50 Jahre ZVW

Wie Oberbürgermeister Schorndorf in 50 Jahren verändert und vorangebracht haben

Marktplatz 1978
Der Wochenmarkt gehörte schon in den 1970er Jahren zum regelmäßigen Erscheinungsbild des Schorndorfer Marktplatzes, die parkenden Autos auf dem Oberen Marktplatz aber auch. © ZVW

Vier Oberbürgermeister haben - jeder auf seine Art – in den vergangenen 50 Jahren ihren Beitrag dazu geleistet, dass die Stadt heute so (gut) dasteht, wie sie dasteht:

  • Rudolf Bayler, der in seiner von 1962 bis 1982 währenden Amtszeit die Kommunalreform mit der teilweise mit erheblichen Widerständen verbundenen Eingliederung der verschiedenen Stadtteile zu bewerkstelligen hatte und in dessen Ägide zum Beispiel der Bau des 1970 eingeweihten Max-Planck-Gymnasiums fiel.
  • Reinhard Hanke, mit dessen nur achtjähriger Amtszeit (von 1982 bis 1990) sich ein kultureller Aufbruch, der sich nicht zuletzt in der Gründung des Kulturforums manifestiert hat, die Weichenstellung für eine verkehrsberuhigte Innenstadt und der Bau des Künkelin-Rathauses verbinden.
  • Winfried Kübler, der den zumindest aus Sicht des sogenannten bürgerlichen Lagers zunehmend unglücklich agierenden SPD-Mann Hanke 1990 abgelöst hat und in dessen 16-jährige Amtszeit vor allem auch verkehrliche Großprojekte wie etwa die B 29, der Omnibusbahnhof und die Ortsumfahrung Haubersbronn realisiert wurden und der als Erfinder der Schorndorfer Kreisverkehre gilt.
  • Und Matthias Klopfer, dessen 15-jährige Regentschaft den Schorndorfern unter anderem wegen der zigmillionenfachen Investitionen in Betreuung und Bildung – darunter der Bau des neuen Burg-Gymnasiums, womit sich der Kreis zu Rudolf Bayler schließt – und der Remstal-Gartenschau in Erinnerung bleiben dürfte und dessen Wahl im Jahre 2006 die logische Fortsetzung des Schorndorfer Wechselspiels zwischen bürgerlich-konservativen und sozialdemokratisch-progressiven Oberbürgermeistern war, womit auch schon gesagt ist, wie es nach seinem Abgang an der Spitze der Stadt weitergehen könnte. Sehr zum Leidwesen der einen und sehr zur Freude der anderen, so wie es in dieser Stadt von jeher war.

Was über die vergangenen fünf Jahrzehnte geblieben ist: dass es alle Oberbürgermeister im Gemeinderat mit schwierigen Konstellationen und teilweise ideologisch geprägten Frontbildungen zu tun hatten, wobei sich das, was sich heutzutage im Gemeinderat abspielt, nur ein müder Abklatsch dessen ist, was früher dort aufgeführt wurde, wobei statt Pulverdampf Zigaretten- und Zigarrenqualm durch den Raum waberte und die politischen Grabenkämpfe zumindest optisch vernebelte. „Damals gab’s noch eine richtige Opposition“, erinnert sich der heute 82-jährige Winfried Kübler an teilweise „gnadenlos“ ausgefochtene Auseinandersetzungen mit der von Karl-Otto Völker angeführten politischen Linken im Gemeinderat, wobei es seinem Vorgänger Reinhard Hanke mit den von Dr. Werner Lempp angeführten Konservativen nicht viel besser ergangen war. Und heute? „Die kommen doch aus dem Kopfnicken gar nicht mehr raus“, findet Kübler, der diese Entwicklung in Reimform einmal so beschrieben hat: „Einstmals sprachen nur les armes, heute nimmt mr sich in Arm.“

Und eine ähnliche Entwicklung wie zwischen den Oberbürgermeistern und dem Gemeinderat erkennt der ehemalige Oberbürgermeister –passend zum Jubiläum „50 Jahre Zeitungsverlag“ – auch im Verhältnis der Oberbürgermeister zur Presse. Während mit einem Matthias Klopfer – und in der ersten Hälfte seiner Amtszeit auch mit Reinhard Hanke – vergleichsweise pfleglich umgegangen worden sei, sei ihm bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit massiv zugesetzt worden. Weshalb er sich nicht anders zu helfen gewusst habe, als sich regelmäßig mit Beiträgen in „Schorndorf aktuell“ zur Wehr zu setzen, was dem städtischen Presseorgan den spöttischen Beinamen „Remstal-Prawda“ eingetragen habe. Für Winfried Kübler kein Problem, da „Prawda“ nicht anderes bedeutet als „Wahrheit“. Immerhin ist Kübler – vielleicht auch wegen regelmäßiger Veröffentlichungen als Kolumnist in den Blättern des Zeitungsverlags – mittlerweile so milde gestimmt, dass er sein Verhältnis zur Presse beziehungsweise umgekehrt als „hart, aber fair“ bezeichnet.

Eingemeindung von Schornbach

Winfried Kübler erscheint unter den drei noch lebenden Oberbürgermeistern auch deshalb als der geeignetste Zeitzeuge für die analoge Entwicklung Schorndorfs zu „50 Jahren Zeitungsverlag“, weil er das ganze halbe Jahrhundert einerseits als in Schornbach lebender Bürger als auch in einer doppelten Bürgermeister-Funktion erlebt hat. Schließlich war er anfangs der 1970er Jahre Bürgermeister in der damals noch selbstständigen Gemeinde Schornbach und hat als solcher die Gespräche mit dem Regierungspräsidium und der von Rudolf Bayler geführten Stadtverwaltung moderiert, in denen es um die Eingemeindung des Stadtteils ging. Was kein einfaches Unterfangen war, weil er einerseits den Schornbacher Widerstand gegen die Konsequenzen der Verwaltungsreform nicht boykottieren und sich andererseits als junger Bürgermeister einer modernen und aus seiner Sicht zukunftsträchtigen Entwicklung nicht in den Weg stellen wollte. Weshalb er auch aktiv daran beteiligt war, die Vereinbarung über den Zusammenschluss auszuarbeiten, der offiziell zum 31. Dezember 1974 beziehungsweise 1. Januar 1975 vollzogen wurde. Und damit endete auch die sechsjährige Amtszeit Küblers als Schornbacher Bürgermeister, ohne dass wie andernorts – etwa in Oberberken und Haubersbronn – letztlich erfolglos der Klageweg beschritten worden wäre.

50 Jahre Stadtgeschichte liefern eine Vielzahl von Geschichten und Episoden, von denen an dieser Stelle nur noch zwei aus der Oberbürgermeisterzeit von Winfried Kübler erzählt werden sollen. Da ist, was viele vergessen haben oder noch immer nicht glauben wollen, Küblers Einsatz für den Neubau der bis dahin in der Gmünder Straße residierenden Manufaktur. Ein, wie er zugibt, auch taktischer Winkelzug, weil er hoffte, damit die erklärten Gegner eines geplanten Künkelin-Hallen-Neubaus versöhnlich zu stimmen und den Widerstand gegen dieses Projekt zu brechen. Eine Rechnung, die zunächst nicht aufging, zumal es auch in diesem Kampf der Kulturen massive Störfeuer aus dem Gemeinderat gab. Letztendlich aber wurde die neue Halle gebaut, womit auch die Schmach der noch zu Zeiten von Rudolf Bayler im sogenannten Stadthallensee versenkten Planung einer neuen Stadthalle getilgt war.

Kübler scheute keine Auseinandersetzungen

Aber auch sonst hat Winfried Kübler Auseinandersetzungen definitiv nicht gescheut. Als sein Intimfeind Helmut Palmer, dem er schon aus seiner Remshaldener Bürgermeisterzeit in inniger Abneigung verbunden war, eines Tages das Amtszimmer des Schorndorfer Oberbürgermeisters gestürmt hat, weil er sich als Marktbeschicker mal wieder von einem Stadtbüttel schikaniert fühlte, da kam es zu einem legendären Handgemenge zwischen den beiden Kontrahenten, bei dem sich Kübler zunächst im rein körperlichen Zweikampf durchsetzte – und im Nachgang dann auch vor dem Landgericht. Was waren das noch für Zeiten?! Wobei: Die Auseinandersetzungen in und mit den Stadtwerken in der jüngeren Vergangenheit waren auch ein Schauspiel mit Konfliktpotenzial und Unterhaltungswert auf allerhöchstem Niveau.

Vier Oberbürgermeister haben - jeder auf seine Art – in den vergangenen 50 Jahren ihren Beitrag dazu geleistet, dass die Stadt heute so (gut) dasteht, wie sie dasteht:

Rudolf Bayler, der in seiner von 1962 bis 1982 währenden Amtszeit die Kommunalreform mit der teilweise mit erheblichen Widerständen verbundenen Eingliederung der verschiedenen Stadtteile zu bewerkstelligen hatte und in dessen Ägide zum Beispiel der Bau des 1970 eingeweihten Max-Planck-Gymnasiums
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