VfB Stuttgart

Wird Monaco-Franze Präsident beim VfB Stuttgart? Bewerber Volker Zeh aus Urbach unter der Lupe

GF Alvo GmbH, Schorndorf,
Ein Foto aus Volker Zehs Tagen als Metallverarbeitungs-Unternehmer – im Hintergrund: Die Schorndorfer Alvo-Werkshalle im Jahre 2007. © Habermann

Diese Geschichte spielt am Starnberger See und in Kitzbühel, sie duftet nach Motorenöl und Süßgebäck, ist bevölkert von harten Männern auf Kufen und zarten Damen auf High Heels – und in der Hauptrolle: Volker Zeh, 56, aus Urbach. Genialer Unternehmer, sagen manche. Andere finden: Er habe was von Monaco Franze. Wird er der nächste Präsident des VfB Stuttgart?

Pool-Party, oder: Der fehlende Schlangenlederschuh

Diese Pool-Party ist schon viele Jahre her, aber manche, die dabei waren, schwärmen noch heute: Volker Zeh und sein Kompagnon Alain Meyer hielten Hof, in Meyers Villa, Schorndorfer Bestwohnlage. Die beiden Männer hatten die Firma Alvo gegründet, Al wie Alain, Vo wie Volker.

Die Hautevolee der Stadt war erschienen. Die Musik, so erzählt man sich, sei aus einer Stereoanlage gekommen, mit der man „auch die Liederhalle“ hätte beschallen können. Damen stöckelten umher. Eine, die dabei war, seufzt: „Ohne Schlangenlederschuhe“ habe sie sich underdressed gefühlt.

Zeh aber machte Eindruck: ein „hübscher Kerle“ und „charmant“; wie „Monaco Franze“ habe er gewirkt, der Filou aus Helmut Dietls TV-Serie über Münchens Schickeria.

Volker Zeh: Erste Erfolge als Metall-Unternehmer

Als der gelernte Kaufmann Zeh 1990 Alvo gründete, hatte die Metallfirma drei Beschäftigte – Mitte der 2000er arbeiteten an den beiden Standorten Schorndorf und Wachau/Sachsen rund 300 Leute. Zeh erklärte der Sächsischen Zeitung: Dies sei nicht irgendein Metallbetrieb, sondern der „Karl Lagerfeld der Branche“.

Nebenbei mischte Zeh da auch schon in der Sportvermarktung mit. Ende der 90er Jahre hatte er für VfB-Kapitän Zvonimir Soldo Autogrammstunden organisiert, um die Jahrtausendwende managte er den Waiblinger Tourenwagen-Crack Bernd Mayländer, und 2005 übernahm er die Betreuung von Markus Winkelhock, Spross der Waiblinger Rennfahrer-Dynastie.

2007 aber verkaufte Zeh seine Metallfirma, zog an den mythenumrankten Ort, wo die Reichen, Schönen, Berühmten einander auf den Hühneraugen stehen, an den Starnberger See, und schlug dort einen spektakulären Business-Haken ... „Reifen quietschen, Motoren dröhnen, in der Luft liegt der Geruch von Benzin: Das ist die Welt von Motorsport-Manager Volker Zeh. Aber der Geschäftsmann hat nicht nur schnelle Autos und PS im Kopf, sondern auch eine ganz süße Seite“, schrieb 2011 die Boulevardzeitung tz. „Er backt in einer eigenen Firma am Starnberger See Florentiner!“

Volker Zeh, die Florentiner und eine Eilfahrt zu Feinkost Käfer

Zehs Kekse schmecken „unvergleichbar köstlich“ und sind auch noch „glutenfrei“! So steht es zumindest auf der Internetseite seiner Gebäck-Manufaktur Firenzini: „erlesene Zutaten“, „liebevoll von Hand verarbeitet“. Einmal, als Feinkost Käfer dringend Nachschub für die Schickeria brauchte, soll Markus Winkelhock mit einer Ladung Zeh-Florentiner im Auto vom Starnberger See nach München gerast sein.

Und sonst? In Kitzbühel besitzt Volker Zeh einen Matratzen-Handel und ist Präsident des dortigen Eishockeyclubs Die Adler; auf Mallorca, so munkelt es, habe er auch das eine oder andere geschäftliche Eisen im Feuer; ferner widmet er sich als Mitglied des Vereins Atlantik-Brücke der Beziehungspflege zwischen Deutschland und den USA; bahnt als Honorarkonsul der Republik Montenegro Handelskontakte zwischen dem Balkan-Kleinstaat und Baden-Württemberg an; und hat sein Konsulatsbüro in der Mayenner Straße in Waiblingen, wo auch die CDU Rems-Murr residiert. Zeh teilt sich eine Sekretärin mit dem Bundestagsabgeordneten Joachim Pfeiffer.

Holpriger Kampagnenstart: Volker Zeh und seine Facebook-Freunde

Aus diesem Stoff hätte Meisterregisseur Helmut Dietl selig womöglich wirklich eine glänzende Gesellschaftskomödie gemacht. Zehs Werbekampagne im Rennen um den VfB-Präsidentenposten indes ist nicht ganz so glamourös angelaufen: In der Fanszene setzt es bislang vor allem Hohn.

Zum Symbol für die missglückte Charme-Offensive wurde eine Facebookseite. Auf ihr hinterlegt ein „Freundeskreis Volker Zeh“ in hymnischen Worten Huldigungsnoten für den Kandidaten. „Großes Herz“, „erfolgreicher Unternehmer“, „verbindet Menschen“, „wunderbare Eigenschaften“ – es klingt, als vereine Zeh das Beste von Bill Gates und Mahatma Gandhi.

Die Lobpreiser sind prominent: von Zvonimir Soldo bis Kevin Kuranyi, von Markus Winkelhock bis Markus Polinski, dem Wirt vom „Lamm“ in Hebsack. Die Kampagne krankt aber an einem gewaltigen Manko: Es ist unklar, wer dahintersteckt. Auf der Facebookseite nämlich liest man: „Volker Zeh ist nicht für diese Seite und deren Inhalt verantwortlich.“ Gesetzt den Fall, man will das glauben – wer dann? „Wir sind zwei Studenten“, heißt es in einem Post, „die diese Seite unentgeltlich führen“. Ihre Namen wollen sie „in der aktuellen Stimmungslage rund um den VfB“ nicht „erwähnen“. Das mag nun erst recht glauben, wer will.

Volker Zeh, der VfB Stuttgart und der Freundeskreis der Ziege

Jedenfalls, die „zwei Studenten“ kamen phasenweise mit dem Löschen böser Kommentare unter den Zeh-Anpreisungen kaum nach und flehten: „Für die Zukunft bitten wir inständig darum, es bei sachlicher Kritik zu belassen.“ Die Bitte verhallte ungehört – auf Facebook gibt es mittlerweile gar eine Seite namens „Freundeskreis der Ziege“. Sie ist geschmückt mit dem Foto-Konterfei eines wirklich herzigen Knuddeltiers und wirbt mit dem Slogan: „Diese Ziege hat mehr Fans als die Fanpage von Volker Zeh“. Das stimmt. Die Ziege hat 259 Abonnenten, Zeh nur 179.

Wie könnte ein VfB-Präsident Zeh sich die Fans gewogen machen? In Kitzbühel hat er nach Heimsiegen der Eishockey-Adler öfter mal eine Runde Freibier ausgegeben. Dieses Konzept allerdings scheint auf den VfB nicht eins zu eins übertragbar: In den Eissportpark Kapserbrücke passen nur 1700 durstige Kehlen – das Neckarstadion fasst 60 000 Schluckspechte.

Das Präsi-Rennen

Wer wird VfB-Präsident? Wer darf sich am 18. März zur Wahl stellen? Darüber entscheidet der VfB-Vereinsbeirat, ein achtköpfiges Gremium. Volker Zeh hat dort seine Bewerbung abgegeben. Ob er aber auch nominiert wird, ist noch offen.Viele Fans wollen Claus Vogt behalten. Normalerweise würde man denken: Nun gut, Vogt ist ja aktuell der gewählte Präsident, natürlich darf er sich bei der nächsten Mitgliederversammlung zur Wiederwahl stellen, und dann wird er eben entweder bestätigt oder nicht. Beim VfB aber ist nicht viel normal. Der Vereinsbeirat könnte Vogt einfach vorab auf dem kleinen Dienstweg abservieren. Unter demokratietheoretischen Gesichtspunkten ist die Vorstellung, dass eine Achterrunde einen von der Vollversammlung gekürten Präsidenten in die Wüste schickt, zwar der helle Wahnsinn – aber so steht es nun mal in der Satzung.Daneben sucht der Vereinsbeirat derzeit mit einem Headhunter nach einem weiteren, einem dritten Bewerber. Vogt, Zeh, Mister X – wer wird aufgestellt? Momentan ist alles offen. Möglicherweise gibt der Vereinsbeirat seine Entscheidung im Lauf der Woche bekannt.Die Wahl soll am 18. März steigen – sofern die Mitgliederversammlung stattfindet. Claus Vogt und 126 VfB-Fanclubs wollen eine Verschiebung, bis die Datenaffäre aufgeklärt ist.