Bei Hüftarthrose aktiv bleiben

Schmerzen die Gelenke, sollte man frühzeitig gegensteuern

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Beweglichkeit: Bei Arthrose helfen Gelenkübungen
Schonende Sportarten wie Nordic Walking können helfen. © Christin Klose
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Kaputte Knie oder Hüften: Wann ein neues Gelenk her muss
Eine künstliche Hüfte im Röntgenbild. © Florian Schuh

Die Hüftgelenke spielen bei allen Aktivitäten des täglichen Lebens eine wichtige Rolle. Zusammen mit den Knien tragen sie den Großteil unseres Körpergewichts. Zwickt die Hüfte immer wieder beim Treppensteigen oder beim Übereinanderschlagen der Beine, kann das ein Anzeichen für eine Hüftarthrose sein.

Die Hüftarthrose beginnt oft schleichend über Monate und Jahre. Anfangs schmerze das Gelenk meist nur bei Belastung oder nach anstrengenden Tagen, schreibt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen auf seinem Portal „Gesundheitsinformation.de“. Es ist möglich, dass die Schmerzen zur Innenseite des Oberschenkels oder sogar bis ins Knie ausstrahlen. Wenn man länger geruht hat, kann sich das Gelenk auch für einige Minuten steif anfühlen, zum Beispiel morgens nach dem Aufwachen. Laut dem Portal sind von einer Hüftarthrose vermehrt Menschen ab 45 Jahren betroffen. Risikofaktoren dafür sind unter anderem familiäre Veranlagung, starkes Übergewicht und angeborene Fehlstellungen. Auch schwere körperliche Arbeit sowie Dauerbelastungen durch intensives Training in Sportarten wie Handball oder Fußball, bei denen es zu starken Stoßbelastungen kommt, zählen dazu.

Wichtig ist, einen Hüftarthrose-Verdacht möglichst rasch abzuklären, um im Zweifel frühzeitig gegensteuern zu können. Das beugt weiterem Knorpelverschleiß vor. Empfehlenswert sind gelenkschonende Sportarten wie Radfahren oder Schwimmen. Solche Bewegung kann die Gelenkfunktion verbessern. Wer stark übergewichtig ist, sollte versuchen, abzunehmen. Außerdem helfen gut dämpfende, bequem sitzende Schuhe ohne Absatz. Auch Physiotherapie kann helfen, ebenso wie entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR).

Die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik empfiehlt, bei Arthrose in der Hüfte jede Gelegenheit zur Bewegung zu nutzen. Durch Bewegung werde der Knorpel mit Nährstoffen versorgt, die Muskulatur gekräftigt und ein Einsteifen des Gelenks verhindert. Für das Hüftgelenk empfehlen die Experten folgende Übung: Auf einem Bein stehen und dabei das andere Bein frontal anheben und um 90 Grad beugen. Diese Übung täglich 20 bis 40 Mal auf beiden Seiten wiederholen. Oder: Auf einem Bein stehen, das andere auf einen Stuhl in 90 Grad Stellung abstellen und kontrolliert Becken und Oberkörper der Standseite nach vorne schieben, dabei das stehende Bein dehnen. Wichtig hierbei ist, nicht ins Hohlkreuz zu fallen. Und grundsätzlich sollten Treppen bewusst mit aufgerichtetem Becken in Zeitlupe hochgestiegen werden.

Wenn alle nicht-operativen Möglichkeiten ausgeschöpft wurden, kann ein Kunstgelenk die letzte Behandlungsoption sein. Solch eine Hüftprothese kann zwar verunsichern, sollte aber keine Ausrede sein, nach der Operation nicht mehr aktiv zu sein. Eher im Gegenteil. „Inaktivität erhöht wahrscheinlich das Risiko für Knochenbrüche“, betont der Chirurg und Orthopäde Prof. Carsten Perka von der Berliner Charité. Er ist überzeugt: „99 Prozent der Träger könnten mehr tun, als sie machen – weil sie sagen, sie müssten vorsichtig sein.“ Es sei Bewegung, die Muskeln und Knochen rund um die Prothese gesund halte.

Elementar ist aus Sicht des Mediziners nur, dass man koordinativ zu der Tätigkeit in der Lage ist und die Sportart im Idealfall schon vor der Hüft-OP beherrscht hat. „Es geht darum, dass der Körper diese Abläufe kennt.“ Perka hält es zum Beispiel für keine gute Idee, mit dem künstlichen Gelenk das erste Mal Skifahren auszuprobieren. Wer indes darin geübt ist, kann weiter die Pisten herunterjagen. Und es gibt Sportarten, die für Menschen mit künstlichem Hüftgelenk besonders gut geeignet sind und einen niedrigschwelligen Einstieg bieten, falls man sie das erste Mal macht. Vor allem Walking, Laufen, Schwimmen, Wandern, Radfahren auf der Ebene – also kein Mountainbiking – oder Tanzen, zählt Perka auf.

Mit Material von dpa