Kernen

Ex-Gastronom Rolf Schlegel vom "Ochsen" ist neuer Gemeinderat in Kernen

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Drei Lehren und über 40 Jahre Gastronomie-Erfahrung: Rolf Schlegel ist neuer Gemeinderat in Kernen. © ZVW/Gaby Schneider

Rolf Schlegel ist gelernter Metzger, Koch und Hotelkaufmann, seit kurzem ist er aber vor allem eines: das neue Mitglied im Gemeinderat Kernen. Schlegel gehört dort der CDU-Fraktion an, ist aber kein Parteimitglied. Bereits im Ruhestand, möchte sich der 71-Jährige nach drei Lehren und etwa 40 Jahren in der Gastronomie „mal wieder mehr einbringen“. Seine erste Gemeinderatssitzung hat der „Neuling“, als den er sich selbst bezeichnet, bereits im Mai gemeistert.

„Du bist zu alt, Papa“, habe ihm seine Tochter gesagt, nachdem er sich 2019 das erste Mal zur Wahl in den Gemeinderat hatte aufstellen lassen. Rolf Schlegel schmunzelt: Damals, im Alter von 69 Jahren, hat es nicht gereicht, zwei Jahre später hingegen schon. Schlegel ist für den ausgeschiedenen Rat Volker Borck nachgerückt. Bei welchen Themen er künftig politische Akzente setzen will, lässt Schlegel noch offen.

1951 in Stuttgart geboren, wuchs Rolf Schlegel in Stetten auf und übernahm im Jahr 1978 zusammen mit seinem Bruder das familienbetriebene Gasthaus „Zum Ochsen“, zu dem auch ein Hotel gehört.

In dessen Frühstücksraum sitzt er nun und genießt seinen morgendlichen Kaffee, der Geruch erfüllt den gesamten Raum. Von seinen Großeltern im Jahr 1905 gegründet, wurde das Geschäft von Generation zu Generation weitergereicht.

Das Gasthaus, die dazugehörige Metzgerei sowie „der Ochse“, so nennt er das Restaurant liebevoll, gehören ihm zwar nicht mehr, doch seine Erinnerungen an die Zeit als Gastronom bedeuten ihm viel. „Wer so lange in der Gastronomie arbeitet, der lernt viel über die Menschen“, sagt Schlegel.

Über die Arbeit als Gastronom hat der Gemeinderat ein Netzwerk aufgebaut

Vor allem aber lernte er auch viele Menschen kennen. Ein großes Netzwerk habe er sich aufgebaut, was als Mitglied im Gemeinderat bestimmt vorteilhaft ist. „Ich habe viele Menschen kennengelernt, aus dem Ort, aber auch darüber hinaus. Uli Hoeneß hat hier bereits gespeist oder Jogi Löw.“

Im „Ochsen“ steckte die Leidenschaft von Rolf Schlegel, und wenn er in den Erinnerungen schwelgt, steht ihm die Freude ins Gesicht geschrieben. „Damals hat man nie gesagt ‘Wir gehen jetzt in den Ochsen’, nein, man sagte ‘Wir gehen zu Schlegels’“, erzählt der ehemalige Gastronom.

„Es stand immer einer von uns an der Türe und hat die Gäste begrüßt.“ An einen Moment erinnert er sich am liebsten zurück: „Die Kinder der Familien wussten, dass Schokolade am Ausgang liegt, und blieben so lange stehen, bis jemand kam und ihnen welche gab, bevor sie mit ihren Eltern nach Hause gingen.“ Ob Fußball-Akteure oder Familien mit Kindern, im „Ochsen“ stand für jeden etwas auf der Speisekarte.

„Ich kann mit einer Zwei-Klassen-Gesellschaft wenig anfangen“

„50 Mitarbeiter hatten wir damals“, erinnert sich der neue Gemeinderat. 18 Jahre lang trug das Restaurant „Zum Ochsen“ sogar einen Michelin-Stern. Doch mit 180 Plätzen, die die Gastronomie laut Rolf Schlegel damals besaß, sei die Erhaltung des Sterns viel Arbeit gewesen.

„Irgendwann mussten wir uns entscheiden, ob wir nur einen kleinen Teil als Gourmet laufen lassen oder den Stern aufgeben.“ Doch eine Auslagerung der Gourmet-Abteilung sei für den Gemeinderat keine Option gewesen. „Ich kann mit einer Zwei-Klassen-Gesellschaft wenig anfangen.“

20 Jahre lang hat Rolf Schlegel selbst als Koch gearbeitet, danach hat er das Geschäft gemanagt. Sein Motto: Einfach, aber gut. „Vor allem in der Küche können einfache Dinge so gut sein“, sagt der Gemeinderat. Für ein Lieblingsgericht kann er sich nicht entscheiden. „Es kommt immer darauf an, wie es gemacht wird.“

Nun wäre es an der Zeit, das Geschäft abzugeben, doch der Familienbetrieb nimmt zumindest in der Familie Schlegel sein Ende. Der Gemeinderat ist verheiratet und Vater zweier Kinder, Marc und Cinja. Keiner der beiden wollte den Betrieb jedoch fortführen. Seine Tochter lebt mittlerweile in München, sein Sohn arbeitet als Filmregisseur in Wien. Rolf Schlegel ist stolz auf die beiden und macht nicht den Eindruck, als würde es ihn stören, dass keiner das Geschäft übernimmt. Den „Ochsen“ hat die Familie verkauft.

Obwohl er zugibt, dass er bei der Karriere seines Sohnes zunächst verunsichert war: „Wenn dein Kind dir sagt ‘Ich gehe nach Berlin, ich will zum Film’, dann bist du erst einmal skeptisch.“ Dass dieser nicht in der Gastronomie arbeiten würde, sei ihm jedoch schon immer klar gewesen.

Glücklich erinnert er sich auch an gemeinsame Ausflüge zurück, die die Familie früher unternommen hat. Zwar habe er in seiner Freizeit auch gerne auf dem Tennisplatz gestanden, doch neben der Arbeit sei wenig Zeit übrig geblieben. Häufig kam er erst gegen 23 Uhr wieder nach Hause.

Die freien Tage habe er stets mit seinen Kindern verbracht. Schmunzelnd sagt er: „Gehen Sie mal an einem Regentag nach Rust, Sie werden sehen, Sie können jede Achterbahn fahren.“ Einfach, aber gut.

Rolf Schlegel ist gelernter Metzger, Koch und Hotelkaufmann, seit kurzem ist er aber vor allem eines: das neue Mitglied im Gemeinderat Kernen. Schlegel gehört dort der CDU-Fraktion an, ist aber kein Parteimitglied. Bereits im Ruhestand, möchte sich der 71-Jährige nach drei Lehren und etwa 40 Jahren in der Gastronomie „mal wieder mehr einbringen“. Seine erste Gemeinderatssitzung hat der „Neuling“, als den er sich selbst bezeichnet, bereits im Mai gemeistert.

„Du bist zu alt, Papa“,

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