Kaisersbach

Streit um Schimpansen im Schwabenpark: Peta kritisiert Tierhaltung zu Unrecht

Schimpansen 2
Auch im Winter wollen die Schimpansen im Schwabenpark lieber an die frische Luft im Außengehege. © Privat

„Schimpansenhaltung weiterhin mangelhaft“, titel Peta auf ihrer eigenen Homepage. Warum beschuldigt die Tierrechtsorganisation die Verantwortlichen des Schwabenparks in Kaisersbach für die ihrer Meinung nach nicht artgerechte Haltung der Schimpansen im Jahr 2022?

Angriff von Peta auf die Verantwortlichen des Schwabenparks: Rufschädigung?

Shows mit den Schimpansen gibt es seit sechs Jahren nicht mehr, „obwohl wir es aus rechtlichen Gründen noch viel länger hätten durchführen dürfen“, so Geschäftsführer Thomas Hudelmaier. Ein klares Ziel der Peta ist nicht zu erkennen für die Beschuldigungen, aber dafür ist die Antwort des Veterinäramtes des Landratsamtes des Rems-Murr-Kreises eindeutig: „Die Haltung der Schimpansen wird insgesamt als tierschutzkonform bewertet.“

Am 8. September veröffentlichte Peta unter anderem folgende Textpassagen auf ihrer eigenen Internetseite, und man informierte die Presse und Öffentlichkeit über weitere Kanäle: „Im baden-württembergischen Schwabenpark fanden viele Jahre lang Schimpansenshows statt, bei denen die Tiere, in menschliche Kleidung gezwängt, vor Publikum erniedrigende und artwidrige Dressurtricks aufführen mussten.

Zwar hat der Freizeitpark in Kaisersbach die Shows 2017 aufgrund des Engagements von Peta, anderer Organisationen und einiger Politiker eingestellt, doch noch immer müssen die ehemaligen Showstars – derzeit 21 eingesperrte Schimpansen – dort unter mangelhaften Bedingungen in Gefangenschaft ausharren. Wir von Peta Deutschland kritisieren die Verantwortlichen des Schwabenparks und auch die Veterinärbehörde des Rems-Murr-Kreises dafür, dass offizielle Haltungsvorgaben auch nach Jahren der Kritik teils noch immer deutlich unterschritten werden.“

Weiter heißt es seitens der Peta: „Wir haben durch ein Auskunftsersuchen nach dem Landesinformationsfreiheitsgesetz Informationen zu den derzeitigen Haltungsbedingungen bekommen. Demnach werden die Menschenaffen noch immer in Gehegen gehalten, deren Innenbereiche deutlich – um 70 bis 75 Prozent – unterhalb der behördlichen Mindestanforderungen liegen, die im sogenannten Säugetiergutachten des Bundeslandwirtschaftsministeriums festgelegt sind.

Zum Vergleich: In den derzeitigen Innengehegen leben auf 64 bis 74 Quadratmetern jeweils sechs bis neun Menschenaffen. Das Säugetiergutachten sieht hier mit mindestens 240 bis 300 Quadratmetern etwa das Vierfache an Platz vor. Zwar sei der freie Zugang zu den Außengehegen möglich – allerdings können sich Schimpansen gerade im Winter oft nur drinnen aufhalten, da sie Frost und Kälte der hiesigen Witterungsverhältnisse nicht vertragen. Daher gibt das Säugetiergutachten auch nicht die Option, dass ein größeres Außengehege ein kleineres Innengehege kompensiert. Entscheiden Sie sich bewusst gegen Besuche in Zoos und anderen Freizeiteinrichtungen wie dem Schwabenpark, die Tiere wie Schimpansen in artwidriger Haltung zur Schau stellen.“

Thomas Hudelmaier überlegte, aufgrund von Rufschädigung und Falschaussagen einen Anwalt einzuschalten, doch er erstatte keine Anzeige, da er als tierlieber Mensch grundsätzlich die Arbeit von Tierrechtsorganisationen gut findet, solange eben Wahrheiten aufgedeckt werden und nicht wie bei „uns im Schwabenpark Behauptungen aufgestellt werden, die nicht stimmen“, so Thomas Hudelmaier, der sich seit Jahren auch finanziell für den Erhalt von Schimpansen in freier Wildbahn engagiert.

Thomas und André Hudelmaier kümmern sich täglich um die Schimpansen

„Wir haben die Information vom Landratsamt erhalten, dass Peta einen Auskunftsersuch erteilt hat. Die ursprüngliche Anfrage war, ob unsere Schimpansen Psychopharmaka erhalten. Der Bericht liegt uns vor und dort ist ersichtlich, dass unsere Schimpansen kerngesund sind und keine Medikamente zur Behandlung psychischer Erkrankungen eingesetzt werden“, erklärt Schwabenparkchef Thomas Hudelmaier. „Unsere Schimpansen sind so gesund, dass sie seit sieben Jahren nicht einmal Hustensaft oder ähnliche Medikamente benötigen. Natürlich haben sie mal eine Schramme, die sie sich beim Spielen und Toben zuziehen, das passiert auch uns Menschen“, erklärt Juniorchef André Hudelmaier.

Von ursprünglich 47 Schimpansen leben aktuell 21 Schimpansen im Schwabenpark und haben eine ganzjährig nutzbare Fläche. „Das Freigehege ist doppelt so groß als empfohlen. Entgegen den Aussagen, dass Schimpansen den Winter in dieser Region nicht vertragen, kennen und lieben Schimpansen den Winter inklusive Schnee. Gerade die Möglichkeit, das ganze Jahr die Außenanlage zu nutzen, macht unsere Tiere so fit. Unsere Schimpansen werden von ausgebildeten Pflegern betreut, erhalten die beste medizinische Versorgung. Wir haben durch Absperrungen und Spuckschutzwände zusätzlich in Corona-Zeiten geschützt. Selbst minus zehn Grad macht den Schimpansen nichts aus“, berichtet Thomas Hudelmaier im Gespräch mit dem Zeitungsverlag Waiblingen.

Der Schwabenpark hat vor 50 Jahren als Tierpark eröffnet, seit Jahren wird der Tierbestand reduziert. „Heute leben nur noch Schimpansen, Ziegen, Alpakas und Papageien bei uns. Die Ziegenböcke sind kastriert, unsere Schimpansen-Damen bekommen ein Verhütungsmittel, nach dem Ableben unseres Tigers wurde kein neues Tier  angeschafft, sondern wir haben das Gelände zu einem Café umgebaut. Wir haben 2017 alleine das Ende der Schimpansen-Show entschieden, auch die Papageienshow gibt es seit 2018 nicht mehr. Und es kommen noch immer tagtäglich Nachfragen, wann und wo unsere Schimpansen- und Papageienshows stattfinden“, so André Hudelmaier, der betont: „Wir haben alleine entschieden, die Schimpansen-Shows abzusetzen, nicht auf Druck von außen.“

Das Veterinäramt des Rems-Murr-Kreises klärt die Gesundheitslage auf

Derzeit leben 21 Schimpansen in drei Gruppen im Park. 14 männliche und sieben weibliche Tiere, das Jüngste ist elf, das älteste 55 Jahre alt. Es besteht Zuchtstopp und alle gebärfähigen weiblichen Schimpansen sind mit einem Hormonimplantat versehen. Die Show wurde 2017 eingestellt. Im März 2019 gingen zwölf Tiere in den Zoo von Sidney. 2018 und 2019 ist je ein Schimpanse verstorben. Zwei Tiere gingen 2020 in den Zoo Landau. Der Tierbestand wird durch einen Fachtierarzt für Zootiere betreut. So die Faktenlage. Und Schwabenpark-Chef André Hudelmaier sagt: „Wir haben auch Schimpansen aus privater Haltung aufgenommen, die jahrelang leiden mussten und nun bei uns ein schönes Leben haben.“

Das Veterinäramt berichtet in seinen Ausführungen auf ZVW-Nachfrage: „Die Schimpansen leben in drei stabilen sozialen Gruppen. Alle Schimpansen haben Tag und Nacht und das ganze Jahr Zugang zu den jeweiligen Außen- und Innengehegen.“

Gruppe 1: Sechs Schimpansen (2:4) leben in einem Außengehege (512 qm), das mit drei Innengehegen (73 qm) verbunden ist.

Gruppe 2: Neun Schimpansen, (alle männlich), leben im zweiten Außengehege (728 qm) mit zwei Innengehegen (74 qm).

Gruppe 3: Sechs Schimpansen (3:3) leben im dritten Außengehege (420 qm) ebenfalls mit zwei Innengehegen (64 qm).

Die sozialen Bindungen in den Gruppen der Schimpansen sind harmonisch

Die Sozialstruktur innerhalb der drei Gruppen sei ausgeglichen und die Tiere befinden sich laut dem Veterinäramt des Rems-Murr-Kreises in sehr guter Kondition. Die Vorgaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) zur Schimpansenhaltung wurden zudem insoweit umgesetzt, dass der Tierbestand stark verringert wurde. In der Begründung des Veterinäramtes heißt es außerdem:„Eine Abgabe von Tieren kann aus Tierschutzgründen nur in den gewachsenen Gruppen (sechs bis neun Tiere) erfolgen. Hierfür ist es sehr schwierig, Aufnahmestellen zu finden.

Heute sind es noch 21 Schimpansen (2012 lebten 47 Schimpansen auf der gleichen Fläche). Die Vorgaben bezüglich der Innenflächen werden formal nicht erreicht. Die Außenbereiche übertreffen die Vorgaben jedoch mehrfach. Die zur Verfügung stehenden Gehegeflächen für alle Schimpansen in ihren Gruppen erfüllen in der Gesamtbewertung die BMEL-Mindestanforderungen ausreichend, wenn man berücksichtigt, dass die Tiere zu jeder Zeit freien Zugang zu den Außengehegen haben und dort ganzjährig gefüttert werden. Die sozialen Bindungen innerhalb der Gruppen sind stark und harmonisch. Die Haltung wird insgesamt als tierschutzkonform bewertet.“

„Schimpansenhaltung weiterhin mangelhaft“, titel Peta auf ihrer eigenen Homepage. Warum beschuldigt die Tierrechtsorganisation die Verantwortlichen des Schwabenparks in Kaisersbach für die ihrer Meinung nach nicht artgerechte Haltung der Schimpansen im Jahr 2022?

Angriff von Peta auf die Verantwortlichen des Schwabenparks: Rufschädigung?

Shows mit den Schimpansen gibt es seit sechs Jahren nicht mehr, „obwohl wir es aus rechtlichen Gründen noch viel länger hätten durchführen

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper