Coronavirus im Rems-Murr-Kreis So sind die aktuellen Fallzahlen - Stand 9. April

 

Rems-Murr-Kreis.
Die Zahl der bestätigten Infektionsfälle mit dem Coronavirus steigt weiter an. Im Rems-Murr-Kreis sind Stand Donnerstag (9. April, 12.20 Uhr) 915 Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus vermeldet worden. Laut Landratsamt konnten 235 Personen mittlerweile wieder aus der Quarantäne entlassen werden. Aktuell sind 19 Todesfälle im Kreis bekannt. Bisher gibt es in Baden-Württemberg laut dem Sozialministerium 21.490 bestätigte Fälle mit positivem Testergebnis und 514 Todesfälle (Stand: 8. April, 16 Uhr). Ungefähr 12.267 Personen konnten nach Angaben des Ministeriums bereits wieder von ihrer Covid-19-Erkrankung genesen. Das sind 9.582 gemeldete Genesene mehr als am Vortag (2.685).

Die hohe Differenz der Zahl der Genesenen erklärt das Sozialministerium mit einer Änderung der Erfassungssystematik: "Das Landesgesundheitsamt veröffentlicht ab sofort den Schätzwert der SARS-CoV-2-Genesenen in Baden-Württemberg auf Grundlage eines heute durch das Robert Koch-Institut in Berlin angepassten Algorithmus. Hierbei werden Fälle ohne Angabe des Erkrankungsbeginns anhand des Meldedatum ebenfalls mit berücksichtigt. Diese Methodik führt zu einer deutlich besseren Abschätzung der tatsächlich Genesenen in Baden-Württemberg."



Was macht eine Kommunalverwaltung, wenn sie von einem neuen Infizierten erfährt? 

Dazu mag beispielhaft das Vorgehen in den Berglen angeführt werden. Bürgermeister Maximilian Friedrich: „Wiederum wurden wir vom Gesundheitsamt darüber unterrichtet, dass eine weitere Person aus Berglen positiv auf das Coronavirus getestet worden ist. Die Person befindet sich als Angehörige(r) einer bereits positiv getesteten Person schon einige Zeit in häuslicher Isolation. Seitens der Gemeindeverwaltung haben wir in Abstimmung mit der Gesundheitsbehörde eine Befragung der betroffenen Person als Ortspolizeibehörde durchgeführt und die häusliche Quarantäne angeordnet. Aufgrund der bereits länger vorliegenden Quarantäne gibt es keine weiteren Kontaktpersonen.“ 

Im Schorndorfer Testzentrum wurden seit seiner Eröffnung bis einschließlich Dienstag, 24. März, insgesamt 1399 Abstriche genommen. Die Abstriche werden an die Synlab Medizinisches Versorgungszentrum Leinfelden-Echterdingen GmbH geschickt. Von dort kommen die Testergebnisse mittlerweile „erst“ nach zwei bis vier Tagen zurück. Die Gesundheitsämter, Ärzte, Krankenhäuser, Testzentren und Labore sind bundesweit an der Belastungsgrenze. Schon deshalb können nur begründete Verdachtsfälle getestet werden.

Warum gibt es überhaupt eine Dunkelziffer an Infizierten? 

Wie landläufig bekannt, ist die Höhe der Dunkelziffer von Infizierten ungewiss – so wie in der restlichen Welt auch. Forscher der Columbia University haben laut dem Fachmagazin „Science“ die Ausbreitung des Coronavirus mit einem Simulationsprogramm nachgespielt, mit Daten aus China. Danach kommen auf jeden nachweislich Infizierten etwa sieben unentdeckte Fälle. Folgte man dieser Simulation, so gäbe es im Rems-Murr-Kreis nicht nur 873 Infizierte (Stand: 08.04.2020, 16 Uhr), sondern eben siebenmal so viele: 6111 Infizierte. Die statistische Erfassung wird aus verschiedenen Gründen erschwert:  

  • Wegen Covid-19-Infizierter, die gar nicht merken, dass sie infiziert sind, weil sie keine Symptome haben. Deshalb tauchen sie in keiner Statistik auf. 
  • Wegen Covid-19-Infizierter, die schwache grippale Symptome haben, aber nicht getestet werden, und „nur“ vorsorglich zwei Wochen zu Hause bleiben, aber so auch nicht in die Infizierten-Statistik mitaufgenommen werden. 
  • Sehr wahrscheinlich gibt es sogar Einzelfälle von mit Covid-19 Infizierten, deren Mundabstrichtest negativ ausfällt. Deshalb sollten auch negativ Getestete, die Symptome haben und begründete Verdachtsfälle sind, vorsorglich in häuslicher Quarantäne bleiben. 

Warum werden keine Zahlen von Genesenen veröffentlicht? 

Das Kreis-Gesundheitsamt veröffentlicht Zahlen von Infizierten, die aus der Quarantäne entlassen wurden und damit wohl als „genesen“ gelten können: Es sind insgesamt 235. (Stand: 08.04.2020, 16 Uhr)

Als "Genese" werden diese Personen jedoch bewusst nicht bezeichnet. Nicht zuletzt weil das Robert-Koch-Institut (RKI) immer wieder seine Definition ändert, wer als „genesen“ gelten kann und nicht mehr ansteckend ist: Laut Theorie in der Regel nach mindestens zwei Wochen Quarantäne plus mindestens zwei Tage ohne jegliche Symptome. In der Realität kann es aber auch schon mal mehrere Wochen dauern, bis jemand als „Genesener“ bezeichnet werden kann, so eine Sprecherin des Landratsamtes Rems-Murr.


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