Waiblingen

Orthopädie-Schuhe: Holzwarth aus Waiblingen spürt Materialmangel – Reparaturen gefragt

Holzwarth Orthopädie
Simone Holzwarth-Ruml (Zweite v.l.) und Inhaber Harald Ruml (Dritter v.l.) mit ihren Söhnen René (links) und Patrick (rechts). © ZVW/Gabriel Habermann

Einlagen, orthopädische Maßschuhe oder Kompressionsstrümpfe: Wer einen Termin bei Holzwarth in Waiblingen hat, kommt in den meisten Fällen mit einem Rezept oder zumindest auf die Empfehlung einer Arztpraxis hin. Aus diesem Grund hat es zu Beginn der Corona-Pandemie nicht lange gedauert, bis das seit 1946 bestehende Familienunternehmen als „systemrelevant“ eingestuft wurde und damit auch während der Lockdowns geöffnet blieb.

„Es war gut für uns, dass wir arbeiten konnten“, sagt Simone Holzwarth-Ruml. Sie ist Physiotherapeutin und vor Ort für die Kundenbetreuung und Büroarbeiten zuständig. Ihr Mann Harald Ruml ist der Inhaber des Betriebs.

Die Orthopädie-Schuhtechnik ist eines von fünf Gesundheits-Handwerken in Deutschland. Die Mitarbeitenden der Holzwarth-Filialen in Waiblingen und Fellbachbilden ein entsprechend breites Spektrum an Ausbildungen mit medizinischen Inhalten ab. Auch die Söhne von Simone Holzwarth-Ruml, René und Patrick Ruml, befinden sich derzeit in der Ausbildung zum Orthopädie-Schuhmacher. Mit ihrem Eintritt in das Familiengeschäft geht der Betrieb bereits in die vierte Generation.

Der medizinische Hintergrund des Handwerks könnte dazu beigetragen haben, dass der Betrieb einigermaßen glimpflich durch die Pandemie gekommen ist. „Wir konnten eigentlich alles abfedern“, sagt Patrick Ruml.

Zögerliche Kunden zu Beginn der Corona-Pandemie

Lediglich einen Monat lang waren die Mitarbeitenden in Kurzarbeit geschickt worden. „Erst waren wir schon verunsichert“, sagt Simone Holzwarth-Ruml, denn genau wie die Kunden habe auch das Team nicht gewusst, wie es von nun an weitergehen würde. Würde die Kundschaft ausbleiben, weil weniger Menschen den Weg zum Arzt gehen würden? Auch könnten viele annehmen, der Betrieb sei geschlossen – so wie fast jedes Geschäft im Lockdown. „Zu Beginn waren unsere Kunden schon sehr zögerlich“, so Holzwarth-Ruml.

Diese Sorgen legten sich jedoch wieder: Die Kundschaft kam weiterhin und habe immer „super“ auf die Hygiene-Maßnahmen reagiert. Als Gesundheits-Handwerk muss sich das Unternehmen laut Holzwarth-Ruml sowieso an schärfere Hygiene-Regeln halten. Diese waren um weitere Maßnahmen ergänzt worden, zum Beispiel sei ein Besuch nur mit Termin möglich gewesen.

„Die Menschen rufen immer noch an und fragen nach einem Termin“, sagt Simone Holzwarth-Ruml, dabei ist ein Besuch der Geschäfte längst wieder möglich. Die Pandemie stellte Holzwarth vor ein ganz anderes Problem: den Personal-Mangel. „Einmal mussten wir eine Filiale zeitweise schließen“, sagt Patrick Ruml. Einige der Mitarbeitenden hatten sich gleichzeitig mit dem Virus angesteckt und seien daher ausgefallen: „Da war es kurzzeitig schwer, mit zwei Filialen zu jonglieren.“

Und auch finanziell hatten Anpassungen stattfinden müssen. Drei- bis viermal sei der Betrieb in den letzten zwei Jahren mit steigenden Preisen im Einkauf konfrontiert worden. „Seit 2018 sind die Preise stabil gewesen, durch Corona kommt man aber nicht umhin, die Preise für die Kunden zu erhöhen“, sagt der Auszubildende. Und damit nicht genug, denn die Preissteigerungen in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie werden in naher Zukunft wohl anhalten.

Hohe Preise und Materialknappheit auch durch den Krieg in der Ukraine

Auch die derzeit hohen Energiepreise wirken sich auf den Familienbetrieb aus. Dessen Maschinen und Öfen laufen laut Simone Holzwarth-Ruml nämlich den ganzen Tag über und verbrauchen viel Energie. Nicht nur die Laufzeit, sondern auch die Größe der Maschinen würde dadurch zum Problem. „Wir haben große Maschinen, die entsprechend viel Energie verbrauchen“, erklärt Holzwarth-Ruml.

In den Werkstätten der beiden Filialen wird nach eigenen Angaben beispielsweise mit Schleifmaschinen, Heizöfen und Druckluft-Kompressoren gearbeitet. Modernere Maschinen, die weniger Energie verbrauchten seien zwar eine gute Lösung für das Problem, in der Anschaffung jedoch teuer. „Die Anschaffungskosten sind ebenfalls gestiegen“, erzählt Simone Holzwarth-Ruml.

Zusätzlich dazu sei in Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine auch eine Materialknappheit bemerkt worden. Patrick Ruml erzählt, dass die Kaufkraft der Kunden zwar gleichgeblieben, das Material jedoch weniger geworden sei. „Einmal ist uns ein Material tatsächlich ausgegangen, weil es nicht mehr nachgeliefert werden konnte.“ Das Team konnte jedoch übergangsweise eine Lösung finden und ersetzte das fehlende Material durch ein anderes.

Materiallieferstopps und hohe Preise: Die Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine führen dazu, dass das Team von Holzwarth materialsparend arbeiten müsse, so Holzwarth-Ruml. „Durch die Handarbeit sind wir allerdings sowieso schon sparsamer“, sagt die Physiotherapeutin und verweist auch darauf, dass anders eingekauft werden müsse. Bisher kündigt der Betrieb jedoch keine erneute Preissteigerung für die Kunden an. Auszuschließen sei dies zukünftig allerdings auch nicht.

Momentan gefragt: Reparaturen von Schuhen, Gürteln und Taschen

„Was allerdings gestiegen ist, ist das Geschäft mit Reparaturen“, sagt Simone Holzwarth-Ruml. Der Betrieb sei nämlich nicht nur für orthopädische Themen, sondern auch für „normale Schuhreparaturen“ zuständig. Und auch andere Gebrauchsgegenstände, wie Gürtel oder Taschen können bei Holzwarth in Reparatur gegeben werden. Seit einiger Zeit bemerke sie hier einen Anstieg.

„Ich denke, dass der Nachhaltigkeits-Gedanke zunimmt“, sagt Simone Holzwarth-Ruml und sieht darin den Grund für das hohe Interesse an der Wiederverwendung einiger Produkte.

Einlagen, orthopädische Maßschuhe oder Kompressionsstrümpfe: Wer einen Termin bei Holzwarth in Waiblingen hat, kommt in den meisten Fällen mit einem Rezept oder zumindest auf die Empfehlung einer Arztpraxis hin. Aus diesem Grund hat es zu Beginn der Corona-Pandemie nicht lange gedauert, bis das seit 1946 bestehende Familienunternehmen als „systemrelevant“ eingestuft wurde und damit auch während der Lockdowns geöffnet blieb.

„Es war gut für uns, dass wir arbeiten konnten“, sagt Simone

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