50 Jahre ZVW

Günter Schweikardt, Baumeister der Erfolgsgeschichte des TV Bittenfeld

Schweikardt
„Man ist immer wieder überrascht, dass eine Dekade vorüber ist“, sagt Günter Schweikardt. „Wenn man älter ist, neigt man sicher dazu, öfter zurückzublicken. Aber es ist hilfreicher, im Hier und Jetzt zu sein.“ © JENS KOERNER BILDERMACHER SPORT

Lutz Walter kann’s einfach nicht lassen. Immer wenn die Handballer des SC DHfK Leipzig auf den TVB Stuttgart – früher den TV Bittenfeld – treffen, kommt der Kult-Reporter der Leutzscher Welle regelrecht ins Schwärmen. Voller Begeisterung berichtet er seinen Hörern von den über die Landesgrenzen hinaus berühmten Bittenfeldern – der Apfelsorte, die sich hervorragend zu Most verarbeiten lasse.

Die Bittenfelder, Lutz Walter nennt sie „Appelmänner“, sind nicht nur für ihren Most bekannt, sondern auch für guten Handball. Gegründet worden ist der Turnverein Bittenfeld im Jahr 1898. Und wie’s der Name vermuten lässt, stand zunächst das Turnen im Vordergrund. Leichtathletik, Tennis und Tischtennis wurden ebenfalls betrieben.

Gekickt wird nur beim Most- und Rettichfest

Eine immer größere Bedeutung indes bekam der Handballsport im Waiblinger Teilort, der sich von vielen anderen darin unterscheidet, dass der Fußball schon immer eine Nebenrolle gespielt hat. Es gibt keine Fußballabteilung, gekickt wird allenfalls gaudihalber beim Most- und Rettichfest.

Einer der prägenden Männer im Bittenfelder Handball war und ist Günter „Gino“ Schweikardt. Er war maßgeblich am steilen Aufstieg des TV Bittenfeld in die erste Bundesliga beteiligt und schafft auch mit fast 73 Jahren noch als Sport- und Jugendkoordinator für den TVB.

Unzählige Geschichten kann Schweikardt erzählen. Eine davon ereignete sich just im Jahr 1971, als der Zeitungsverlag Waiblingen gegründet worden ist. Es ist auch für Schweikardt ein ganz besonderes Jahr. Mit 22 Jahren verließ der hochtalentierte Handballer den TV Bittenfeld und wechselte zum Bundesligisten FA Göppingen – was damals natürlich nicht jedem schmeckte im Verein. „In Bittenfeld hat man das mit einem lachenden und einem weinenden Auge gesehen, aber das war in gewisser Weise verständlich“, erinnert sich Schweikardt.

Der zweite TVB-Spieler, der zu FA Göppingen wechselte

Vereinswechsel seien damals schließlich eher die Ausnahme gewesen. „Und der Bittenfelder Handball war zu der Zeit ja auch nicht so schlecht“, sagt Schweikardt und schmunzelt. „Aber ich denke, wenn man die Chance hat, zu einem Europapokalsieger und Deutschen Meister zu wechseln, sollte man es auch versuchen.“

Günter Schweikardt war nach Hermann Teis der zweite Bittenfelder, den es unter den Hohenstaufen zog. Der Wechsel hat sich für Schweikardt jedenfalls ausgezahlt, er wurde mit Frischauf gleich im ersten Jahr Deutscher Meister – es war zugleich der letzte von neun Titeln für die Göppinger.

Nach sechs Jahren endete Schweikardts Zeit in Göppingen. Zu groß war ihm der Aufwand geworden. Er pendelte zwischen seinem Arbeitsplatz in Ludwigsburg, Göppingen und seinem Heimatort Bittenfeld. Der Hausbau kostete Zeit, zudem stand die Hochzeitsplanung an. Da kam das Angebot der TSG Oßweil, die gerade in die erste Liga aufgestiegen war, gerade recht.

Fünf Jahre Landesliga: Eine kleine Durststrecke

Nach einer Saison war in Oßweil Schluss. Mit 28 Jahren, im besten Handballer-Alter, entschied sich Günter Schweikardt, kürzerzutreten. Im Handball sei ja nicht so viel verdient worden. „Es war ein besseres Taschengeld, aber nebenbei trotzdem viel Geld damals.“ Die Erinnerungen an die sportlichen Erfolge sind immer noch frisch. „Ich habe mit Göppingen im Europapokal gespielt, wir haben beispielsweise Kiel im Halbfinale der deutschen Meisterschaft besiegt. Das war schon eine super Sache.“

In derartigen Sphären schwebte der TVB nach Schweikardts Rückkehr zu seinem Heimatverein freilich nicht. Schweikardt war erst Spielertrainer, dann Trainer. Für fünf Jahre zog er sich aus dem Trainergeschäft zurück und übernahm beim TVB andere Aufgaben.

Nach Schweikardts Rückkehr auf die Trainerbank startete der TVB durch. Der Club hatte sich fünf Jahre lang in der Landesliga eingenistet, musste eine kleine Durststrecke überwinden. „Als wir zum ersten Mal keine A-Jugend stellen konnten, setzten wir uns zusammen und haben gesagt, wir müssen was tun. Das war schon ein Hallo-wach.“

Viele Leute, die sich mit der Sache identifizierten

Die Verantwortlichen formulierten Ziele, Rahmenbedingungen, Trainingsrichtlinien und eine Spielphilosophie von der C-Jugend bis zu den Aktiven. „So richtig begonnen hat der Prozess im Jahr 1995“, sagt Schweikardt. „In den jüngeren Jahrgängen hatten wir viele zielstrebige Talente.“ Die B-Jugend wurde Württembergischer Meister, die C-Jugend Vizemeister.

Im Jahr 1995 gelang der Aufstieg der ersten Mannschaft in die Verbandsliga. „Wir hatten viele Leute, die sich mit der Sache identifizierten – im Management und im Umfeld.“ Und der TVB hatte Spieler, die den Verlockungen anderer Clubs widerstanden und dem TVB treu blieben. Fortan ging’s kontinuierlich bergauf. Von der württembergischen Oberliga über die Baden-Württemberg-Oberliga bis in die Regionalliga. 2006 stieg der TVB mit Günter Schweikardt als Trainer in die 2. Liga auf. Jürgen Schweikardt, sein Vater Günter hatte inzwischen das Amt des Sportlichen Leiters übernommen, führte den Club neun Jahre später in die erste Liga. Günter Schweikardt erinnert sich an einen Spruch seines ehemaligen Spielers Florian Schöbinger: „Wenn der Zug rollt, dann rollt er.“ Mittlerweile spielt der TVB im siebten Jahr in der höchsten deutschen Liga.

Eine gewisse Demut an den Tag legen

Und was ist das Erfolgsrezept? „Wir wussten immer, dass wir das als kleiner TV Bittenfeld nur hinbekommen können, wenn alle zusammenhalten“, sagt Schweikardt. „Das war eine gute gemeinschaftliche Leistung, für die wir uns schon mal selbst loben dürfen.“

Am Ende der Entwicklung sieht Schweikardt den TVB noch nicht. Wobei’s wichtig sei, stets eine „gewisse Demut“ an den Tag zu legen bei allem, was man anpacke. „Wir haben immer noch hohe, aber realistische Ziele“, so Schweikardt. „Wenn wir gerne etwas hätten, aber wissen, wir können es nicht schaffen, dann machen wir das auch nicht.“

Klar sei: Je größer man werde, desto wichtiger werde die Wirtschaftlichkeit. Das sei eine ständige Herausforderung. „Ich denke, dass wir noch weitere Schritte nach vorne machen werden. Ich freue mich auf das, was noch kommt.“

Lutz Walter kann’s einfach nicht lassen. Immer wenn die Handballer des SC DHfK Leipzig auf den TVB Stuttgart – früher den TV Bittenfeld – treffen, kommt der Kult-Reporter der Leutzscher Welle regelrecht ins Schwärmen. Voller Begeisterung berichtet er seinen Hörern von den über die Landesgrenzen hinaus berühmten Bittenfeldern – der Apfelsorte, die sich hervorragend zu Most verarbeiten lasse.

Die Bittenfelder, Lutz Walter nennt sie „Appelmänner“, sind nicht nur für ihren Most bekannt,

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