Waiblingen

Nach Brand am Alten Postplatz: Kripo ermittelt nach allen Seiten

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Grossbrand_Alter Postplatz 2, Waiblingen, 08.04.2017.
In nur zwei Stunden hat die Feuerwehr den Brand in der Querspange gelöscht. Jetzt ermittelt die Kripo. © Benjamin Beytekin
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Grossbrand_Alter Postplatz 2, Waiblingen, 08.04.2017.
Durch die Hitze barsten die Fenster. © Benjamin Beytekin
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Der brennende Container. © Taner Altuntas

Waiblingen. Am Tag nach dem Brand in der Querspange laufen die Untersuchungen der Kriminalpolizei auf Hochtouren. Ermittelt wird nach allen Seiten, das Gebäude ist deshalb unter Verschluss. Die Arztpraxen, die Zentralklinik und die Notfallpraxis sind dicht, ebenso der Rewe-Markt, das Reisebüro und der Handyladen im Untergeschoss. Nur Apotheker Patrick Pfeifer ist mit einem blauen Auge davongekommen: Seine Central-Apotheke ist bereits geöffnet.

Noch während die Feuerwehr am Samstagabend gegen die Flammen kämpfte, haben Kripo und Techniker die Ermittlungen aufgenommen. Fest steht bisher offenbar nur, dass das Feuer außerhalb des Gebäudes in einem Abfallcontainer ausgebrochen ist. Hinter der Querspange standen mehrere Drahtgittercontainer, in denen sich wohl Abfall und Verpackungsmaterial befanden.

Wie berichtet, ist ersten Erkenntnissen zufolge vermutlich dieses Material in Brand geraten, zündete dann aufgrund seiner Beschaffenheit schnell durch und fraß sich an der Fassade hoch.

Schnell war von einem Trittbrettfahrer die Rede

Angesichts der Tatsache, dass vor nicht mal zwei Wochen auch das Feuer beim Bürgerzentrum in einem Abfallcontainer begann, war schon am Samstagabend vor der Querspange von Brandstiftung und einem Trittbrettfahrer die Rede. Ein Verdacht, den die Polizei aber (noch) nicht bestätigen kann: „Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagte Polizeisprecher Ronald Krötz auf Anfrage.

Vorsätzliche Brandstiftung sei möglich, infrage komme aber auch fahrlässige Brandstiftung wie eine weggeworfene Zigarettenkippe. Der Mann, der am Tag nach dem Feuer im Bürgerzentrum festgenommen worden war, kann jedenfalls definitiv nicht der Täter sein: „Der sitzt nach wie vor in Untersuchungshaft.“

Bis einschließlich Mittwoch steht die Querspange wegen den Ermittlungsarbeiten der Polizei noch unter Verschluss. Ein erster Blick in ihre Praxisräume war den Ärzten allerdings möglich. Auch die Versicherungen haben inzwischen die Arbeit aufgenommen. Nicht überall im Gebäude hat das Feuer gewütet, nicht in jedem Bereich das Löschwasser seine Spuren hinterlassen. Doch teilweise ist der Anblick katastrophal.

Die Notfallpraxis stand unter Wasser, das Wartezimmer ist verbrannt

Während die Notfallpraxis unter Wasser stand, ihr Wartezimmer verbrannt ist, sieht es relativ harmlos in der orthopädisch-chirurgischen Klinik von Karsten Reichmann und Andreas Schlüter aus. „Unsere Praxis ist verraucht, aber vom Brand ist sie nicht betroffen“, berichtet der Chirurg Andreas Schlüter.

Optimistisch geht er davon aus, seine Praxis schon bald wieder öffnen zu können – auch wenn an OPs erst mal nicht zu denken sei. „Am Dienstag geht ein Gutachter durch das ganze Haus. Dann entscheidet sich, ob man Raumluftmessungen machen muss.“

Umsichtiges Handeln der Feuerwehr

Weit schlimmer hat es andere Praxen im Ärztehaus getroffen. Auch die Radiologie-Praxis von Hansjörg Rempp. Zwei Räume – die Verwaltung und der Bereich fürs Personal – wurden vom Feuer schwer verwüstet. Seine Röntgengeräte, das Mammografiegerät und der Computertomograf sind rein optisch unbeschädigt, berichtet der Radiologe.

Ob die Apparate aber durch die Hitze, Wasser oder den Stromausfall zu Schaden kamen, könne noch keiner sagen. Dass die Geräte vor dem Löschwasser weitgehend gerettet wurden, verdankt er dem umsichtigen Handeln der Feuerwehr. In der abgehängten Spanndecke in der Praxis hatte sich Löschwasser gesammelt, das die Wehr ganz vorsichtig abließ, nachdem sie zuvor die hochempfindlichen Untersuchungsgeräte abgedeckt hatte.

Mitgefühl für die Menschen, deren Lebenswerke im Haus sind

Die Umsicht der Feuerwehr, die für ihre tolle Arbeit auch von der Polizei ausdrücklich gelobt wird, hat auch Patrick Pfeifer vor einem Wasserschaden bewahrt. Das in einem Nebenraum seiner Apotheke durch die Decke dringende Löschwasser wurde von der Wehr mit Planen kanalisiert und in eine Tonne geleitet. Ohnehin ist Pfeifer mit einem blauen Auge davongekommen. Seine Apotheke ist bereits wieder geöffnet, nachdem die Polizei am Montagmorgen grünes Licht gegeben hat. „Das ist eine große Erleichterung“, sagt der Apotheker. „Ich habe aber viel Mitgefühl mit den Leuten, die hier ihre Lebenswerke im Haus haben.“

Wer hat fotografiert?

  • Die Polizei hat ihren Zeugenaufruf noch einmal bekräftigt. Wer sich vor der Brandausbruchszeit im fraglichen Bereich aufhielt, wird gebeten, sich zu melden, unabhängig davon, ob er selbst Beobachtungen gemacht hat. Die Polizei ist an einem vollständigen Bild interessiert, zu dem jeder beitragen kann, der sich ab etwa 16 Uhr in der Gasse hinter dem Gebäude aufhielt. Hinweise nimmt die Polizei unter ) 0 71 51/95 00 entgegen.
  • Interessant könnten auch Bilder von Smartphones sein, die rund um den Container bei Brandausbruch gemacht wurden.

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