Waiblingen

Hund beißt Mann krankenhausreif

Rottweiler Sam aus dem Tierheim Schorndorf
Symbolbild. © ZVW/Heckeley

Fellbach. Ein Rottweiler hat in Fellbach einen 26-Jährigen schwer verletzt. Die Bisswunden sind so schlimm, dass der Mann im Krankenhaus bleiben musste. Ein Anwohner reagierte auf Hilferufe des Mannes – sonst hätte der Vorfall womöglich noch schlimmer geendet, so die Polizei. Der Hund bleibt bei der Halterin, vielleicht unter Auflagen.

Der Hund sei bisher noch nie in dieser Richtung aufgefallen, teilte die Polizei nach dem Vorfall am Montagabend mit. Der Mann war mit dem Hund, der seiner Bekannten gehört, in den Weinbergen in der Nähe des Gotthilf-Volzer-Wegs in Fellbach spazieren gewesen. Offenbar hat der Mann zunächst mit dem etwa ein Jahr alten Tier gespielt und getobt. Das Spiel fand ein jähes Ende, denn plötzlich biss der Hund kräftig und mehrfach zu. Der Mann erlitt schwere Verletzungen an Armen und Beinen. Ein Anwohner hörte Hilfeschreie, rannte herbei und schaffte es, den Verletzten ins Auto zu retten. Der Hund beruhigte sich unterdessen und ließ sich an einem Baum anleinen. Später brachte die Polizei den Hund der Besitzerin zurück.

Hundebesitzerin konnte nicht angetroffen werden

Dort dürfte sich das Tier nach wie vor aufhalten. Die Frau wohnt in Remshalden; Mitarbeiter der Gemeinde konnten sie am Mittwoch laut Sachgebietsleiter Oliver Thieme weder telefonisch erreichen noch sei sie zu Hause angetroffen worden. Die Frau wird nun schriftlich gebeten, sich zu melden. Die Gemeindeverwaltung wird sich nun laut Oliver Thieme ein genaueres Bild davon machen, wie der Hund zu beurteilen ist. Sollte er als gefährlicher Hund eingestuft werden, muss er an der Leine geführt werden und einen Maulkorb tragen.

Immer wieder fallen Rottweiler auf 

Immer wieder fallen speziell Rottweiler als aggressive Angreifer auf. Mitte März hat ein solcher Hund ein sechsjähriges Mädchen im Saalekreis schwer verletzt. Sogar schwerste Verletzungen erlitt ein Kleinkind nach einer Attacke eines Rottweilers in Duisburg; dieser Fall liegt allerdings schon fast zwei Jahre zurück.

„Ein Hund wird nur dann zum Kampfhund, wenn man einen Kampfhund aus ihm macht“

Rottweiler gelten in Baden-Württemberg nicht als - mögliche - Kampfhunde. Ohnehin ist der Begriff „Kampfhund“ mit Vorsicht zu gebrauchen. „Ein Hund wird nur dann zum Kampfhund, wenn man einen Kampfhund aus ihm macht“, sagt Markus Daiß, der Vorsitzende der Rettungshundestaffel Rems-Murr. Er kennt den Fellbacher Fall auch nur aus Berichten, weshalb er nicht beurteilen möchte, wo genau der Fehler lag. Möglich wäre, dass der Hund sich beim Spielen bedroht gefühlt hat, es in seiner Erziehung zu Fehlern gekommen ist oder er schlicht die Rangfolge klären wollte.

Richtige Erziehung ist das A und O

Grundsätzlich gilt, so Markus Daiß: Die richtige Erziehung eines Hundes von Anfang an ist das A und O. „Dann kann ein Rottweiler ein ganz lieber Familienhund werden.“ Nur muss er von Anfang an lernen, wer der Chef ist und welche Regeln gelten, und das konsequent.

Rottweiler wird zum "Kraftpaket"

Hundebesitzer könnten beim Anblick des niedlichen Welpen dazu neigen, dem süßen Rotti zu viel durchgehen zu lassen – was sich später rächt. Ein Rottweiler entwickelt sich zu einem „Kraftpaket“ und kann um die 50 Kilo schwer werden, so Markus Daiß. Er hält es für ein Problem, dass Hundehalter nicht eine Art Führerschein ablegen und Kenntnisse über richtige Erziehung des Tieres nachweisen müssen. „Viele informieren sich nicht früh genug. Ich muss mir vorher überlegen, welche Rasse ist für mich geeignet“, so Markus Daiß.

Nicht jeder Rottweiler ist ein gefährlicher Hund

Kein Geheimnis ist, dass manche Hundehalter sich gezielt eindrucksvolle Tiere anschaffen, um sich Respekt zu verschaffen, vielleicht sogar anderen Angst einzujagen.

Ein Rottweiler gilt nicht automatisch als gefährlich, nur weil er ein Rottweiler ist. Dr. Stephan Betz vom Veterinäramt des Landratsamts verweist auf die Polizeiverordnung zur Haltung gefährlicher Hunde. In einer Verwaltungsvorschrift dazu heißt es: „Ein Hund ist in der Regel als bissig anzusehen, wenn er eine Person oder ein Haustier gebissen hat und es sich hierbei nicht nur um eine Reaktion auf einen Angriff oder um ein bewusst herausgefordertes Verhalten handelt.“ Bissige Hunde müssen Maulkorb tragen.

Auf's Verhalten kommt es an 

Es kommt also aufs Verhalten des Hundes an – und zunächst gilt die „Unschuldsvermutung“, erklärt Stephan Betz. Nach einer Beißattacke, wie jetzt in Fellbach, kommt die Ortspolizeibehörde ins Spiel, das ist in diesem Fall die Gemeinde Remshalden. Polizeihundeführer unterstützen die Behörden bei der Einschätzung, ob von einem Hund eine Gefahr ausgeht. Tierärztliche Sachverständige des Veterinäramts nehmen zudem bei Bedarf Stellung.

Kampfhunde müssen geprüft werden

Bei Hunderassen, die Kampfhunde-Eigenschaften aufweisen können, läuft es etwas anders ab. Rottweiler zählen nicht zu den Kampfhunderassen. Halter dieser Rassen müssen ihr Tier zur Prüfung vorführen, sofern sie erreichen wollen, dass ihr Hund nicht als Kampfhund gelistet wird. In solchen Fällen checkt das Veterinäramt zusammen mit der Polizeihundestaffel Schorndorf, ob eine übersteigerte Aggressivität vorliegt.

Gefährliche Hunde

  • In einer Polizeiverordnung ist geregelt, wie gefährliche Hunde zu halten sind.
  • Kampfhund-Eigenschaft wird laut der Verordnung bei diesen Rassen vermutet: American Staffordshire Terrier, Bullterrier und Pit Bull Terrier. Wenn Anhaltspunkte auf gesteigerte Aggressivität und Gefährlichkeit gegenüber Menschen oder Tieren vorliegen, gilt diese Vermutung auch bei diesen Rassen: Bullmastiff, Staffordshire Bullterrier, Dogo Argentino, Bordeaux Dogge, Fila Brasileiro, Mastin Espanol, Mastino Napoletano, Mastiff, Tosa Inu.
  • „Gefährlichen Hunden“ widmet die Verordnung einen extra Paragrafen. Als gefährlich gelten demnach Hunde, die, ohne Kampfhunde zu sein, „aufgrund ihres Verhaltens die Annahme rechtfertigen, dass durch sie eine Gefahr für Leben und Gesundheit von Menschen oder Tieren besteht. Gefährliche Hunde sind insbesondere Hunde, die bissig sind, in aggressiver oder gefahrdrohender Weise Menschen oder Tiere anspringen oder zum unkontrollierten Hetzen oder Reißen von Wild oder Vieh oder anderen Tieren neigen.“ Wenn ein Hund genau das tut, gilt seine Gefährlichkeit als erwiesen.
  • In Bayern zählt auch der Rottweiler zu den Hunderassen, bei denen Kampfhundeigenschaften zu vermuten sind.
  • Ob ein Hund nun tatsächlich als gefährlich und bissig einzustufen ist, können Behörden anhand von Verhaltenstests feststellen.
  • Gefährliche Hunde und natürlich auch Kampfhunde müssen sicher an der Leine geführt werden und einen Maulkorb tragen. Sie müssen am Halsband eine Kennzeichnung haben, aufgrund der der Hundehalter ermittelt werden kann.