupt keine Rolle mehr. Doch dann bekam Karazor unter dem neuen Trainer Pellegrino Matarazzo eine neue Chance. Statt auf die Sechserposition beorderte Matarazzo den gebürtigen Essener in die Innenverteidigung, wo er 2020 in allen Ligaspielen über die volle Distanz auf dem Platz stand und überzeugte.

Trainer Matarazzo hat die Qual der Wahl

Die Spiele gegen Heidenheim (3:0), St. Pauli (1:1), Bochum (1:0), Aue (3:0) und Regensburg (2:0) haben gezeigt: Die aus der Not geborene Idee, Routinier Holger Badstuber hatte sich im Wintertrainingslager eine Adduktorenverletzung zugezogen, funktioniert. Selbst die Verletzung von Kapitän Marc Oliver Kempf brachte die Stuttgarter Defensive nicht ins Wanken. Doch was wird aus der eingespielten Kette um Karazor, wenn im März drei erfahrene Innenverteidiger wieder spielfit werden? Marcin Kaminski, Holger Badstuber und Marc Oliver Kempf scharren mit den Hufen. „Sehr oft sind Spieler wie die Kinder im Bonbonladen“, sagt Trainer Matarazzo, „sie wollen immer alles haben.“

Der Coach muss diese Situation moderieren. Bald hat er eine Auswahl aus sechs fitten Innenverteidigern für drei freie Positionen im Abwehrverbund. Hinzu kommen noch U21-Nationalspieler Maxime Awoudja und Mittelfeldspieler Wataru Endo. Der Japaner hat im DFB-Pokalspiel gegen Leverkusen eindrucksvoll gezeigt, dass er auch in der Innenverteidigung spielen kann. „Die Qual der Wahl zu haben ist immer besser als wenn sich die Mannschaft von allein aufstellt“, sagt Sportdirektor Sven Mislintat.

Eine denkbare Lösung für den Saisonendspurt wäre die Dreierkette Badstuber - Kempf - Karazor. Die Leidtragenden wären in diesem Fall Nathaniel Phillips und Pascal Stenzel. Der Pole Marcin Kaminski wird sich nach seiner langen Ausfallzeit erst einmal gedulden müssen, will seinem Chef die Entscheidung aber so schwer wie möglich machen. Gegenüber der Stuttgarter Zeitung sagte er: „Ich werde alles tun, um dem Trainer bei der Nominierung Kopfschmerzen zu bereiten.“