Wahl 2019

Grüne bei Akademikern beliebt - CDU punktet auf dem Land

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Die CDU war überdurchschnittlich erfolgreich in ländlichen Gebieten. © Christine Tantschinez

Stuttgart. Während SPD und CDU zum Teil sehr deutliche Verluste einstecken müssen, gewinnen insbesondere Grüne und FDP in Baden-Württemberg bei der Europawahl dazu. Auch die AfD, die Freien Wähler und die Partei profitieren von der Schwäche der Volksparteien. Zur Europwahl hat das Statistische Landesamt Baden-Württemberg regionale Besonderheiten zusammengetragen.

Je ländlicher, desto schwärzer

Die Gemeindegröße spielte bei der Europawahl offenbar eine größere Rolle. Konnte die CDU vor allem in kleineren Gemeinden noch Wählerinnen und Wähler von sich überzeugen - mit 35,4 Prozent deutlich über Landeswert bei Gemeinden unter 10.000 Einwohnern - , schnitten die Grünen in Gemeinden ab 100 000 Einwohnern besonders gut ab. In Gemeinden unter 100 000 Einwohnern dagegen lag der Grünen-Trend deutlich unter dem Landesergebnis von 23,3 Prozent.

Die AfD erhielt in kleineren Gemeinden unter 50 000 Einwohnern ihre höchsten Werte. Bei der FDP zeigten sich keine Auffälligkeiten.

Grüne erfolgreich in Kreisen mit hohem Akademikeranteil, AfD stark bei Arbeitern

Das Statische Landesamt ermittelte auch eine Auffälligkeit von Stimmenanteil je nach Ausprägung sozialstruktureller Merkmale. Die CDU holte in Kreisen, die einen hohen Anteil an Beschäftigten im produzierenden Gewerbe aufweisen, mit 36,1 Prozent deutlich mehr als im Rest des Landes. Auch in Gebieten mit einem niedrigen Akademikeranteil schnitt die Partei besonders gut ab (37,6 %). 

Dagegen überzeugten die Grünen in Gegenden mit einem hohen Akademikeranteil (Freiburg, Karlsruhe, Stuttgart, Tübingen - 31,1 Prozent). Ebenso überzeugte die Partei viele Wähler in Kreisen mit einem hohen Anteil an Beschäftigten im Dienstleistungsgewerbe (31,7 %). 

Die AfD erreichte mit einem Anteil von 11,1 % in Gebieten mit einem niedrigen Akademikeranteil ein überdurchschnittliches Ergebnis. Auch in Stadt- und Landkreisen mit einem hohen Anteil an Beschäftigten im produzierendem Gewerbe erzielte die Partei über ihrem Durchschnitt liegende Ergebnisse (11,3 %). 

Je mehr Wahlbeteiligung, desto mehr stimmten für Grün

Die höchste Wahlbeteiligung wurde mit 70,1 % im Stadtkreis Heidelberg erreicht, gefolgt von den Landkreisen Tübingen mit 69,9 % und Breisgau-Hochschwarzwald mit 68,1 %, melden die Statistiker. Demgegenüber gaben im Kreis Pforzheim mit 53,2 % und im Stadtkreis Heilbronn mit 55,5 % am wenigsten Wahlberechtigte ihre Stimme ab. In den Hochburgen der Wahlbeteiligung schnitten die SPD (13,5 %), die Grünen (28,1 %) und die Linke (4,2 %) überdurchschnittlich gut ab.

Im Gegensatz dazu erhielten die CDU (26,4 %) und die AfD (8,0 %) in Gebieten mit hoher Wahlbeteiligung deutlich weniger Stimmen. 

Parteien halten ihre Hochburgen

Die CDU erhielt in ihren Hochburgen im Land im Schnitt einen Stimmenanteil von 39,2 %. Dabei erhielt die Partei die höchsten Stimmenanteile in den Landkreisen Sigmaringen (40,9 %), Biberach (40,4 %) und Main-Tauber-Kreis (39,7 %). In den Hochburgen der Christdemokraten profitierte außerdem vor allem die AfD (10,3 %).

Die Grünen gewannen in allen Kreisen mindestens 7,7 Prozentpunkte hinzu. Besonders hoch fiel das Plus in Ulm (+ 13,1 Prozentpunkte) und im Stadtkreis Karlsruhe (+ 12,5 Prozentpunkte) aus. In ihren Hochburgen erhielt die Partei durchschnittlich 31,4 %. Ihren höchsten Stimmenanteil verbuchten die GRÜNEN mit 38,5 % in Freiburg im Breisgau.

Die SPD kam in ihren Hochburgen auf einen durchschnittlichen Stimmenanteil von 16,0 %. Den höchsten Stimmenanteil konnte die SPD in Mannheim (18,2 %) und im Stadtkreis Heilbronn (16,4 %) verbuchen.

In ihren Hochburgen kam die AfD durchschnittlich auf einen Stimmenanteil von 13,3 %, dabei erzielte die Partei ihr bestes Ergebnis mit 17,6 % in Pforzheim. Die FDP erhielt mit 7,8 % in AfD-Hochburgen ein überdurchschnittliches Ergebnis.

Die FDP erzielte ihr lokal bestes Ergebnis mit 9,8 % im Landkreis Reutlingen. In ihren Hochburgen kamen die Liberalen durchschnittlich auf 8,5 %. Hier stieg der Stimmenanteil der Partei gegenüber der Europawahl 2014 um 3,0 Prozentpunkte.

Die Linke erreichte in ihren Hochburgen 5,2 % der Stimmen. Am stärksten war die Partei in den Stadtkreisen Freiburg im Breisgau (6,6 %) und Heidelberg (5,4 %), sowie im Landkreis Tübingen (5,3 %).