VfB Stuttgart

Zweiter Investor für den VfB: Ist das Ende einer komplizierten Suche in Sicht?

VfB Stuttgart Symbolbild
Symbolbild. © Danny Galm

Seit fast fünf Jahren sucht der VfB Stuttgart inzwischen nach einem zweiten Investor. Bislang hat lediglich Ankerivestor Daimler Anteile an der 2017 ausgegliederten Profiabteilung erworben. Die Suche nach einem weiteren Geldgeber für die VfB-AG gestaltet sich kompliziert, hat in Corona-Zeiten aber enorm an Bedeutung gewonnen. Ist jetzt ein Ende in Sicht?

Mehr Spielraum für die neue Saison

Im Fußball geht es häufig um das richtige Momentum. Sie es auf dem Platz für den perfekten Pass in die Tiefe oder die ideal getimte Grätsche in der letzten Abwehrreihe. Aber auch abseits des grünen Rasens spielt das Timing oft eine entscheidende Rolle. Insofern wäre der Einstieg eines zweiten Investors beim VfB gerade jetzt, da der Club durch die Corona-Pandemie erhebliche finanzielle Einbußen hinnehmen muss, ein guter Zeitpunkt. „Es würde uns mit Blick auf die neue Saison mehr Spielraum geben, wenn es dieses Jahr klappt“, sagte Vorstandschef Thomas Hitzlsperger vor wenigen Tagen in einem Kicker-Interview. Laut Interimsfinanzvorstand Tobias Keller ist das Thema auch deshalb in der Priorisierungsliste „deutlich nach oben gerückt“.

Der VfB erhofft sich von einem zweiten Investor dabei weiterhin mehr als nur zusätzliche finanzielle Möglichkeiten. „Wir wollen weiter einen Investor, der uns über die finanzielle Beteiligung hinaus einen strategischen Mehrwert bringt“, so Thomas Hitzlsperger. Ein Gesamtpaket wie beim Ankerinvestor „kriegen wir nicht noch mal“, sagte der ehemalige Nationalspieler und berichtete davon, dass es beim von Corona schwer getroffenen Mittelstand aus der Region schwer sei, „diese Unternehmen zu einem zusätzlichen Investment zu bewegen“.

Gespräche mit interessierten Leuten aus den USA

Die Idee, eine Investorengruppe aus dem schwäbischen Mittelstand zu formen, stammt von Präsident und Aufsichtsratschef Claus Vogt. Aktuell sei für viele Unternehmen jedoch „der denkbar schlechteste Zeitpunkt, um über ein Engagement beim VfB nachzudenken“, so der 51-Jährige gegenüber Spox. Umsätze sind eingebrochen, Mitarbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt oder sogar entlassen. Folglich muss der VfB den Blick weiten. „Ein Unternehmen kann von jedem Kontinent und aus jeder Branche der Welt kommen“, sagte Vogt. Die einzige Bedingung neben dem strategischen Mehrwert: es muss zum VfB und seinen Werten passen.

Thomas Hitzlsperger hat deshalb auch mit interessierten Leuten aus den USA gesprochen. „Allerdings sind Minderheitsinvestitionen dort nicht die Wunschlösung“, so Hitzlsperger. Der These, um es in die Top Sechs der Liga zu schaffen, brauche der VfB einen Geldgeber aus den Emiraten, widersprach der 39-Jährige unter Verweis auf Borussia Mönchengladbach und Eintracht Frankfurt. „Wir dürfen nicht unterschätzen, dass wir uns weiter in einem attraktiven Sponsoren-Umfeld befinden. Wenn wir mit guter Leistung vorangehen, sind wir automatisch wieder interessant.“

Kommt der zweite Investor aus Bayern?

Der VfB hat mittlerweile wieder einen wertvollen Trumpf in der Hand: eine attraktive und entwicklungsfähige Mannschaft, die in Deutschlands höchster Spielklasse kickt. Eine Mischung, die den Traditionsverein nach Ansicht von Claus Vogt „sowohl für die Fans als auch für künftige Partner hochinteressant“ macht. Könnte nach Jahren der ergebnislosen Suche jetzt also auf einmal alles ganz schnell gehen?

Laut dem TV-Sender Sky soll ein Unternehmen aus Bayern bereit sein, eine Millionensumme in den VfB zu investieren. Ein fertiges Angebot soll bereits auf dem Tisch der VfB-Verantwortlichen liegen. Ankerinvestor Daimler hatte 2017 für seine 11,75 Prozent an der VfB-AG 41,5 Millionen Euro bezahlt. Da der VfB maximal 24,9 Prozent Prozent seiner Anteile veräußern will, stehen noch 13,15 Prozent zum Verkauf. Um mehr als die 24,9 Prozent der AG-Anteile zu verkaufen, bedarf es die Zustimmung der Mitglieder. 

Mit einer Entscheidung, ob der Deal über die Bühne geht oder nicht, wird laut Sky in den kommenden Tagen gerechnet. Es wäre in jedem Fall das Ende einer langen und komplizierten Suche. 

VfB würde würde weitere Saison ohne Zuschauer überstehen

  • Trotz bereits erheblicher Einbußen würde der VfB eine weitere Saison ohne Publikum wirtschaftlich überleben. „Aus finanzieller Sicht würden wir ein weiteres Jahr ohne Zuschauereinnahmen überstehen, auch wenn wir uns dieses Szenario alle nicht wünschen“, sagte Interimsfinanzvorstand Tobias Keller in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung.
  • Der Fokus richte sich nun darauf, die Verluste so gering wie möglich zu halten und die Eigenkapitalbasis zu stärken, ergänzte der 31-Jährige. „Eine Möglichkeit dabei ist, einen zweiten Investor zu gewinnen. Das könnte uns strategisch helfen.“ (dpa)