Fellbach

Kappelbergtunnel sorgt für Kontroversen

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Morgen für Morgen das gleiche Bild: Stau vor dem Kappelbergtunnel. © Leonie Kuhn

Fellbach. Der Kappelbergtunnel ist zu eng – oder andersrum: Auf der B14 sind zu viele Fahrzeuge unterwegs. Ein Grund für den Morgenstau ist die zu kurze Auffahrt in Fellbach-Süd direkt vor dem Tunnel. Nicht nur die Verlegung der Auffahrt und eine Verlängerung des Beschleunigungsstreifens werden unter unseren Lesern kontrovers diskutiert.

Favorit bei unserer Umfrage ist eindeutig die langfristige und teure Lösung. Nämlich der Bau einer dritten Tunnelröhre. 40 Prozent der Teilnehmer plädierten für diese dritte Röhre, da sie den Pendlern auch abends Entlastung verspricht. Je ein Viertel sprachen sich für eine Sperrung der Einfahrt Fellbach-Süd aus. Weil sich morgens von dort viele Autos auf die B 14 einfädeln, gerät der Verkehr ins Stocken. Ebenfalls ein Viertel ist für die von den Verkehrsingenieuren favorisierte Lösung, nämlich eine Verlegung der Einfahrt und Verlängerung der Beschleunigungsspur.

Neuer Fahrstreifen verhindert Stau und spart Nerven

„Ich denke nicht, dass die Verlegung viel bringen wird“, schrieb „Sinko“ aus Welzheim auf zvw.de. Der Verkehr würde sich vermutlich anderweitig stauen. Grund für die Staus sei zu viel Verkehr, weshalb für beide Richtungen ein neuer Fahrstreifen nötig ist. „Die B29 verbindet Stuttgart bis Aalen, klar, dass die überfüllt ist. Die neuen Fahrstreifen würden Unfälle verhindern, Stau und somit spart man sich viel Sprit, Nerven und vor allem schonen wir die Luft unserer Stadt Stuttgart.“

Einfache Lösung: Temporäre Freigabe des Seitenstreifens

Ingo Sombrutzki meint: „Eine temporäre Freigabe des Seitenstreifens während der Rushhour zwischen Fellbach-Süd und Untertürkheim beziehungsweise zwischen Untertürkheim und Fellbach-Süd in der Feierabendzeit bei gleichzeitiger Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80 km/h – das würde das Problem einfach lösen und wäre schnell umsetzbar! Auf verschiedenen Autobahnen wird dies mit entsprechenden Leuchttafeln bereits erfolgreich praktiziert.“

Überlastung der Strecke durch Stadtplaner provoziert

„Nord“ meinte: „Ich kann es auch kaum glauben. Da muss man teuer bezahlte „Verkehrsexperten“ zurate ziehen. Das ist so lächerlich. Und die haben jetzt in zehn Monaten die Daten ausgewertet und supertolle Lösungsvorschläge erarbeitet? Lächerlich. Und zu der Überlastung der Strecke: Das ist ja wohl von den Stuttgarter Stadtplanern provoziert worden durch den Rückbau der alten B 14 durch Cannstatt.“

Für Tempo 80 gibt es keine Vorgaben

„Ist das das Ei des Kolumbus?“, fragt sich Herfried Winmann bei einer Verlegung der Einfahrt. „Möglicherweise, aber die Staus werden sich nun an das südliche Tunnelportal verlagern, wenn es von 100 auf 80 km/h an der Gemarkungsgrenze runtergeht. Seit da 80 gilt, scheppert es in diesem Bereich öfters. Aber gewollt ist ja gewollt, obwohl es für die 80 weder rechtliche noch sonstige Vorgaben gab. Höchstens finanzielle und politische Grün(d)e.“

Digitale Temporegelung als Stauverursacher

Kai Berger vermutet einen Grund für die Staus in der digitalen Temporegelung. „Du fährst Tempo 100 wie angezeigt (egal aus welcher Richtung). Ein paar hundert Meter weiter, bei gleicher Verkehrslage, kommt Tempo 80, im Tunnel dann ab und zu Tempo 60 und auf halber Strecke wieder Tempo 100. Schaltet den Mist ab, stellt die Strecke fest auf Tempo 80 um und schon wird das alles flüssiger.“

Einfädelspur in den Tunnel verlängern

Kein Verständnis haben einige Leser dafür, dass die Einfädelspur nicht bis in den Tunnel verlängert werden kann, wie es in dem Verkehrsgutachten hieß und in Variante 2 erörtert, aber verworfen wurde. „Dann müsste der Heslacher Tunnel sofort geschlossen werden“, schreibt Heinz Kienzle. „Dort werden auch zwei Fahrstreifen im Tunnel miteinander verflochten“ Und ein Leser ergänzte: „Das ist richtig, im Engelbergtunnel gibt es auch Verflechtungsfahrstreifen, ebenso im Tunnel Allach im Verlauf der A 99 bei München. Weitere Beispiele gefällig? Rheinufertunnel Düsseldorf oder der Michaelstunnel in Baden-Baden.“

Tempo 50 auf der gesamten Strecke

„Teri“ meint: „Tempo 50 wäre sicherlich auch eine Möglichkeit. Ist immerhin leichter, auf einem zu kurz geratenen Beschleunigungsstreifen auf 50 km/h zu beschleunigen als auf Tempo 80+. Zudem fahren die Menschen lieber mit Tempo 50 als Stop&Go auf vier Kilometer Strecke. In den Zeiten, in denen nicht viel Verkehr herrscht, kann man ja wieder schneller fahren lassen. Auf die Idee sind die schlauen Köpfe im Ministerium wohl nicht gekommen.“

Genervte Fahrer sind schuld am Stau

Tunnelfahrer ärgert sich: „Was hilft eine längere Einfädelspur, wenn die Betonköpfe, die auf der B 14 - seit fünf Kilometer im Stau und berechtigterweise genervt - einen nicht einfädeln lassen?“ Das erlebe er jeden Morgen. Er sieht in der Verlegung der Einfahrt und der Ampel jedenfalls „keine praktikable Lösung“.

Sinnlose Straßenplanung

Daniel schrieb: „Echt jetzt? Dafür braucht es ein Gutachten? Unglaublich, für was alles Geld ausgegeben wird. Man hätte auch einfach die Autofahrer fragen können und hätte höchstwahrscheinlich die gleiche Antwort erhalten. Ich freu mich ja auf den Nordostring in wenigen Jahren. Dann wird die jetzt schon überlastete Straße noch ein bisschen mehr gestresst. Juhu! Straßenplanung, wie sie Sinn macht.“

Zu viel Individualverkehr

Gerhard Brenner schrieb auf Facebook: „Es ist einfach zu viel Individualverkehr. Wozu beauftrage ich ein Planungsbüro, das das nicht sieht? Man stelle sich vor, in jedem Auto säßen zwei statt heute einem: Halb so viele Autos, und schon fließt es wieder. Oder der öffentliche Nahverkehr wäre so ausgebaut, dass auch hartnäckige Staufahrer erkennen, was sie sich antun, und umsteigen. 20 Jahre hat das jetzt einigermaßen gehalten, bis wieder (und wir wissen das!) bewiesen wurde, dass mehr Straßen mehr Verkehr bewirken. Machen wir trotzdem so weiter? Lernen wir nie dazu?“

Öffentliche sind keine Lösung

„So, und jetzt stellen sie sich mal 1000 bis 1500 Fahrgäste mehr pro S-Bahn vor“, antwortete Martin Jungbauer: „Mal ganz davon abgesehen, dass der Aus- und Einstiegsvorgang noch länger dauert und zu noch mehr Verspätungen führt, wo soll denn die Masse an Fahrgästen hin. Zur Hauptverkehrszeit platzen die Bahnen doch heute bereits aus allen Nähten. Den Takt zu erhöhen geht wohl auch nicht, denn das Nadelöhr Hauptbahnhof hält das nicht aus.“

„Nicht optimal“

Der FDP-Landtagsabgeordnete Jochen Haußmann, der das Thema Kappelbergtunnel mit seiner kleinen Anfrage auf die politische Tagesordnung gebracht hat, sieht sich durch das Verkehrsgutachten bestätigt. Die Verkehrsführung sei für Stauprobleme mitverantwortlich, immerhin sei aber eine Besserung möglich. Er werde sich für eine möglichst rasche Umsetzung einsetzen, so Haußmann. Die bessere Lösung sei aber noch nicht die optimale Lösung: „Sie ändert nichts daran, dass der Tunnel in Spitzenzeiten mehr Fahrzeuge aufnehmen muss, als er mit einer Kapazität von 4000 Fahrzeugen pro Stunde kann.“ Sprich: „Ohne Stau wird es auch nach einem Umbau nicht gehen, da bräuchte es wohl einen Ausbau des Tunnels.“