Baden-Württemberg

Kampf gegen das Coronavirus: Diese drastischen Verschärfungen kommen in Baden-Württemberg schon ab Samstag (12.12.)

Winfried Kretschmann
Winfried Kretschmann, der Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Foto: Marijan Murat/dpa © Marijan Murat

Der Südwesten prescht im Kampf gegen die Corona-Pandemie voran: Weil immer mehr Menschen im Zusammenhang mit dem Virus sterben, gilt im Land ab diesem Samstag eine Ausgangsbeschränkung. "Wir verhängen ab dem 12.12. eine allgemeine Ausgangsbeschränkung für ganz Baden-Württemberg", sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Freitag (11.12.) in Stuttgart.

Ausnahmen könnten etwa die Arbeit oder ein Arztbesuch sein, sagte Kretschmann. Tagsüber sind mehr Kontakte erlaubt als nachts. Nur über Weihnachten - vom 23. bis 27. Dezember - sei der Besuch von privaten Veranstaltungen auch nachts erlaubt, so Kretschmann. Die Maßnahmen sollen vorerst für vier Wochen gelten. Einkaufen in Geschäften sei allerdings weiterhin erlaubt. Nur dann solle man anschließend "schnurstracks" wieder nach Hause gehen und sich nicht länger als nötig im öffentlichen Bereich aufzuhalten. 

Kretschmann geht fest davon aus, dass es nach Weihnachten bis mindestens zum 10. Januar einen bundesweiten Lockdown geben wird. Es gebe nach seiner Wahrnehmung einen Konsens unter den Länder-Regierungschefs.

"Mit dem Virus kann man nicht verhandeln"

Kretschmann begründete die drastischen Maßnahmen mit folgenden Worten: "Wir hatten gehofft, dass wir die zweite Welle mit vergleichsweise milden Maßnahmen brechen können. Doch von dieser Hoffnung müssen wir uns nun verabschieden. Mit dem Virus kann man nicht verhandeln."

Am Sonntag wird eine weitere Konferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der anderen Bundesländer stattfinden. Weitere Maßnahmen wollte Kretschmann nicht verkünden, um dem Bund-Ländertreffen nichts vorweg zu nehmen. Den Kampf gegen das Virus vergleicht Kretschmann mit einem Marathon: "Die letzten Kilometer sind immer die härtesten." Dank des Impfstoffes sei das Licht am Ende des Tunnels aber bereits in Sicht.

Warum werden die Regeln jetzt doch verschärft?

Der bisherige Teil-Lockdown seit November entfaltet nicht die erhoffte Wirkung. "Die Lage ist nicht unter Kontrolle", sagte Innenminister Thomas Strobl (CDU) am Freitag. Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen im Südwesten war zuletzt innerhalb eines Tages um 4208 Fälle auf insgesamt 179.154 Ansteckungen seit Beginn der Pandemie gestiegen. Landesweit lag der Wert für Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen bei 168,8 und damit nochmals höher als an den Vortagen. 

"Wir können als zivilisierte und aufgeklärte Gesellschaft nicht hinnehmen, dass jeden Tag hunderte Menschen an dem Virus sterben", so Ministerpräsident Kretschmann. In Baden-Württemberg lebt inzwischen fast jeder vierte Mensch in Corona-Hotspots mit ausufernden Infektionszahlen - also Regionen mit mehr als 200 Neuinfizierten je 100 000 Einwohner binnen einer Woche. 

"Der Versuch mit dem Lockdown light ist gescheitert", so Strobl. "Deswegen brauchen wir jetzt diese drastischen Maßnahmen." Erst wenn die Zahlen wieder deutlich nach unten gehen, könne man wieder über Lockerungen nachdenken. 

Wie ist die Lage im Rems-Murr-Kreis?

Auch der Rems-Murr-Kreis könnte am Freitag zum Hotspot-Gebiet erklärt werden. Landrat Richard Sigel, Polizei-Vizepräsident Wolfgang Reubold und Sabine Hagenmüller-Gehring vom Staatlichen Schulamt Backnang werden sich um 15 Uhr auf einer Pressekonferenz zum aktuellen Infektionsgeschehen und dem weiteren Vorgehen äußern. Wir berichten in einem Liveticker.