Schorndorf

Diskussion über warmes Wasser auf Toiletten in Schulen und Kitas in Zeiten von Corona

Haende waschen
Symbolfoto © Klaus Eppele - Fotolia

Lange waren alte sanitäre Anlagen in Schulen und Kitas vor allem das Problem von Kindern und Jugendlichen. Mit der Angst vor der Ausbreitung des Coronavirus beschäftigen sich nun auch andere mit dem Zustand. Unter anderem hat sich der CDU-Stadtverband Gedanken gemacht und in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Mathias Klopfer gefordert, in allen Schulen und Kitas brauche es warmes Wasser zum Händewaschen. Doch ob es das wirklich braucht, ist umstritten.


Formuliert hat den offenen Brief Matthias Härer, der stellvertretende Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes. „Warmes Wasser ist einfach die bessere Lösung“, sagt er. Er ist davon überzeugt, dass Kinder und Jugendliche sich mit warmem Wasser bereitwilliger die Hände waschen als mit kaltem. „Das ist eine Akzeptanzfrage“, sagt Härer. Die Coronakrise habe ihm gezeigt, dass die Prioritäten neu gesetzt und die Sanierungen vorgezogen werden müssten. Im offenen Brief der CDU heißt es unter anderem: „Die unmittelbar eingeleiteten und in der Umsetzung befindlichen Hygienemaßnahmen reichen langfristig nicht aus.“ Die CDU fordert die Stadt dazu auf, bis spätestens zu Beginn des neuen Kindergarten- und Schuljahres in allen Schorndorfer Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen ausreichend Warmwasseranschlüsse zu installieren.

Stadtverwaltung sieht keinen Handlungsbedarf

Anders als im CDU-Stadtverband wird die Situation in der Stadtverwaltung bewertet. Klaus Konz, Fachbereichsleiter Gebäudemanagement, erklärt, dass viele WC-Anlagen in den Schulen durchaus einige Jahre auf dem Buckel hätten und tatsächlich renovierungsbedürftig seien. Doch auch wenn die Anlagen alt sind, so gebe es in Sachen Hygiene kein Problem. Kaltes Wasser und Seife reichten aus, um die problematischen Viren abzutöten, erklärt Konz. Selbst bei neuen Anlagen installiere man heute gar nicht unbedingt Warmwasseranschlüsse, unter anderem aus Energiespargründen.

Warmwasser ist kein Standard

Laut dem Gebäudereinigungsmeister der Stadt, José-Maria Soto-Suarez, gibt es fast nur kaltes Wasser in den verschiedenen Schulen. Die Reinhold-Maier-Schule, die Gottlieb-Daimler-Realschule, das Max-Planck-Gymnasium und selbst das neue Burg-Gymnasium haben kein warmes Wasser auf den Schulklos. Ausschließlich in den Ausweichcontainern der Schulen gebe es welches, dort sei es standardmäßig eingerichtet, erklärt Soto-Suarez. Unabhängig vom warmen Wasser betont er, wie sehr er und seine Kollegen sich derzeit um die Hygiene vor Ort kümmern. Neben der normalen täglichen Reinigung finde derzeit eine zusätzliche Überprüfung statt, etwa für den Fall, dass ein Seifenspender zwischenzeitlich leer werde.

Isabelle Kübler, kommissarische Fachbereichsleiterin Schulen und Vereine, erklärt, die sanitären Anlagen seien geprüft worden. Das Gesundheitsamt Rems- Murr habe nichts zu beanstanden gehabt. Eine Frage, die sich im Vorfeld des ersten Schulbesuchs auch gestellt habe, sei neben dem Warmwasser gewesen, ob auch Handtrockengeräte anstelle von Papierhandtüchern ausreichend seien. Auch hier hätten Experten die bestehenden Geräte für ausreichend befunden.

Oberbürgermeister Mathias Klopfer will sich nicht äußern

Oberbürgermeister Mathias Klopfer, der in dem offenen Brief der CDU direkt angesprochen wird, teilt über seine persönliche Referentin Claudia Ingelmann mit, dass er sich zu der Thematik nicht äußern möchte.

Für die CDU-Fraktion erklärte sich Hermann Beutel, der Fraktionsvorsitzende. Von der Verwaltung will er sich zum Thema im Gemeinderat einen Bericht geben lassen. „Mit aller Gewalt“ etwas durchsetzen wolle er aber nicht, schließlich sei es auch eine finanzielle Frage.

Virologe Alexander Kekulé über das Thema

Gegenüber Spiegel Online erklärte kürzlich Alexander Kekulé, Virologe an der Uni Halle-Wittenberg, dass grundsätzlich kaltes Wasser und Seife für das vollständige Waschen ausreichend seien, zumindest aus medizinischer Sicht. Doch auch der Professor sieht das Motivationsproblem: „Kaltes Wasser und fehlende Handtücher könnten Schüler vom Händewaschen abhalten.“