Korb

Ehrenamtliche aus dem Remstal helfen bei Waldbrand: Wie man Feuer mit Feuer bekämpft

Waldbrand Brandenburg
Feuer mit Feuer bekämpfen: Ein sogenanntes Vorfeuer wird gelegt, um dem Brand das Brandgut zu nehmen. © Benno Graze

Bei der Bekämpfung der verheerenden Waldbrände in Brandenburg haben auch zwei junge Männer aus dem Remstal geholfen: Am vergangenen Sonntag und Montag waren der Korber Benno Graze (27) und Tim Heunisch (20) aus Weinstadt im Nordosten Deutschlands. Die Brände waren am Sonntag in Beelitz und Treuenbrietzen im Landkreis Potsdam-Mittelmark ausgebrochen. „Der größere der beiden Brände in Beelitz hatte ein Ausmaß von rund 200 Hektar“, sagt Benno Graze. Die Ursache für beide Brände sei bisher unklar, doch das heiße Wetter habe dazu beigetragen, dass das Feuer schnell größer geworden war.

Die Katastrophenschutz-Organisation @fire unterstützte die Kräfte vor Ort

Benno Graze und Tim Heunisch sind ehrenamtlich bei der gemeinnützigen Katastrophenschutz-Organisation @fire aktiv, die auf die Bereiche Trümmer-Rettung bei Erdbeben und Vegetationsbrand-Bekämpfung weltweit spezialisiert ist. Beide sind auch Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Hauptberuflich arbeitet der Korber als Software-Entwickler. Sein Kollege Tim Heunisch ist angehender Student.

Nachdem der Kreisbrandmeister des Landkreises Potsdam-Mittelmark bei der Alarm-Hotline Hilfe angefordert hatte, „unterstützte @fire mit über 40 Einsatzkräften, mehreren Fahrzeugen und einem Helikopter“ vor Ort, heißt es in der Mitteilung der Organisation.

„Nach dem Eingang der Anfrage wurden die Mitglieder alarmiert und eine Personalabfrage gestartet“, erzählt Benno Graze. Graze und Heunisch, die dem Team Baden-Württemberg angehören, machten sich noch am Sonntag auf den Weg nach Brandenburg. Während der Weinstädter in der Beratung der Feuerwehr in Treuenbrietzen eingesetzt wurde, ging es für den Korber nach Beelitz in die Brandbekämpfung.

Ungewöhnlich: Zur Bekämpfung des Brandes wurde ein weiteres Feuer gelegt

„Das größere der beiden Feuer war einem Geflügelhof in kurzer Zeit gefährlich nahe gekommen“, sagt Graze. Der 27-Jährige erzählt, dass der Brand nur knapp 200 Meter vom Hof entfernt gewesen sei. „Hätte er den Hof erwischt, dann hätte er sich auf das dahinterliegende Wohngebiet ausgebreitet.“ Eigentlich hatten die Einsatzkräfte versucht, Brandgut in der Nähe des Hofes zu entfernen, um eine Ausbreitung zu stoppen. Da diese Methode nicht direkt Erfolg hatte, beschlossen die Leiter von @fire den Einsatz eines ungewöhnlichen Vorgehens: Sie legten ein weiteres, kontrolliertes Feuer, um die Ausbreitung des Brandes zu verhindern. Diese Methode wurde laut Benno Graze nur wenige Male in Deutschland angewendet und darf nur von erfahrenen, geschulten Leitern und in Absprache mit der Einsatzleitung vor Ort angeordnet werden.

Beim sogenannten Vorfeuer werde eine Schneise in den Wald geschlagen, so Graze. Um dem ursprünglichen Feuer den Brennstoff zu nehmen, werde ein kontrolliertes Feuer gelegt, das dem Brand entgegenlaufe. Der Einsatz dieser Taktik verlief in diesem Fall erfolgreich. Besonders in Australien und den USA würde mit dieser Methode gearbeitet, so Graze. Ob bereits bei der Feuerwehr tätig oder nicht: Die Mitglieder absolvieren bei @fire eine Ausbildung, in der sie Grundlagen der Vegetationsbrand-Bekämpfung und Trümmer-Rettung erlernen. In der Trümmer-Rettung ist @fire Mitglied der International Search and Rescue Advisory Group, die internationale Rettungsteams koordiniert.

„Außerdem können wir eine Ausbildung zum WFF Specialist machen“, sagt Benno Graze, der sie selbst absolviert hat. Diese sei an amerikanische Standards geknüpft und befähige die Ehrenamtlichen für den weltweiten Einsatz.

„Das System der Amerikaner wird fast überall verwendet“, so Graze. Die Taktiken und Grundsätze, die die Ausbildung vermittelt, können damit weltweit zum Einsatz kommen. So auch die Vorfeuer-Methode. Das erleichtere auch die Absprache im Team, wenn dieses aus Einsatzkräften verschiedener Nationen bestehe.

Generell sei @fire darauf spezialisiert, mit „so wenig Wasser wie möglich“ zu löschen, sagt Tim Heunisch. Wenig Wasser in der Brandbekämpfung zu nutzen, mag erst einmal unüblich klingen. „Unser Vorteil ist, dass wir kleine Geräte verwenden.“ Dadurch, dass die Ehrenamtlichen nicht mit großen Löschfahrzeugen arbeiten, können sie ergänzend zur Löscharbeit tiefer in den Wald vordringen. Mit kleineren Werkzeugen werde dann vor allem mit Taktiken gearbeitet, die dem Feuer Brennstoff entziehen, erklären die beiden Ehrenamtlichen. Das kann auch durch das Entfernen von Sträuchern geschehen.

Pro Jahr seien sie auf etwa zwei bis drei Einsätzen, jüngst bei der Überschwemmung im Ahrtal. Für ihre Einsätze müssen sie Sonderurlaub nehmen. „Das ist alles Freizeit“, sagt Benno Graze.

Bei der Bekämpfung der verheerenden Waldbrände in Brandenburg haben auch zwei junge Männer aus dem Remstal geholfen: Am vergangenen Sonntag und Montag waren der Korber Benno Graze (27) und Tim Heunisch (20) aus Weinstadt im Nordosten Deutschlands. Die Brände waren am Sonntag in Beelitz und Treuenbrietzen im Landkreis Potsdam-Mittelmark ausgebrochen. „Der größere der beiden Brände in Beelitz hatte ein Ausmaß von rund 200 Hektar“, sagt Benno Graze. Die Ursache für beide Brände sei bisher

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