Wie ein Dopingkontrolleur aus Oeffingen die VfB-Profis zum Pinkeln begleitet
Stuttgart/Fellbach. Kurt Beck (65) aus Fellbach -Oeffingen hat einen interessanten Job: Der 65-Jährige ist bei Spielen des VfB Stuttgart als Dopingkontrolleur im Einsatz – und begleitet die Profis sprichwörtlich bis aufs Klo. Kurt Beck muss als sogenannte „Anstandsdame“ kontrollieren, ob die Spieler vor der Dopingprobe etwas zu sich nehmen oder ausscheiden. Und da kann es schon mal vorkommen, dass der Oeffinger in einer Besprechung mit Trainer Sebastian Hoeneß landet, wenn ein Spieler lange nicht Pinkeln kann.
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VfB Stuttgart: Zwei Profis müssen zur Dopingkontrolle
Es gibt Jobs rund um Heimspiele des VfB Stuttgart, die fallen direkt auf – wie der von Stadionsprecher Holger Laser etwa. Oder wie die der Mannschaftsärzte und Physios, wenn sie auf dem Platz einen Spieler behandeln. Oder die der Bundesliga-Schiedsrichter, die ein Spiel gut oder schlecht leiten. Einer aber fällt nicht auf: Kurt Beck (65) aus Fellbach. Der Rentner ist für die Welt-Anti-Doping-Agentur, kurz „ Wada “, im Einsatz. Als Chaperone (franz. für Aufsichtsperson) werden die Freiwilligen bezeichnet, die sich nach der Partie einen Spieler schnappen und diesen nicht mehr aus den Augen lassen. Der Grund: Der Spieler muss zur Dopingprobe.
„Ich begleite die Spieler sprichwörtlich aufs Klo“, sagt der immer noch aktive Schiedsrichter im Gespräch mit unserer Redaktion und lacht dabei. Er bezeichnet sich selbst als „Anstandsdame“, schließlich klebt er an den VfB-Profis, bis diese Wasser gelassen haben. „Es könnte ja sein, dass die Profis vor der Dopingprobe noch verbotene Mittel zu sich nehmen oder andere Mittel abführen, um Doping zu vertuschen.“ Das müsse er verhindern und dafür sei er zuständig, so Kurt Beck, der bei seinem Job immer eine Weste mit dem Aufdruck „ Wada “ trägt. Die Freiwilligen sind alle Schiedsrichter: „Wir müssen ja unparteiisch sein.“
Kurt Beck ist manchmal in der VfB-Kabine dabei
Pro Bundesliga-Spiel müssen zwei VfB-Profis und zwei Spieler der gegnerischen Mannschaft zur Dopingkontrolle. Aus diesem Grund sind bei jedem Spiel zwei Chaperone und ein Dopingarzt sowie dessen Assistent im Einsatz. „Wir besprechen in der Halbzeit, welche Spieler zur Kontrolle müssen und teilen diese unter uns auf“, erklärt Beck. „Nach dem Spiel schnappen wir uns dann direkt die Spieler und begleiten diese, bis sie eben Pinkeln müssen.“ Die VfB-Profis kennen den Oeffinger inzwischen und reagieren „total entspannt“, wenn er nach dem Spiel auf sie zugeht. „Das sind alles Profis, die wissen, warum ich das machen muss.“
Doch es gibt ein Problem: Die Profis müssen nach den Spielen oft über einen längeren Zeitraum nicht pinkeln. Das hat Kurt Beck auch beim VfB Stuttgart schon erlebt. Also muss er die Spieler bis in die Kabine, zu den Familien oder zu Medienterminen begleiten. „Ich stand schon bei euch Journalisten, wenn ein Spieler ein Interview gegeben hat und davor nicht pinkeln konnte“, erzählt Kurt Beck. Der passionierte Schiedsrichter müsse wirklich überall dabei sein, wohin der Spieler auch geht. „Es kommt auch vor, dass ich den Spieler in die Kabine begleite und plötzlich mitten in einer Teambesprechung mit Trainer Sebastian Hoeneß sitze“, sagt Kurt Beck. Das sei schon „sehr cool und spannend“, so der 65-Jährige.
WFV-Pokalfinale: Spieler muss ewig nicht aufs Klo
Manchmal müsse der Oeffinger lachen, wenn ihn Fans oder Freunde fragen, ob er mit den Spielern denn aufs Klo geht und womöglich auch beim Pinkel-Vorgang helfen muss. „Das ist nicht der Fall“, antwortet Kurt Beck, nachdem wir ihm eine ähnliche Frage gestellt haben – man muss als Journalist ja über die wirklich wichtigen Dinge reden. „Mein Job endet vor der Türe des Dopingarztes. Alles Weitere übernehmen dann der Arzt und sein Assistent, die haben die wichtigste Aufgabe“, so der Schiedsrichter.
Zwei Erlebnisse sind dem Rentner als „Anstandsdame“ besonders in Erinnerung geblieben. „Ich war mal beim WFV-Pokalfinale im Einsatz. Es war ein spannendes Spiel mit Verlängerung und Elfmeterschießen“, erzählt Kurt Beck. Den Spieler, den er nach der Partie habe begleiten müssen, konnte bis spät in die Nacht nicht aufs Klo: „Da war so viel Adrenalin im Spiel, da ging einfach gar nichts. Wir saßen bis halb eins in der Kabine und haben zusammen gewartet, bis der Spieler pinkeln konnte.“ Doch das eigentliche Highlight seiner Tätigkeit für die Wada, die der Oeffinger seit rund 15 Jahren ausübt, erlebte er im Oktober 2024.
Kurt Beck und sein Erlebnis mit Jamie Leweling
„Der VfB Stuttgart hatte am späten Sonntagabend ein Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim, das 1:1 ausging“, erinnert sich Kurt Beck zurück. „Ich habe als Chaperone den Jamie Leweling zugewiesen bekommen.“ Der VfB-Angreifer musste allerdings noch am Sonntagabend zur Nationalmannschaft reisen, da Leweling im Oktober 2024 das erste Mal für das DFB-Team nominiert worden war. „Und da saßen wir dann und mussten zusammen warten, bis er aufs Klo konnte.“ Kurt Beck erinnert sich ganz genau an das Gespräch: „Jamie hat sich ein bisschen darüber geärgert, dass er nicht Pinkeln kann und deshalb so lange warten muss.“ Da habe Kurt Beck zu dem VfB-Profi gesagt: „Dafür schießt du bei deinem ersten Länderspiel ein Tor.“
Und siehe da: Genau das passierte nur ein paar Tage später. Jamie Leweling traf als Debütant beim 1:0-Sieg gegen die Niederlande in der Nations League. „Seitdem habe ich ihn leider nicht mehr als Spieler bei der Dopingprobe gehabt“, so der Oeffinger Dopingkontrolleur. Auf diese Geschichte müsse er Jamie Leweling sofort ansprechen, wenn die beiden wieder zusammen in der Kabine oder vor dem Zimmer des Dopingarztes sitzen, so Kurt Beck. Und der Schiedsrichter hätte auch nichts dagegen, wenn viele weitere spannende Begegnungen mit den Fußballprofis dazukommen. Ans Aufhören denkt der 65-Jährige nämlich nicht: „Der Job macht total viel Spaß. Das ist ein Privileg, so nah an die Spieler heranzukommen.“



