Alfdorf

Naturschutzdenkmal "Halde" in Alfdorf: Was passiert mit den Eschen und den seltenen Tierarten?

Naturdenkmal Halde
Sind die Eschen im Gebiet des Naturdenkmals „Halde“ in Alfdorf krank und müssen sie gefällt werden? Was passiert mit den zahlreichen seltenen Tierarten? © Hinderberger

Eigentlich ist es nicht ungewöhnlich, dass kranke Bäume gefällt werden. So sollten auch bis Ende Februar 2021 die zahlreichen Eschen, die vom Eschentriebsterben befallen sind, in Alfdorf in der „Halde“ gefällt werden.

„Dagegen ist nichts einzuwenden, wenn es sich um ein paar wenige Eschen handelt. Aber wenn im Hang des Naturdenkmals Halde in Alfdorf, unterhalb des Schlosses, alle Eschen wegkommen, dann sind zahlreiche seltene Tierarten, die unter Naturschutz stehen, gefährdet“, sagt der Alfdorfer Josef Müller, der aktiv beim Naturschutzbund in Schwäbisch Gmünd mitwirkt. Und die Frage sei erlaubt, ob die Eschen in diesem Gebiet überhaupt krank sind. „Dies muss genau geprüft werden“, fordert Müller.

Naturschutzbund bittet um eine reine Einzelbaumentnahme

Jede Menge Fledermäuse leben in den Höhlen des Naturdenkmals „Halde“. Einmalig in Alfdorf ist auch der Kleinspecht, der hier lebt, und wenn man einen guten Tag erwischt, „kann man sogar alle sechs Spechtarten hier beobachten“, so Josef Müller. Daher schaut Müller genau hin, wenn die Einzelbaumentnahme beginnt.

„Es darf aber nicht der komplette Hang abgeholzt werden, denn sonst würde der Lebensraum zahlreicher Tierarten zerstört“, erklärt Josef Müller. Unter anderem leben in diesem Gebiet Turmfalken, Klein- und Mittelspechte, Meisen und Kleiber, Feuersalamander, Blindschleichen und Fledermäuse. „Die Fledermäuse sollten während des Winterschlafs nicht gestört werden“, so Müller.

Ein paar Hauseigentümer, deren Häuser oberhalb des Naturdenkmals „Halde“ stehen, hätten wohl gerne eine freiere Sicht, statt nur auf die Eschen zu schauen. Andere Anwohner sind dagegen, dass Bäume gefällt werden. Daher hofft Josef Müller, dass diese Baumfällungen nicht dazu dienen, hier nur eine bessere Sicht zu ermöglichen für den Menschen, sondern dass nur die Eschen gefällt werden, die auch krank sind. Denn neben den zahlreichen Tieren gibt es hier auch ein großes Vorkommen des Hohlen Lerchensporns (seltene Pflanzenart), der vor allem hohe Bäume benötigt.

Die Gemeinde Alfdorf hat bei der zuständigen Naturschutzbehörde des Landratsamts eine Ausnahmegenehmigung für den Eingriff im Naturdenkmal beantragt, die laut Landratsamt auch genehmigt wurde, so dass die Fällungen unter Aufsicht des Forstamts stattfinden können. Ein paar Alfdorfer sind jedoch skeptisch und schauen mit Josef Müller genau hin, was bis Ende Februar 2021 passiert. Nachdem nun das Umweltamt auch eingeschaltet wurde, wird aber vor Herbst 2021 nichts passieren.

Erst wenn alle Vorwürfe entkräftet sind, geht es im Herbst 2021 los

Revierleiter Gert Pfeiffer vom Forstrevier Alfdorf erklärt: „Nachdem auch das Umweltamt von Anwohnern eingeschaltet wurde, die einen Kahlschlag befürchten, werden nun alle Anfragen zunächst geprüft. Es wird daher erst im Herbst zu der Einzelbaumentnahme kommen, und zwar auch nur auf Anforderung der Grundstückseigentümer und nur, wenn keine offizielle Behörde etwas dagegen einzuwenden hat. Es wird keinen Kahlschlag geben, sondern lediglich die Bäume sollen entnommen werden, die zur Sicherung der Verkehrslage dienen.“ Alfdorfs Bürgermeister Ronald Krötz bestätigt: „Die vorgesehene Einzelbaumentnahme bis Ende Februar wird nicht erfolgen, sondern erst im Herbst, wenn alle Vorwürfe entkräftet sind.“ So steht zum Beispiel noch der Vorwurf im Raum, dass in diesem Naturdenkmal ein Abwasserkanal im Jahr 2019 trotz Umweltbeschwerden verlegt wurde. Eine offizielle Antwort hierzu konnte die Welzheimer Zeitung auf Nachfrage beim Revierleiter nicht bekommen.

„Um das Risiko zu minimieren, dass sich Spaziergänger, Fahrradfahrer oder Pkw-Fahrer unter einem herunterfallenden Baum wiederfinden müssen, ist es wichtig, die Bäume in Hanglagen zu prüfen und wenn nötig auch zu entfernen. Ich betone es aber noch einmal, es sollte bei Einzelbaumentnahmen bleiben, es darf aus Sicht des Naturschutzbundes nicht der komplette Hang abgeholzt werden“, so Müller.

Dieser Forderung pflichten die Gemeinde Alfdorf und der Revierleiter bei: „Es muss niemand Angst haben, dass der ganze Hang abgeholzt wird“, erklärt Gert Pfeiffer.

Laut der Pressesprecherin des Landratsamts Rems-Murr, Martina Keck, werden die Bäume, die gefällt werden sollen, in den nächsten Wochen markiert, „dann kann der zuständige Revierleiter bei Fragen auch Antworten geben“.

Eigentlich ist es nicht ungewöhnlich, dass kranke Bäume gefällt werden. So sollten auch bis Ende Februar 2021 die zahlreichen Eschen, die vom Eschentriebsterben befallen sind, in Alfdorf in der „Halde“ gefällt werden.

„Dagegen ist nichts einzuwenden, wenn es sich um ein paar wenige Eschen handelt. Aber wenn im Hang des Naturdenkmals Halde in Alfdorf, unterhalb des Schlosses, alle Eschen wegkommen, dann sind zahlreiche seltene Tierarten, die unter Naturschutz stehen, gefährdet“, sagt

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