Meinung

Warum der Rems-Murr-Kreis irreführende Corona-Zahlen veröffentlicht

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Der Rems-Murr-Kreis betreibt jeden Tag großen Aufwand für die Aktualisierung dieser Karte. Aber die Zahlen sind irreführend. © Landratsamt Rems-Murr

Die zweite Corona-Welle droht - auch im Rems-Murr-Kreis. Umso wichtiger sind aktuelle und akkurate Lage-Zahlen. Diese wichtige Aufgabe hat zunächst der Landkreis. Denn nur hier gibt es den genauen Überblick über die Zahl der Menschen, die infiziert und in Quarantäne sind.

Allerdings tut sich die Kreisverwaltung schwer, die richtigen Zahlen richtig zu präsentieren. Täglich wird eine Karte mit allen Orten des Kreises veröffentlicht unter der Überschrift „Bestätigte Corona-Infizierte im Rems-Murr-Kreis“. Für jeden Ort finden sich zwei Zahlen: die Infizierten gesamt - also seit Beginn von Corona - und die Zahl der Menschen, die aus der Quarantäne entlassen wurden. Beispiel Schorndorf, 27. August: 239 Infizierte insgesamt, 216 Menschen aus der Quarantäne entlassen.

Wichtig im Moment ist die Frage: Wie viele Menschen sind derzeit in Schorndorf mit Corona infiziert? Die Karte vermittelt den Eindruck, dass es 23 Personen sind.

Dieser Eindruck ist aber falsch. Denn von den Infizierten insgesamt muss man nicht nur die Zahl der Menschen abziehen, die aus der Quarantäne entlassen wurden, sondern auch die Todesfälle durch Corona. Dies verschweigt aber die Karte, weil der Landkreis offenbar nicht die Todeszahlen pro Ort veröffentlichen will. Außerdem wird dies auch nicht in einer Legende erklärt.

Tatsächlich waren am 27. August drei Menschen in Schorndorf infiziert - und nicht 23. Daraus folgt auch die Schlussfolgerung, dass 20 Menschen in Schorndorf an Corona gestorben sein müssen.

Dabei wäre alles so einfach: Der Kreis veröffentlicht jeden Tag die Zahl der aktuell Infizierten für alle 31 Orte. Andere Kreise machen das seit Beginn der Corona-Krise. Langsam wird es Zeit für den Rems-Murr-Kreis. Denn wir brauchen die richtigen Zahlen und keine Verwirrung, wenn wir uns vor der zweiten Welle schützen wollen.

Reaktion aus dem Landratsamt

Nachdem wir den Artikel Freitagmittag (28. August) auf zvw.de veröffentlicht hatten, gab es am Nachmittag eine prompte Reaktion des Landratsamtes: Eine neue Karte mit den aktuellen Fallzahlen will der Kreis ab kommender Woche auf seiner Homepage veröffentlichen.