Alfdorf

Funkloch Sandland: Bürger wehren sich mit allen Mitteln

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Der vergangene Mai-Scherz im Hellershof hat nun ernsthafte Auswirkungen. © privat

Kaisersbach/Alfdorf.
Die Diskussionen um die Festnetztelefonie, das Handynetz sowie das Internet im Sandland gehen weiter. Auch in der Gemeinderatsitzung am Donnerstagabend in Kaisersbach ging es bei den Bürgerfragen eine halbe Stunde lang nur um das Thema „Telekom – wie können wir schnellstens Notrufe absetzen, telefonieren und Mails bearbeiten?“ Es hat sich eine Gemeinschaft von Bürgern zusammengefunden, die nun auch einen Brief an Landrat Dr. Richard Sigel verfasst hat, in dem um Hilfe gebeten wird. Die Antwort folgte umgehend.

Auch die Deutsche Telekom AG nimmt weiter Stellung, wäre bereit, mit ihren Möglichkeiten zu helfen. Für die Menschen, die unterschiedliche Probleme mit dem Festnetz, Handy oder Internet haben, muss in den nächsten Tagen eine Lösung gefunden werden. Es darf nicht erst ein Notfall eintreten, ehe gehandelt wird.

Deutsche Telekom AG verweist auf Zusammenarbeit mit Kommunen

„Wir haben am Donnerstag, 30. Januar, einen Servicetechniker nach Schillinghof gesendet, der unsere Technik überprüft hat und auch Kundenanschlüsse durchgemessen hat. Alles läuft einwandfrei. In den vergangenen Monaten hat kein Telekom-Kunde ein Störungsticket wegen Leitungsabbrüchen aufgegeben“, äußert sich Sprecherin Katja Werz von der Deutschen Telekom AG und ergänzt: „Zur Beschwerde der Metzgerei Ziesel folgende Information: Wir hatten Herrn Ziesel angeboten, auf einen modernen Satellitenanschluss zu wechseln. Er hat dieses Angebot abgelehnt und sich für einen anderen Anbieter entschieden. Störungstickets über die mangelnde Stabilität der Richtfunkanbindung sind an seinen jetzigen Anbieter zu richten. Dies gilt ebenso für alle anderen Kunden, die diesen Anbieter gewählt haben.“

Die IP-Umstellung erfolgt auf der vor Ort vorhandenen Infrastruktur. Das sind derzeit Kupferkabel. Die physikalische Dämpfung auf dem Kupferkabel nimmt über größere Entfernungen zu und bremst die Datenübertragung aus. „Deshalb können wir aus technischen Gründen einer sehr geringen Anzahl von Kunden nach dem Wechsel auf die IP-Plattform nicht mehr dieselbe Leistung anbieten, wie auf der alten ISDN-Plattform. Dies trifft insbesondere für Anschlüsse zu, die weit außerhalb von Ortschaften liegen und mehrere Kilometer vom nächsten Verteilerkasten entfernt sind. Das alte ISDN-Netz ist nicht mehr zeitgemäß und lässt sich technisch nicht mehr weiterentwickeln. Es wird zudem immer schwieriger, Ersatzteile zu beschaffen. Ein sicherer Betrieb ist in der Zukunft nicht mehr möglich“, heißt es im Statement der Telekom.

Auch für die übrigen Ortsteile im Sandland gelte: „Die IP-Umstellung für Privatkunden ist abgeschlossen. Alle Kunden wurden frühzeitig über die anstehende Umstellung informiert. Über die Gemeinde bestand beziehungsweise besteht die Möglichkeit, sich bei Experten zum Thema IP-Umstellung im Kundenservice zu alternativen Anschlussmöglichkeiten beraten zu lassen, wenn es bei weit außerhalb gelegenen Anschlüssen zu einer Verringerung der Bandbreite durch den Plattformwechsel kommt.“

"Nach Berichten von ZVW, Bild und RTL bewegt sich etwas im Sandland"

Die Telekom investiere in den Ausbau des schnellen Internet wie kein anderer Anbieter in Deutschland. Für den bundesweiten Ausbau mit einem Gesamtinvest rund fünf Milliarden Euro pro Jahr. Von Seiten der Telekom heißt es: „Dennoch können wir nicht überall gleichzeitig ausbauen. Um den Ausbau zu beschleunigen, schließen wir Kooperationen mit anderen Anbietern, mit Gemeinden und Landkreisen. In diesem Jahr sollen 80 000 Haushalte und Gewerbetreibende eine Anschlussmöglichkeit erhalten. Aktuell prüft die Region den Vorschlag der Telekom für den Ausbau in den nächsten zwei Jahren. Sie kann gemeinsam mit den Zweckverbänden der Landkreise die Interessen der Kommunen einbringen.“

Welzheims Stadtrat Philip Köngeter meint: „Nach Berichten von ZVW, Bild und RTL bewegt sich etwas im Sandland. Die Deutsche Telekom will die Gegend weiterhin mit LTE versorgen und hat wohl bereits einen Standort für einen Mast gefunden. Jedoch darf diese einzelne LTE-Antenne einen Breitbandausbau nicht noch weiter in die Länge ziehen. Dem Ausbau mit Glasfaser muss eine höhere Priorität eingeräumt werden. Der Grundpfeiler jeder Infrastruktur, auch des Mobilfunks, ist schließlich die Außenanbindung selbst. Eine Richtfunkstrecke soll den LTE-Mast vorerst an die Außenwelt anbinden, das ist kein Lichtblick für ein Glasfasernetz. Wird es in diesem Zug möglich sein, Hybrid-Telekom-Verträge abzuschließen, also solche, die sich auch ins Mobilfunknetz verbinden? Dafür muss die Antenne ausreichend stark versorgt sein. Eine Frage, die noch offen ist. Bürgern, die Verträge bei anderen Anbietern haben, ist damit aber noch immer nicht geholfen. Sie werden auch weiterhin, oder zumindest bis zum Vertragsende, ohne Netz dastehen. Hier gilt die Prüfung eines Sonderkündigungsrechtes, sollte die Telekom wirklich angemessen ausbauen.“

Bürger bitten Landrat Dr. Richard Sigel um Hilfe für das Sandland

In einem Brief an Landrat Dr. Richard Sigel haben sich auch die betroffenen Bürger nun gewehrt, unterschrieben von Marco Lindauer: „Sehr geehrter Landrat Herr Dr. Sigel, sicherlich haben Sie unsere Problematik mit der Festnetzverbindung mitbekommen. Die Deutsche Telekom AG hat auf die Berichterstattungen reagiert und erklärt auf Anfrage des Zeitungsverlags Waiblingen in einem Statement, alle Kunden wurden im Anschlussbereich im vergangenen Jahr auf einen IP-Anschluss umgestellt beziehungsweise haben sich zu einem Anbieterwechsel entschlossen. Diese Aussage ist zwar richtig, doch nicht vollständig und somit falsch. Die Telekom hat uns zwar informiert und uns die Wahl gelassen, auf Voice over IP zu wechseln oder den analogen Anschluss der Telekom zu wählen. Jedoch muss auch erwähnt werden, dass die Telekom keine ausreichenden Kupferleitungen für die Versorgung über die analoge Technik hat und dass die Telekom auch kein Netz für Voice over IP bei uns anbietet. Unser Internet beziehen wir von einem Privatanbieter. Wir mussten zu diesem Anbieter, welcher über Richtfunk unser Sandland versorgt, wechseln. Wir benötigen Ihre Unterstützung, Herr Dr. Sigel, und hoffen auf Ihre Hilfe.“

Landrat des Rems-Murr-Kreises sichert Unterstützung zu

Dem Landkreis ist das Thema Infrastruktur in Sachen Telefonie und Internet sehr wichtig. „Das Thema wird bei uns im Haus mit höchster Priorität bearbeitet und der Zweckverband Breitbandausbau, der zu diesem Zweck gegründet wurde, nimmt zunehmend Fahrt auf. Insofern können Sie sich meiner Unterstützung sicher sein. Ich gehe davon aus, dass sich bei den aktuell laufenden Vergabefahren manches in die von uns angestrebte Richtung bewegen wird“, antwortete Dr. Richard Sigel und ergänzte: „Ich werde mich aber als Landrat weiterhin für eine flächendeckende Versorgung der Haushalte, öffentlichen Einrichtungen und Unternehmen im Rems-Murr-Kreis mit leistungsfähigen Telekommunikationsdiensten und schnellem Internet einsetzten. Der Breitbandausbau hat für mich oberste Priorität. Deshalb habe ich mich von Beginn an dafür stark gemacht, dass sich der Rems-Murr-Kreis bei der Gigabit Region Stuttgart GmbH beteiligt und mit dem Zweckverband Breitbandausbau Rems-Murr die richtigen Weichen stellt.“

Durch den Zweckverband Breitbandausbau Rems-Murr und die Gigabit Region Stuttgart konnte man beispielsweise auch in enger Abstimmung mit der Gemeinde Kaisersbach erreichen, dass die Telekom dort vor kurzem ein Angebot abgegeben habe, das die Situation auch im Sandland deutlich verbessern würde.

„Unmittelbar nach Abschluss des derzeit laufenden Vergabeverfahrens wird unser Zweckverband Breitbandausbau die Gemeinde Kaisersbach im weiteren Verfahrensablauf unterstützen und dabei alle uns zur Beschleunigung des Ausbaus mit Glasfaserleitungen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen. Damit würde sich die Situation im Sandland dauerhaft und nachhaltig verbessern.“

Den Ausbau der Mobilfunkversorgung habe er ebenfalls im Blick, sehe es aber losgelöst vom Breitbandausbau. Der geplante flächendeckende Ausbau mit 5 G soll daher auch Gegenstand der Kreistagsklausur im März sein. „In der Klausur werden wir mit dem Kreistag über strategische Zielsetzungen diskutieren“, so Dr. Sigel.

Kaisersbach/Alfdorf.
Die Diskussionen um die Festnetztelefonie, das Handynetz sowie das Internet im Sandland gehen weiter. Auch in der Gemeinderatsitzung am Donnerstagabend in Kaisersbach ging es bei den Bürgerfragen eine halbe Stunde lang nur um das Thema „Telekom – wie können wir schnellstens Notrufe absetzen, telefonieren und Mails bearbeiten?“ Es hat sich eine Gemeinschaft von Bürgern zusammengefunden, die nun auch einen Brief an Landrat Dr.

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