Waiblingen

Höhere Preise für Gebrauchtwagen: Autohändler aus Waiblingen über den Engpass

Autohaus DEKO
Hohe Preise, wenige Kunden: „Auto Deko“ in Waiblingen steckt wie viele Händler in einer schwierigen Marktsituation. © ALEXANDRA PALMIZI

Autohäuser haben es derzeit nicht leicht, egal ob bei Neu- oder Gebrauchtwagen: Durch Lieferengpässe und Materialstopps in der Produktion, die mit dem Krieg in der Ukraine zusammenhängen, verzögern sich sämtliche Abläufe im Automobilgeschäft. Auch der Umsatz des Autohauses „Auto Deko“ in Waiblingen ist eingebrochen.

Inhaber Konstantinos Deligiannoudis sagt: „Ich habe immer gehofft, dass es bis Juli besser wird.“ Doch seine Hoffnung ist bislang vergebens. Nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie wurden im April dieses Jahres 22 Prozent weniger Autos als im gleichen Monat des Vorjahres zugelassen. Das liege unter anderem an dem Mangel von Vorprodukten in der Produktion. Konstantinos Deligiannoudis weiß: „Es sind vor allem Chips und Kabelbäume, die fehlen.“ Letztere würden deutsche Autohersteller oft aus der Ukraine beziehen.

Lieferengpässe befeuern die Preise

Durch die verlangsamte Produktion sei der Preis der Autos enorm angestiegen. Dabei handele es sich in seinem Geschäft um Zahlen zwischen 2000 Euro und 5000 Euro. „Wir sind gezwungen, höhere Preise zu verlangen, weil die Preise im Einkauf erhöht sind“, sagt der Inhaber von „Auto Deko“. Viele Autofahrer würden ihre Kaufentscheidung daher noch einmal überdenken, nimmt er an.

Dadurch sind auch dem Waiblinger Autohändler Kunden abhandengekommen. „Es sind einfach nicht viele Autos vorhanden“, so Deligiannoudis. Die daraus resultierenden Preise stellen eine Hürde für die Kunden dar, die ihren Wagen dann doch lieber noch ein Jahr behalten.

Und wer kein neues Auto kauft, der verkauft dem Gebrauchtwagenhändler auch keins. So schließt sich der Kreis und am Ende des Tages stehen auch bei Konstantinos Deligiannoudis weniger Autos auf dem Hof als vor dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine.

Anzahl der Autos bei Deko halbiert

Wer jedoch einen Blick auf den Hof von „Auto Deko“ wirft, wird sich wundern: Dort stehen zahlreiche Autos, die auf ihre Käufer warten. „Wir haben schon einige Autos hier“, sagt Deligiannoudis. „Ich muss Autos auf dem Hof haben.“ Er versuche, die Balance zu halten, und kaufe für jeden verkauften Wagen einen weiteren Wagen ein, um seinen Bestand wieder aufzufüllen.

Was auf den ersten Blick viel aussieht, erweist sich tatsächlich als weniger als die Hälfte der Autos, die er vor dem Krieg in der Ukraine verkauft hat. Im Endeffekt kauft er derzeit weniger Autos ein, weil er weniger verkauft, dafür muss er pro Fahrzeug mehr Geld ausgeben als vorher.

Peter Rech: "In der Werkstatt dauert es manchmal länger"

Doch nicht für alle Autohändler hat sich die Lage in diesem Ausmaß verschlechtert. Peter Rech, Inhaber von Rech Automobile in Hegnach, verkauft hauptsächlich Autos, die spezieller sind. Immer auf der Suche nach Einzelstücken oder limitierten Auflagen, hat Peter Rech Abnehmer in der ganzen Welt. „Mein letztes Auto habe ich nach Kanada verkauft“, sagt er. Von einigen seiner Wagen gebe es nur wenige Exemplare.

Diese Situation beschert dem Autohändler eine recht günstige Ausgangslage. „Meine Kunden kaufen Autos, weil sie Spaß daran haben, die achten oft nicht darauf, was sie ausgeben“, erzählt Peter Rech. Viele Kunden kauften die Autos sogar noch bevor sie bei Peter Rech vor Ort auftauchten. Nicht selten verkaufe er Luxuswagen, für die er das Geld im Voraus bekomme und den Besitzer dann erst bei der Abholung kennenlerne. „Dann muss aber auch alles an dem Auto perfekt sein.“

Mit einer Werkstatt in Hegnach arbeite er zusammen, dort werden die Fahrzeuge, die er aufkauft, überholt. Und spätestens da holt auch Peter Rech die aktuelle Krise ein: „In der Werkstatt dauerte es manchmal länger“, sagt er. Und auch die Autohersteller hätten Schwierigkeiten, Einzelteile nachzuliefern. Dadurch entstehen längere Wartezeiten.

"Der Markt ist langsamer geworden"

Auch die Halle von Peter Rech ist derzeit nicht ausgelastet. Die Kapazität reicht für 55 Autos, momentan stehen nur etwa 35 drin. „Der Markt ist einfach langsamer geworden“, sagt Rech. Auch ihn betreffe die Problematik der fehlenden Neuwagen, für die keine Gebrauchtwagen nachkommen. Er nimmt außerdem an, dass viele Käufer sich nicht nur wegen der Preise, sondern auch wegen der Überlegung, ein Elektroauto zu kaufen, zögerten.

„Der Endverbraucher macht das alles nicht mit“, sagt er, bezogen auf die hohen Preise. Auch die sind bei Rech Automobile angestiegen. Verkaufte er vor der Krise ein Auto pro Woche, so ist es heute eines pro Monat.

Und die Prognose? Rech denkt, dass die Situation in diesem Jahr noch andauern wird. Konstantinos Deligiannoudis stimmt ihm zu: „Ich glaube, dass es im nächsten Jahr wieder annähernd normal wird, in diesem Jahr wird es aber erst einmal so weitergehen wie jetzt gerade“.

Rech ergänzt: „Eigentlich wird es erst dann besser, wenn der Krieg in der Ukraine aufhört und Putin gestoppt wird.“

Autohäuser haben es derzeit nicht leicht, egal ob bei Neu- oder Gebrauchtwagen: Durch Lieferengpässe und Materialstopps in der Produktion, die mit dem Krieg in der Ukraine zusammenhängen, verzögern sich sämtliche Abläufe im Automobilgeschäft. Auch der Umsatz des Autohauses „Auto Deko“ in Waiblingen ist eingebrochen.

Inhaber Konstantinos Deligiannoudis sagt: „Ich habe immer gehofft, dass es bis Juli besser wird.“ Doch seine Hoffnung ist bislang vergebens. Nach Angaben des Verbands der

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