Meinung

Kommentar zum Bundesliga-Neustart: Warum das DFL-Konzept zum Scheitern verurteilt ist

Fußball Corona Symbolbild
Symbolbild. © Pixabay/Capri23auto

Endlich wieder Fußball! Am Samstag (16.05.) wird der Ball nach knapp zwei Monaten Corona-Zwangspause wieder rollen. Aber die Vorfreude auf den Restart der 1. und 2. Liga hält sich im ach so fußballverrückten Deutschland in Grenzen. Die Akzeptanz des Profifußballs in der Gesellschaft ist bei weitem nicht so groß, wie mancher Funktionär in seiner Blase dachte. So sprachen sich jüngst 46 Prozent der Befragten in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov gegen eine Saison-Fortsetzung mit Geisterspielen aus. Lediglich 34 Prozent waren dafür.

Manchem VfB-Fan graut es sogar schon vor dem Gedanken an das kommende Auswärtsspiel der Stuttgarter gegen den SV Wehen Wiesbaden. Vor leeren Rängen in der Brita-Arena. Ohne Emotionen, dafür mit Masken, Abstandsregeln, desinfizierten Bällen und voraussichtlich Rumpel-Fußball vom Feinsten. Schließlich waren die Spiele im Unterhaus schon vor der Liga-Unterbrechung nur selten etwas für Fußball-Feinschmecker. Aue gegen Sandhausen, Regensburg gegen Kiel, St. Pauli gegen Nürnberg - es droht ein böses Gekicke vor einer gruseligen Kulisse. Oder wie der Spiegel unlängst treffend kommentierte: „Das ist die exekutierte Freudlosigkeit, das ist die Antithese zu einem Fußballspiel, wie es sein sollte.“

Die jüngsten Corona-Fälle bei der SG Dynamo Dresden haben zudem noch einmal knallhart offengelegt, auf welchen extrem wackeligen Beinen das Konzept der DFL steht. Während 35 Proficlubs den Trainingsbetrieb fortsetzen dürfen, müssen die Profis des Zweitliga-Letzten nicht nur zwei Wochen pausieren, sondern dürfen in dieser Zeit nicht einmal das Haus verlassen. Nach der Quarantäne hat Dynamo dann nicht nur einen erheblichen Rückstand, sondern auch noch zwei Spiele nachzuholen. Folgen weitere Fälle einer solchen zweiwöchigen Team-Quarantäne, wird sich unweigerlich die Frage stellen: Welchen sportlichen Wert hat so ein Wettbewerb überhaupt noch? Ganz zu schweigen von fairen Wettbewerbsbedingungen.

Die DFL bewegt sich auf dünnem Eis - und zwar mit heißen Socken. Wie viele positive Corona-Tests kann dieses Konstrukt verkraften? Schließlich soll die Saison bis Ende Juni zu Ende gespielt sein. „Von den 81 Spielen sind nur zwei betroffen. Klar ist, es gibt sicherlich eine Größe, dann ist das irgendwann nicht mehr machbar“, räumte DFL-Boss Christian Seifert am Samstagabend im Sportstudio ein. Eine konkrete Zahl nannte er nicht. Dass sich jetzt trotz der hohen Sicherheits- und Hygienevorkehrungen schon wieder zwei Profis infiziert haben, zeigt einmal mehr, dass das weltweit beachtete DFL-Konzept zum Scheitern verurteilt ist. Die Frage scheint längst nicht mehr zu sein, ob die Saison doch noch abgebrochen werden muss - sondern lediglich, wann auch der deutsche Profifußball vom Coronavirus in die Knie gezwungen wird.