VfB Stuttgart

4:1-Sieg in Mainz: Der VfB tankt Selbstvertrauen und freut sich auf Bayer Leverkusen

Fußball Bundesliga  FSV Mainz 05 vs. VfB Stuttgart
Mateo Klimowicz erzielte gegen Mainz sein erstes Bundesliga-Tor. © Pressefoto Baumann

Als Sasa Kalajdzic in der 86. Minute mit einem strammen Dropkick das vierte Tor des VfB Stuttgart zum ersten Saisonsieg erzielte und den guten Auftritt beim überforderten FSV Mainz 05 abrundete, fehlte zunächst ein wichtiger Stürmerkollege beim Jubeln. Der ebenfalls enorm starke Silas Wamangituka, der das zwischenzeitliche 1:1 (45.) erzielt hatte, war von seinem Trainer Pellegrino Matarazzo wenige Minuten zuvor unter dem Beifall des gesamten Betreuerteams ausgewechselt worden.

Matarazzo lobt seinen Youngster: „Silas macht gute Schritte“

Der 20-jährige Wamangituka und der nur drei Jahre ältere Kalajdzic, die jeweils noch einen Treffer vorbereiteten, waren am Samstag die maßgeblichen Figuren beim 4:1 (1:1)-Sieg des Aufsteigers. Und dass mit dem eingewechselten Mateo Klimowicz ein ebenfalls 20-Jähriger nach Pass von Wamangituka das 3:1 (74.) erzielte, passte ins Bild. 

Nach zwei Spieltagen hat der VfB bereits 38 Torschüsse und sechs Treffer auf seinem Konto – beides Topwerte im ligaweiten Vergleich. Allein Sasa Kalajdzic schoss in seinen knapp 115 Spielminuten schon achtmal aufs Tor - und war zwei Mal erfolgreich.

Die Jugend-forsch-Strategie von VfB-Sportdirektor Sven Mislintat und Sportvorstand Thomas Hitzlsperger ist am zweiten Spieltag voll aufgegangen - neben dem ersten Saisonsieg beendeten die Stuttgarter damit auch eine 15 Jahre lange Phase ohne Sieg in Mainz. 

Besonders Wamangituka, häufig nur „Silas“ genannt, zeigte sein enormes Potenzial. Neben seinem hohen Tempo wirkte der 2019 für rund acht Millionen Euro von Paris FC geholte Kongolese auch ballsicherer als noch in vielen Spielen der vergangenen Zweitligasaison und stellte die Mainzer vor große Probleme.

Die ZVW-User wählten den pfeilschnellen Angreifer daraufhin zum "Spieler des Spiels". „Silas macht gute Schritte“, erklärte Matarazzo. „Er wird immer sauberer mit seinen ersten Kontakten und seinen Dribblings.“ Und auch bei Kalajdzic dürfte nach seiner schweren Knieverletzung und der langen Pause in der Vorsaison noch Luft nach oben sein.

Mainz wirkte nach dem Spielerstreik verunsichert  

Zudem wirkten die Gäste auch defensiv stabiler als noch beim 2:3 gegen den SC Freiburg zum Saisonauftakt. „Wir wollen junge, hungrige Spieler, die talentiert sind“, sagte Hitzlsperger im Aktuellen Sportstudio des ZDF. „Es hat sich bestätigt in den zwei Spielen gegen Freiburg und jetzt, dass wir ansehnlichen Fußball zeigen, aber auch sehr schnell lernen müssen, worauf es ankommt: gut zu verteidigen und die Chancen, die wir haben, zu nutzen.“

Gingen allen drei Gegentoren gegen Freiburg grobe Fehler des VfB voraus, so war das dieses Mal nur beim Mainzer 1:0 durch Robin Quaison (13.) der Fall. Die gesamte Dreierkette mit Waldemar Anton, Marc Oliver Kempf und Pascal Stenzel schaute nur hilflos zu - fing sich danach jedoch und stand fortan relativ sicher.

Matarazzo, Hitzlsperger und Mislintat werden Mainz jedoch kaum als Gradmesser für die gesamte Saison nehmen. Zu schwach waren die Rheinhessen und zu verunsichert wirkten sie nach der Suspendierung von Stürmer Adam Szalai und dem anschließenden Spielerstreik unter der Woche. Schon am Samstag kommt mit dem Europa-League-Teilnehmer Bayer Leverkusen ein ganz anderes Kaliber ins Stuttgarter Stadion.

„Wenn wir unsere Leistung abrufen, sind wir in der Lage, viele zu ärgern“

Dass der VfB in Mainz jedoch Selbstvertrauen getankt hat, zeigte eine Aussage von Matarazzo, der selbst erst sein zweites Spiel als Cheftrainer in der Bundesliga erlebte und wie Wamangituka, Kalajdzic oder Klimowicz noch reichlich unerfahren im Oberhaus ist. „Wenn wir unsere Leistung abrufen, sind wir in der Lage, viele zu ärgern. Ich freue mich auf Bayer Leverkusen“, sagte der 42-Jährige mit Blick auf den ersten Härtetest der noch jungen Saison.

Gepaart mit dem 22-jährigen Orel Mangala und dem 27-jährigen Wataru Endo im zentralen Mittelfeld sowie den in Mainz ebenfalls gut aufspielenden Routiniers Gonzalo Castro und Daniel Didavi, der nach Vorlage von Kalajdzic zum 2:1 (61.) traf, könnte beim VfB etwas wachsen. „Mit dem Sieg und den drei Punkten sind wir in der Bundesliga angekommen“, sagte Matarazzo. Zurücklegen wird sich am Cannstatter Wasen deshalb niemand. „Wir werden noch Probleme kriegen und müssen da schnell lernen“, betonte Hitzlsperger.

Elf Zahlen zum 2. Spieltag der Fußball-Bundesliga

  • 1 - Joan Simun Edmundsson ist beim 1:0 von Arminia Bielefeld gegen den 1. FC Köln zum ersten Bundesliga-Profi von den Färöern und in der 78. Minute zum ersten Bundesliga-Torschützen des kleinen Landes aufgestiegen.
  • 5 - beim 3:1 auf Schalke erzielte Bremens Niclas Füllkrug zum fünften Mal in seiner Profi-Karriere drei Tore in einem Spiel.
  • 6 - nach sechs Auswärtssiegen nacheinander zum Ende der Vorsaison muss sich der BVB im ersten Gastspiel der neuen Saison überraschend in Augsburg geschlagen geben.
  • 7 - seiner 14 Bundesliga-Tore hat Leverkusens Kerem Demirbay per Weitschuss erzielt.
  • 11 - Gegentore hat Schalke nach zwei Spielen schon kassiert. Das ist noch keinem Team in 58 Jahren Bundesliga passiert.
  • 18 - Spiele in Folge ist Schalke nun ohne Sieg.
  • 73 - Sprints hat Jonas Hofmann von Borussia Mönchengladbach als laufstärkster Spieler der bisherigen Saison absolviert.
  • 84 - Minute benötigte Mateo Klimowicz vom VfB Stuttgart beim 4:1 in Mainz für sein erstes Bundesliga-Tor. Sein Vater Diego Klimowicz hatte erst nach 326 Bundesliga-Minuten getroffen.
  • 142 - so viele Monaten musste Aufsteiger Arminia Bielefeld auf einen Heimsieg in der Fußball-Bundesliga warten. Der letzte datierte vom 21. November 2008 mit 2:1 gegen Bayer Leverkusen.
  • 300 - das 300. Bundesliga-Spiel war für Daniel Caligiuri besonders erfolgreich. Ein Tor legte er beim 2:0-Sieg auf, eines erzielte er selbst. Sechsmal traf der Ex-Schalker insgesamt gegen Dortmund. Gegen keinen Verein erzielte Caligiuri so viele Tore wie gegen die Borussia.
  • 700 - das Tor von Emil Forsberg bei RB Leipzigs 1:1 bei Bayer Leverkusen war das 700. in der noch jungen RB-Vereinsgeschichte.