VfB Stuttgart

Zieler, Sosa und das Eigentor des Jahres

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Das Eigentor des Jahres: VfB-Keeper Ron-Robert Zieler kassierte am Samstag das erste Einwurf-Eigentor der Bundesliga-Geschichte. © ZVW/Danny Galm

Stuttgart.
Es gibt genau diesen einen Moment im Blick von Borna Sosa, als der junge Linksverteidiger realisiert, dass sein Einwurf schwere Folgen haben wird. Ein letzter verzweifelter Ruf nach seinem Torhüter und wenige Augenblicke später ist es passiert: Das erste Einwurf-Eigentor in der 55-jährigen Bundesliga-Geschichte.

Sosa warf den Ball in Zielers Richtung, der Torwart war für einen Moment unaufmerksam, versuchte den Ball noch unter Kontrolle zu bringen und musste letztlich hilflos mit ansehen, wie die Kugel über die Linie kullerte. Kurios: Hätte Zieler den Einwurf nicht berührt, hätte das Tor nicht gezählt. Stattdessen hätte es Ecke für Bremen gegeben. 

Ihren Platz im Saisonrückblick 2018/19 haben die beiden Stuttgarter sicher. Vielleicht sogar mehr: „Ein Eigentor, das in den in 45 Jahren zu veröffentlichenden Bildbänden "100 Jahre Bundesliga" einen Stammplatz haben wird“, schreibt die Süddeutsche Zeitung

Kleiner Trost für den 29-Jährigen VfB-Schlussmann: Er ist nicht der erste Torhüter, der ein Einwurf-Gegentor kassierte. In der Saison 1982/1983 unterlief Jean-Marie Pfaff bei seinem Debüt für den FC Bayern ein ähnlicher Schnitzer - ebenfalls gegen Bremen.

Werder-Stürmer Uwe Reinders hatte Pfaff den Ball aus 35 Metern zugeworfen. Der Belgier war überrascht, berührte den Ball mit den Fingerspitzen und die Kugel rollte ins Tor. 

Das sagt VfB-Keeper Zieler zu seinem Blackout

„Es gab eine Auswechslung. Ich habe den Pfiff, dass es weitergeht, nicht gehört und nicht damit gerechnet, dass der Ball so präzise und schnell zurückgeworfen wird“, erklärte der ehemalige Nationalkeeper seinen Aussetzer direkt nach dem Abpfiff am Sky-Mikrofon. "Was man nicht sieht, kann man nicht halten", ergänzte Zieler.

„Es gibt keinen Grund, dass der Torwart nicht aufmerksam ist“, tadelte Sportvorstand Reschke seinen Torhüter, der nicht zum ersten Mal in der noch jungen Saison ein Gegentor verschuldet hat. „Schmunzeln kann man über die Szene trotz des Sieges nicht, das wird auch Ron so sehen.“

Lange mit seinem Keeper hadern wollte der 60-Jährige aber nicht: "Das war eine total unglückliche Situation. Ich würde dem Ron gar nicht so einen großen Vorwurf machen, weil er uns in etlichen Szene vor Gegentoren bewahrt hat. Das gehört zum Fußball einfach dazu."

Auch Trainer Tayfun Korkut war das Slapstick-Eigentor relativ wurscht: „Es ist wichtig, dass wir dieses Spiel gewonnen haben. Egal, wie.“ Dafür sorgte Neuzugang Gonzalo Castro, der den VfB mit seinem ersten Treffer im VfB-Trikot zum Premieren-Sieg in dieser Spielzeit schoss (74.).

Timo Hilderbrand: "Man kann beiden eigentlich keinen Vorwurf machen"

Korkut fand lobende Worte für seine Mannschaft, die das Spiel gegen Bremen verdient und und dennoch glücklich gewann: "Ein Kompliment, wie wir nach so einem Gegentor zurückgekommen sind und nach vorne gespielt haben. Das war sehr wichtig, aber dazu braucht es auch Mut – und dieser Mut von uns wurde belohnt.“

Mitgenommen hat den Stuttgarter Trainer die Szene trotzdem: "Ich habe das Gefühl, dass ich in meiner Trainer-Karriere alles erleben muss."

Werder Trainer Florian Kohfeldt hingegen verpasste die spektakuläre Szene in der 68. Minute und erklärte nach der Partie gegenüber der Bild: "Das war Bundesliga-Geschichte, und ich Idiot schaue nicht hin!“

Ex-VfB-Keeper Timo Hildebrand nahm die beiden Unglücksraben in Schutz und twitterte nach dem Spiel: "Was ein Tor für Werder heute, da sehen Sosa und Zieler nicht gut aus. Man kann aber eigentlich beiden keinen Vorwurf machen – beide sind voll drin im "Tunnel des Spiels" und spulen ihr Ding runter in dem Moment. Egal! Spielte zum Glück keine Rolle das #EigentordesJahres."


Einwurf-Eigentor? Das sagt die Regel

FIFA-Regel Nummer 15 (Einwurf): "Aus einem Einwurf kann ein Tor nicht direkt erzielt werden: Wirft der ausführende Spieler den Ball direkt ins gegnerische Tor, entscheidet der Schiedsrichter auf Abstoß. Wirft der ausführende Spieler den Ball direkt ins eigene Tor, entscheidet der Schiedsrichter auf Eckstoß."

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