Waiblingen

Einweg ist kein Weg, doch das To-go-System "Recup" läuft in Waiblingen schlecht

Cafe Nautilus
Kaffee To-Go ohne Gewissensbisse: „Recup“ macht es möglich, ist in Waiblingen aber eher selten anzutreffen. © ZVW/ALEXANDRA PALMIZI

Ob auf dem Weg zur Arbeit oder beim Bummeln in der Fußgängerzone: Heiße und kalte Getränke zum Mitnehmen erfreuen sich großer Beliebtheit, auch in Waiblingen, doch die Teilnahme an bewährten Mehrweg-Becher-Systemen, wie beispielsweise „Recup“, bleibt in der Stadt an vielen Stellen aus. Dass der Genuss aus dem Einwegbecher viel Müll erzeugt, ist mittlerweile bekannt. Rund 55.000 Tonnen Müll sind dadurch im Jahr 2021 entstanden, das meldet die Verbraucherzentrale. Damit habe der Becher die Plastiktüte als Abfallverursacher überholt.

Das Münchener Unternehmen „Recup“, das ein bundesweites Pfand-System entwickelt hat, zählt derzeit nur fünf teilnehmende Waiblinger Geschäfte, darunter drei Tankstellen und zwei gastronomische Einrichtungen. Zum Vergleich: In einer Großstadt wie Stuttgart sind mehr als 130 Läden in dem System registriert. Wieso bieten in Waiblingen so wenige Betriebe die beliebte Mehrweg-Lösung an?

Überzeugungsversuche sind fehlgeschlagen

„Die WTM GmbH hatte im vergangenen Jahr versucht, Waiblinger Betriebe für das Recup-System zu gewinnen, auch über einen finanziellen Anreiz“, sagt Marc Funk, Geschäftsführer der Wirtschaft, Tourismus, Marketing GmbH (WTM). Es könnte so einfach sein: Gastronomische Einrichtungen können bei „Recup“ Becher und Schüsseln in verschiedenen Größen bestellen und diese anstelle der Einweg-Produkte für die Ausgabe von Getränken und Speisen zum Mitnehmen verwenden. Der Kunde zahlt eine Pfand-Gebühr von einem Euro. Beim nächsten Einkauf kann das Produkt wieder abgegeben werden – egal bei welcher teilnehmenden Gastronomie. Die Pfand-Gebühr wird erstattet oder ein neues Getränk in frischem Becher serviert.

Uwe Füssenhäuser, Inhaber von Uwe’s Backstube, bestätigt, dass das Landratsamt bereits Überzeugungsarbeit geleistet habe, das Mehrweg-System jedoch nur von wenigen angenommen wurde. „Es gab mal einen Termin, bei dem das Recup-System vorgestellt wurde.“ Uwe’s Backstube führte das System daraufhin ein – zum Frust einiger Kunden, denn der Euro mehr war nicht bei allen beliebt. So oder so: Uwe Füssenhäuser musste die Verwendung der Recups wieder einstellen.

Umsatz an Kaffee to go bricht durch nachlassende Kaufkraft ein

„Durch die Corona-Pandemie habe ich 90 Prozent weniger Kaffees zum Mitnehmen verkauft. Alle sind im Home-Office“, erzählt der Bäcker. Dadurch sei das System kaum genutzt worden. Eine Wiederverwendung der Becher sei während der Pandemie auch wegen der Ansteckungsgefahr problematisch gewesen.

Außerdem unterliegt das Recup-Pfand-System einem Kreislauf: Um es sinnvoll nutzen zu können, müssen viele Händler mitmachen. Nur so ist gewährleistet, dass die Kundschaft den Becher überall unkompliziert abgeben kann. Ein weiterer Grund, weshalb sich Recup in Waiblingen aus Füssenhäusers Sicht nicht durchsetzen konnte.

Und auch ohne den Einbruch im Kaffee-Verkauf hätte sich die Bäckerei das Recup-System nicht mehr leisten können. Durch die steigenden Lebensmittelpreise musste die Bäckerei die eigenen Preise ebenfalls anheben, was nicht alle Kunden mittragen können und wollen. So seien die Verkaufszahlen eingebrochen und damit auch die Umsätze. „Wenn der Umsatz nicht da ist, kann ich auch das To-go-System nicht weiterführen“, erklärt Uwe Füssenhäuser. Er zahlt für die Becher eine Aufwandsentschädigung an das Unternehmen, für die Verwendung einer App, in der die verschiedenen Standorte angezeigt werden, kommen noch einmal 30 Euro oben drauf.

Die Stadt Fellbach fördert die Teilnahme sogar: 31 Euro bekommen Gastronomie-Betriebe, die sich einem Mehrweg-Pfand-System für To-go-Produkte anschließen. Das teilte die Stadt mit. In Waiblingen ist eine solche Förderung derzeit nicht in Sicht.

Marc Funk spricht sich gegen „kommunale Insellösungen“ aus, vielmehr solle das Müll-Problem durch Mehrweg-Becher regional gelöst werden, „weil es Pendlerbeziehungen und Einkaufsbeziehungen zwischen den Kommunen gibt“.

Nach Angaben von dem Geschäftsführer der WTM arbeite die Wirtschaftsförderung Rems-Murr derzeit an einer kreisweiten Unterstützung des Recup-Systems. Die WTM unterstütze dieses Vorhaben. Konkrete Pläne wurden in diesem Rahmen bisher noch nicht veröffentlicht.

Ab 2023 gilt in Deutschland die Mehrweg-Pflicht, spätestens dann müssen gastronomische Betriebe, die To-go-Produkte verkaufen, Mehrweg-Alternativen anbieten. Uwe Füssenhäuser lagert seine Recup-Becher bis dahin ein. Er ist von dem System dahinter überzeugt und wird das Pfand-System Anfang 2023 wieder aufnehmen.

Ob auf dem Weg zur Arbeit oder beim Bummeln in der Fußgängerzone: Heiße und kalte Getränke zum Mitnehmen erfreuen sich großer Beliebtheit, auch in Waiblingen, doch die Teilnahme an bewährten Mehrweg-Becher-Systemen, wie beispielsweise „Recup“, bleibt in der Stadt an vielen Stellen aus. Dass der Genuss aus dem Einwegbecher viel Müll erzeugt, ist mittlerweile bekannt. Rund 55.000 Tonnen Müll sind dadurch im Jahr 2021 entstanden, das meldet die Verbraucherzentrale. Damit habe der Becher die

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