50 Jahre ZVW

Deutscher Meister 1975: Erinnerung an den größten Erfolg des ASV Schorndorf

50 Jahre Ringer
Schwelgen in  alten Geschichten (von links): Hans Kern und der damalige Ringer im Meisterteam, Hans Partsch. Rechts trohnt die Trophäe aus dem Jahr 1975. © Alexandra Palmizi

Erstmals seit gefühlt Äonen hat der ASV Schorndorf in dieser Saison wieder eine Bundesliga-Ringer-Mannschaft, die es im Kampf um den deutschen Meistertitel weit bringen kann. Geholt hat der Verein die Trophäe einmal, im Jahr 1975. Der damalige Punktegarant Hans Partsch und ASV-Urgestein Hans Kern drehen die Zeit zurück.

Von solchen Zuschauerzahlen können die Ringer heutzutage nur träumen. Saisonhöhepunkt 1975: Beim Rückkampf um die deutsche Meisterschaft gegen den ASV Mainz 1988 sind offiziell 3000 Fans zugelassen. Am Ende stapeln sich unglaubliche 4000 in der Waiblinger Rundsporthalle, weitere 500 stehen vor verschlossenen Türen.

Der Ärger ist groß – draußen wie drinnen. Die Glücklichen, die feuerpolizeilichen Vorgaben zum Trotz doch noch in die Halle geflutscht sind, stehen vorne an der Ringermatte. Und nehmen jenen mit den Sitzplatztickets die Sicht.

Gerangel - unter den Zuschauern

„Da hat es viel Gerangel gegeben“, erinnert sich Hans Kern (70), damals Ringer in der zweiten ASV-Mannschaft, später erfolgreicher Trainer und heute passionierter Vereinschronist, mit einem Lachen. Ist ja auch ein bisschen lustig: Da kauft man eine Eintrittskarte, sitzt in der Halle und bekommt dann nur marginal mit, wie die Schorndorfer mit 21:15 triumphieren und nach der Vizemeisterschaft aus dem Vorjahr diesmal den Titel holen.

Die großen Stars der Mannschaft heißen 1975 unter anderem Eddy Giray, Fritz Schmidt – und Hans Partsch. Eine tolle Karriere: In der Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm Freistil wird er achtmal Deutscher Einzel-Meister. International hat er dagegen viel Pech.

Verschiedene Gründe verhindern die Teilnahme an drei Olympischen Spielen. Bei der WM wird Partsch einmal Fünfter, bei der EM einmal Vierter. „Hätte es damals schon Gruppenphasen gegeben, hätte ich bei der EM zweimal Silber gewonnen“, sagt der heute 67-Jährige, der auch als Trainer Erfolge feierte, ohne Groll.

Legendärer Ringer: Vehbi Akdag

Die deutsche Meisterschaft mit dem ASV war für Partsch natürlich einer der Höhepunkte. Einen riesigen Anteil am Titelgewinn hatte Vehbi Akdag, der in der Klasse bis 68 kg Freistil rang. Wie der Olympia-Zweite von 1972 zum späteren Schorndorfer Meisterteam stieß, ist eine filmreife Geschichte, an die sich Kern und Partsch mit leuchtenden Augen erinnern.

Wir schreiben die 70er Jahre. Akdag ist mit dem Zug unterwegs nach Aalen, um einen Vertrag beim dortigen Erstligisten KSV zu unterschreiben. Der Athlet steigt aber in Schorndorf aus, um sich mit einem türkischen Landsmann, ebenfalls Ringer, zu treffen.

Im Café Moser wird Akdag erkannt. Ein Anruf, und schon eilt Eberhard Wahl, damals Freistil-Coach und Technischer Leiter der ASV-Erstligamannschaft, in die Gaststätte. „Er hat gleich einen Vertrag dabeigehabt“, so Kern.

Dank Akdag hat Hans Kern Blumenkohl-Ohren

Akdag unterschreibt und ist fortan ein Schorndorfer. Und die Aalener schauen in die Röhre. „Der KSV war natürlich stinksauer auf uns.“ Von Akdag hat Hans Kern ein Andenken behalten – seine für Ringer typischen Blumenkohlohren. Im Training ging’s gut zur Sache.

Vater des ASV-Meistercoups, sagen Kern und Partsch, war der frühere Vorstandschef Karl Wahl (posthum Schorndorfer Ehrenbürger). Er hatte glänzende Verbindungen, Engagement und die Fähigkeit, groß zu denken.

Nach dem Abriss des einstigen Hexenkessels, der alten Künkelinhalle, im Jahr 1973, rang der ASV von 1974 an überwiegend in der neu gebauten Sporthalle Grauhalde. „Für die Kämpfe hat die Stadt ein zwölf auf zwölf Meter großes Podest anfertigen lassen, das 25 000 Mark gekostet hat“, betont Kern. „Gerungen wurde in einem Meter Höhe.“ Da ging freilich auch beim Publikum die Post ab.

Experte: Schorndorfer Fans heute zu ruhig

Das sei ein Unterschied zu heute, sagt Kern: „Die Schorndorfer Fans sind zu ruhig.“ Das habe aber auch damit zu tun, dass viele schon älter seien und nicht mehr so aus sich herausgingen, präzisiert Partsch.

Waren früher die Ringer besser? Nein, so die Experten. Kern: „Von der Attraktivität her ist es heute wieder sehr gut. Es gibt viele exzellente Freistilringer.“ Die Kämpfe seien schneller geworden und sehr viel athletischer, fügt Partsch hinzu.

Die Technik allerdings habe darunter etwas gelitten. „Man sieht fast keine Schwunggriffe mehr. Und im griechisch-römischen Stil werden fast alle Kämpfe nur noch in der Bodenlage entschieden“, sagt Kern.

Früher fast nur Deutsche im Team

Schade finden es die alten Kämpen, dass in den hohen Ligen heutzutage vor allem Ausländer oder in die EU Eingebürgerte ringen. „Früher standen im Team acht Deutsche und nur zwei Ausländer“, erinnert sich Kern. „Die Fans wollen gerne die eigenen Leute sehen, vielleicht ist die Liga da gar nicht so wichtig.“

Doch wer Erfolg haben will, muss das Spiel mitspielen – das wissen auch die Oldies. Was der aktuelle Vorstand, bestehend aus Stratege Sedat Sevsay und Finanzchefin Elke Scherer, auf die Beine gestellt hat, das verdiene höchsten Respekt. Und falls der ASV Schorndorf, seit dieser Saison heißt der Trainer Volker Hirt, irgendwann seinen zweiten DM-Titel gewinnen sollte, werden natürlich auch die beiden Hänse, Partsch und Kern, ausgiebig feiern.

Erstmals seit gefühlt Äonen hat der ASV Schorndorf in dieser Saison wieder eine Bundesliga-Ringer-Mannschaft, die es im Kampf um den deutschen Meistertitel weit bringen kann. Geholt hat der Verein die Trophäe einmal, im Jahr 1975. Der damalige Punktegarant Hans Partsch und ASV-Urgestein Hans Kern drehen die Zeit zurück.

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Von solchen Zuschauerzahlen können die Ringer heutzutage nur träumen. Saisonhöhepunkt 1975: Beim Rückkampf um die deutsche Meisterschaft gegen den ASV Mainz

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