Meinung

Kommentar zur Vertragsverlängerung mit VfB-Coach Matarazzo: Wertlose Worthülsen endlich mit Leben füllen

Fußball  2.Bundesliga Holstein Kiel vs. VfB Stuttgart
Genießt das volle Vetrauen seiner Chefs: Stuttgarts Trainer Pellegrino Matarazzo. © Pressefoto Baumann

Als VfB-Reporter lernt man schnell die immer gleichen Vokabeln aus dem Baukasten für Neuverpflichtungen oder Vertragsverlängerungen beim VfB Stuttgart: Kontinuität, Entwicklung, Vertrauen. Garniert mit einigen Floskeln - „gemeinsam einiges bewegen“ (Verpflichtung Tim Walter, Mai 2019), „mit großer Motivation auf die künftigen Aufgaben schauen“ (Vertragsverlängerung Tayfun Korkut, Januar 2018), „der Wunsch nach Kontinuität auf dieser so wichtigen Position“ (Vertragsverlängerung Hannes Wolf, Juli 2017) – und fertig ist die Meldung.

Am Mittwoch (27.05.) wurde jetzt mit den üblichen Belobigungen und Versprechungen das Arbeitspapier des aktuellen Cheftrainers Pellegrino Matarazzo vorzeitig bis 2022 verlängert. „Mit der seit mehreren Wochen geplanten Vertragsverlängerung möchten wir deutlich zum Ausdruck bringen, dass wir Kontinuität leben wollen“, sagt Vorstandschef Thomas Hitzlsperger. Sportdirektor Sven Mislintat ergänzt: „Seit seiner Ankunft im Januar denkt, lebt, arbeitet Rino Fußball, identifiziert sich mit seiner Aufgabe und dem VfB in einer Art und Weise, dass es für uns nur logisch und konsequent ist, unabhängig von kurzfristigen Resultaten die kommenden Jahre mit ihm zu arbeiten.“

Nur was sind diese Aussagen wert? Wie der Blick in die jüngere VfB-Historie zeigt offensichtlich nicht all zu viel. 17 Trainer seit der letzten Meisterschaft 2007 sprechen eine deutliche Sprache. Die große Aufgabe für die Führungsriege des VfB Stuttgart muss jetzt endlich einmal sein, die wertlosen Worthülsen aus den Pressemitteilungen im rauen Liga-Alltag mit Leben zu füllen. Widerständen trotzen und als Einheit auftreten. Was für die Mannschaft auf dem Rasen gilt, sollte ebenso auch vom Führungsteam vorgelebt werden. Mislintat und Hitzlsperger stehen genauso in der Pflicht wie die Mannschaft auf dem Platz.

Das immer gleiche Gerede von Kontinuität und Entwicklung ist wert- und nutzlos, wenn die handelnde Personen am Cannstatter Wasen sich nicht an ihre eigenen Aussagen halten und Trainer weiter im Halbjahres-Rhythmus ihren Spind bzw. Schreibtisch an der Mercedesstraße räumen müssen. Der aktuelle Vertrauensbeweis für Matarazzo ist aber auch ein klares Signal an die zuletzt enttäuschende Mannschaft: Der Trainer genießt das volle Vertrauen seiner Chefs, das Team muss jetzt liefern. Am Donnerstagabend im Spitzenspiel gegen den HSV können Gomez und Co. zeigen, ob sie diese Botschaft verstanden haben.