Kaisersbach

Kaisersbacher Bürgermeisterin Katja Müller verliert ihr Kernteam: Nach Matthias Klocke verlässt auch Sebastian Bauer die Gemeinde

Müller
Katja Müller. © Privat

Hauptamtsleiter Sebastian Bauer verlässt die Gemeinde Kaisersbach und wechselt vom Welzheimer Wald auf den Schurwald nach Baltmannsweiler. „Das ist ein Verlust für die Gemeindeverwaltung“, so Bürgermeisterin Katja Müller über den Weggang. „Herr Bauer hat bei uns sehr gute Arbeit geleistet und die Gemeindeverwaltung mit seinem Fachwissen verstärkt.“

Der Bereich Personalwesen und Organisation sowie die Kinderbetreuung wurden von ihm in den letzten beiden Jahren weiterentwickelt. „Im Ordnungswesen und speziell während der Corona-Pandemie hat er hervorragende Arbeit geleistet und wird uns fehlen. Aber er kann nun beruflich den nächsten Schritt gehen“, hat Müller Verständnis für die berufliche Weiterentwicklung des 24-Jährigen. Bauer wechselt zum 1. Februar 2021.

Katja Müller verliert einen „fachlich sehr versierten Mitarbeiter“

Nach dem Weggang von Kämmerer Matthias Klocke, der nun Bürgermeister in Untermünkheim ist, verlässt nun der nächste wichtige Mann die Bürgermeisterin in Kaisersbach. Warum? Katja Müller sagt: „Ich bedauere seinen Weggang, denn die Gemeinde Kaisersbach verliert dadurch einen fachlich sehr versierten Mitarbeiter, kann aber den Wunsch zur beruflichen Weiterentwicklung und die damit verbundenen Perspektiven nachvollziehen.“

Bis zur Neubesetzung der Stelle müsse die Aufgabenerledigung im Hauptamt durch die Beschäftigten der Verwaltung aufgefangen werden. Aber warum wird nicht schon jetzt ein Nachfolger gesucht, der dann ab 1. Februar übernehmen kann? War man mit der Arbeit von Sebastian Bauer doch nicht zufrieden? Oder war es anders herum, dass sich Sebastian Bauer nicht genug wertgeschätzt fühlte und nun als stellvertretender Hauptamtsleiter in Baltmannsweiler eine neue Perspektive sucht?

Wird die Stelle des Hauptamtsleiters in Kaisersbach gestrichen?

Sebastian Bauer sagt: „Die Gemeinde Kaisersbach hat mir die Möglichkeit gegeben, als Hochschulabsolvent ins Berufsleben einzusteigen und in einem großen Verantwortungsbereich zu arbeiten und Erfahrungen zu sammeln. Für dieses Vertrauen und diese Möglichkeit bin ich der Gemeinde Kaisersbach sehr dankbar. Nach knapp zwei Jahren habe ich mich nun dazu entschlossen, mich beruflich zu verändern und den nächsten Schritt zu tätigen.“ Aber ist der Schritt vom Chef eines Hauptamts zum Stellvertreter wirklich eine berufliche neue Herausforderung? Oder geht es nicht eher darum, dass Sebastian Bauer nicht mit Katja Müller zusammenarbeiten konnte oder nun nicht mehr wollte?

Dazu erklärt Sebastian Bauer: „Die Stelle der Hauptamtsleitung in Kaisersbach war zum damaligen Zeitpunkt eine neu geschaffenen Stelle und die allgemeine Erwartungshaltung zur Aufgabenerledigung und Entlastung ist hoch. Die Änderung der Verwaltungsabläufe und die Integration dieser zusätzlichen Stelle sowie die klare Abgrenzung der Zuständigkeiten war für alle Beteiligten eine große Herausforderung. Es ist meines Erachtens völlig normal, dass es eine Findungsphase und einige Zeit für die Umstellung benötigt und die Prozesse nicht immer reibungslos funktionierten.“ Weiter erklärt Bauer: „Meine Entscheidung, die Gemeinde Kaisersbach zu verlassen, steht dabei nicht in Zusammenhang mit den Vorwürfen der Aufgabendelegation. Ich habe mich in Kaisersbach immer sehr wohlgefühlt und die Zusammenarbeit sehr geschätzt. Vor allem in diesem schwierigen und turbulenten Jahr war der Zusammenhalt in der Gemeindeverwaltung sehr groß. Ich wünsche Kaisersbach auch weiterhin alles Gute und für die anstehenden Aufgaben und Projekte viel Erfolg.“

Bauer: „Es bieten sich vielfältigere Aufstiegsmöglichkeiten“

Aber was reizt nun Sebastian Bauer, nach Baltmannsweiler zu gehen und stellvertretender Hauptamtsleiter zu werden? „Die Gemeinde Baltmannsweiler ist eine sehr attraktive Kommune mit spannenden Projekten und Herausforderungen. So freue ich mich bereits auf die Arbeit in einem neuen, modernen Rathaus und die Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Einrichtungen und Vereinen. Durch meine Tätigkeit als stellvertretender Hauptamtsleiter habe ich die Möglichkeit, die Entwicklung der Gemeinde aktiv mitzugestalten und in einem komprimierteren Aufgabengebiet meine Stärken und Erfahrungen miteinzubringen. Auch bieten sich vielfältigere Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten als in Kaisersbach.“

Heißt also unterm Strich, die Chance, sich in Baltmannsweiler weiterzuentwickeln ist für Bauer größer als in Kaisersbach, so dass zunächst der Rückschritt ins zweite Glied sich am Ende für Bauer beruflich als positiver Fortschritt entwickeln kann. Auch der ehemalige Kämmerer Matthias Klocke hatte öffentlich nie schlecht über das Verhältnis zur Bürgermeisterin gesprochen, aber ein Beigeschmack bleibt, wenn nach so kurzer Zeit der Kämmerer und der Hauptamtsleiter aus freien Stücken Kaisersbach verlassen. Da Baltmannsweiler rund doppelt so viele Einwohner hat wie Kaisersbach, ist die neue Chance für Bauer auch nachvollziehbar. Schade ist es nur für Kaisersbach, dass zwei junge Talente andere Wege gehen.

Kommentar:

Was macht Katja Müller falsch?

Von Jörg Hinderberger

Es wäre sicher unfair, die Schuld alleine der Kaisersbacher Bürgermeisterin Katja Müller dafür zu geben, dass mit Matthias Klocke und Sebastian Bauer zwei junge, motivierte Fachkräfte die Gemeinde Kaisersbach auf eigenen Wunsch verlassen. Es wäre aber auch falsch, der Bürgermeisterin nicht eine Mitschuld anzulasten. Denn sie schaffte es nicht, ihr junges Team im Gemeinderat zu schützen, als es Feuer gab. Und sie schaffte es auch nicht, die Aufgaben so zu delegieren, dass sich vor allem Sebastian Bauer in seiner Arbeit wertgeschätzt fühlte. Und damit ist nicht Bauchpinselei gemeint, sondern wer keine Aufgaben bekommt, um sich beweisen zu können, der fühlt sich nicht gebraucht und sucht sich einen anderen Weg. Auch die Gemeinderäte hatten immer wieder betont, dass Katja Müller bei der Fülle an Arbeit und ihren hohen Stapeln im Büro Aufgaben an den Hauptamtsleiter abgeben soll. Der Gemeinderat wurde nicht erhört. Bauer geht nun nach Baltmannsweiler. Auch Kämmerer Matthias Klocke hat Kaisersbach aus freien Stücken verlassen, er sah jedoch in dem Amt als Bürgermeister in Untermünkheim seine große berufliche Chance, die er nun lebt. Auch Klocke und Müller hatten zwar nach außen immer den Anschein gewahrt, dass alles innerhalb der Verwaltung gut laufe. Bei genauerer Betrachtung wurde auch hier in den Gemeinderatssitzungen und Gesprächen klar, dass man nur selten an einem Strang zog. In einer vergleichsweise kleinen Kommune wie Kaisersbach sollte es nicht so schwer sein, ein junges Team zu motivieren. Katja Müller muss sich zumindest ankreiden lassen, dass sie es nicht erreichte, ein Team so zu formen, dass es ihr den Rücken stärkt und zumindest nach außen für eine gute Zusammenarbeit steht. Im Herbst nächsten Jahres steht die Bürgermeisterwahl an, hoffentlich steht Katja Müller bis dahin nicht alleine da.

Hauptamtsleiter Sebastian Bauer verlässt die Gemeinde Kaisersbach und wechselt vom Welzheimer Wald auf den Schurwald nach Baltmannsweiler. „Das ist ein Verlust für die Gemeindeverwaltung“, so Bürgermeisterin Katja Müller über den Weggang. „Herr Bauer hat bei uns sehr gute Arbeit geleistet und die Gemeindeverwaltung mit seinem Fachwissen verstärkt.“

Der Bereich Personalwesen und Organisation sowie die Kinderbetreuung wurden von ihm in den letzten beiden Jahren weiterentwickelt. „Im

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